Mensch und Metall in der Kupferzeit

Neue Werkstoffe revolutionieren das Leben

Kupfer, Bronze, Eisen, Gold und Silber - Metalle und die Möglichkeit, sie zur Herstellung von Schmuck, Werkzeugen und Waffen zu verwenden, finden erst spät den Weg in das Bewusstsein der Menschen. Vor vermutlich 9000 Jahren beginnt eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen. Metall und Schmiedehandwerk verändern die Welt.

Flüssiges Metall wird in Behälter gegossen.
Flüssiges Metall wird in Behälter gegossen. Quelle: ZDF

So könnte sich die Geschichte zugetragen haben: Es ist früh am Morgen, 9000 Jahre vor Christus, irgendwo im Vorderen Orient. Ein Mensch stochert in der Asche des Feuers nach der letzten Glut, um es neu zu entfachen. Gestern haben er und seine Gefährten einen Holzstoß errichtet und die Feuerstelle mit Gesteinsbrocken umgrenzt. Vielleicht für ein Fest. Lange und heiß loderten die Flammen in der Nacht.

In der Glut entsteht Kupfer

Der Frühaufsteher entdeckt In der Asche etwas nie zuvor Bemerktes: glänzende Metallperlen. Grünliche und blaue Steinen aus den Kupfererzen Malachit und Azurit, die für Schmuckstücke genutzt wurden, haben sich in der Glut in gediegenes Kupfer verwandelt. Der Mensch betrachtet das Geschenk des Feuers genauer. Seine Neugier ist geweckt. Er entdeckt: Mit einem Klopfstein kann er seinen Fund formen, vielleicht zu einer Nadel? Und er beginnt zu überlegen.

Malachit
Malachit, Museum für Naturkunde Berlin Quelle: imago/Scherf

Kupfer, Zinn und Eisen kommen in der Natur nur selten in Reinform vor. Als sein Interesse am Metall erwachte, war der Mensch auf Orte angewiesen, an denen er metallhaltiges Gestein in ausreichender Menge und leicht zugänglich finden konnte. An solchen Stellen wurde er sesshaft und begann im 7. Jahrtausend vor Christus mit dem planmäßigen Bergbau.

Mit Kupfer und Gold beginnt der Bergbau

Wichtige Voraussetzungen dafür entwickelten sich anscheinend unabhängig voneinander in unterschiedlichen Regionen Europas und Vorderasiens: Die Entdeckung, dass man Metall durch Erhitzen aus dem Gestein herauslösen kann und dass man geschmolzenes Metall in Formen gießen kann. Die ersten genutzten Metalle waren Kupfer und Gold. Sie wurden hauptsächlich für Schmuck und leichte Werkzeuge verwendet. Das änderte sich erst ab dem 3. Jahrtausend vor Christus mit der Entdeckung und Verbreitung von Bronze. Die Legierung aus Kupfer und Zinn ist härter, für Werkzeug und Waffen besser geeignet.

Kupferkniest
Kupferkniest Quelle: imago/imagebroker

Im 6. und 5. Jahrtausend vor Christus verbreitet sich die Landwirtschaft im Norden und Westen Europas. Ausgangsregion der Entwicklung ist der Balkan. Hier werden um 5000 vor Christus auch erste von Schmieden bearbeitete Goldgegenstände und Kupfergeräte gefertigt. Im Hochland von Bulgarien entdeckten Forscher Kupferminen, die bereits im 5. Jahrtausend systematisch ausgebeutet wurden. Archäologen stießen auf Schmelztiegel und Gussformen, in denen Äxte gegossen wurden. Der Gebrauch solch seltener Kostbarkeiten verlieh seinem Besitzer mit Sicherheit hohes Ansehen. Sie waren weithin begehrt.

Technologie verbreitet sich

Kupfergegenstände aus dem heutigen Bulgarien fanden ihren Weg entlang der Donau nach Westen und Norden, sogar bis in das heutige Dänemark. Im Süden der iberischen Halbinsel entwickelte sich früh eine eigenständige Kupferproduktion. Bis zum 3. Jahrtausend breitete sich die neue Technologie vom Balkan überall in Nordeuropa aus. Gegenstände aus Kupfer finden Archäologen auch als kostbare Totengaben in den mächtigen Gräbern aus jener Zeit.

Eine bedeutende Entwicklung die mit der Ausweitung der Landwirtschaft in Europa zusammenhängt, ist die Ausdifferenzierung neuer Berufsgruppen in den bäuerlichen Siedlungen. Zu den Jäger kommen nun die Bauern und Handwerker. Darunter auch solche, die sich auf den Erzabbau und die Verarbeitung von Kupfer und anderen Materialien spezialisieren.

Handwerk auf goldenem Boden

Nicht überall in Europa und dem Mittelmeerraum vollzog sich der mit der Metallverarbeitung verbundene Fortschritt gleichzeitig. Der lange während Übergang von der Steinzeit zur nachfolgenden Bronzezeit geschah in den einzelnen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten, vorangetrieben durch die Zentren der Kupfergewinnung. Kupfer ist für Jahrhunderte das erste wichtige Gebrauchsmetall der Menschen. Wissenschaftler bezeichnen daher als Kupferzeit diejenige Zeitspanne, in der Kulturen unlegiertes, das heißt nicht durch Beigabe von Zinn zu Bronze legiertes Kupfer benutzten.

Wer sich auf den Umgang mit dem Metall verstand, war ein wichtiger Mann. Unweit des Ortes, an dem die Himmelscheibe von Nebra ausgegraben wurde, entdeckten Archäologe ein prächtiges Grab. Sie stellten fest: Vor beinahe 4000 Jahren, im Jahr 1942 vor Christus, wurde hier ein bedeutender Mann bestattet. Sie nennen ihn den "Fürst von Leubingen". Er könnte der Schmied der Himmelsscheibe gewesen sein, von den Menschen seines Dorfes als " Herr des Metalls und des Feuers" respektiert und verehrt.

Jahrhundertfund von Nebra

Nachbildung des Hortfundes von Nebra
Nachbildung des Hortfundes von Nebra Quelle: imago/Steffen Schellhorn

Die Grabbeigaben des Toten sind außerordentlich reich: Waffen aus Bronze und Schmuck aus reinem Gold. Wichtiger für die Forscher jedoch: darunter befinden sich auch die wichtigen Utensilien eines Schmieds. Der Jahrhundertfund der "Himmelsscheibe von Nebra" öffnet ein Fenster in die ferne Vergangenheit der Kupferzeit und erlaubt den Blick auf die Lebensumstände von Menschen die in unserer Nähe lebten, von denen wir bisher nur wenig wissen konnten.

Um das Jahr 2000 vor Christus hat sich in der bäuerlichen Bevölkerung der Saale-Unstrut Region eine klare Struktur herausgebildet. Europa ist zu dieser Zeit ein weitgehend friedlicher Wirtschaftsraum ohne Grenzen. Seit Jahrhunderten führen die wichtigsten Handelsrouten durch die Mitte Deutschlands. Im Gebiet um Nebra und Leubingen befindet sich ein wichtiger Knotenpunkt. Aus dem Süden bringen Händler Rohmetall und Schmuck. Aus dem Norden gelangt Bernstein bis nach Griechenland und Ägypten. Aus Mitteldeutschland kommen Salz und Werkzeuge.

Reisende, die viel erzählen

Analyse der Archäologen beweisen: Kupfer, das der Schmied der Himmelsscheibe von Nebra verwendete brachten Händler aus Mienen im heutigen Österreich. Gold kam aus Südengland und vielleicht auch aus der Balkanregion. Vor allem jedoch benötigte der Schmied der Himmelsscheibe das damals seltene Zinn und das erst wenige Jahrhunderte alte Wissen, in welchem Verhältnis Kupfer und ein wenig Zinn zusammengeschmolzen werden müssen, um die 2,3 Kilo Bronzescheibe herzustellen.

Bis 2000 vor Christus bleibt Kupfer als Handelsgut eine Seltenheit. Der tote Mann vom Gletscher, Ötzi genannt, trägt ein kupfernes Beil bei sich als er um das Jahr 2300 vor Christus die Alpen überquert. Der Tote gibt den Forschern viele Rätsel auf, doch das Beil beweist: Er war ein bedeutender Mann und er legte weite Wege zurück. Das Netz der Handelsrouten, die Nordeuropa mit der Balkanregion und dem Mittelmeerraum verband, reicht im Westen bis nach England. Analysen ergaben: Das Zinn in der Himmelsscheibe stammt aus Südengland.

Mächtig und begehrt

Während in der Kupferzeit die meisten Menschen sicher nur selten ihren Heimatort verlassen, gibt es doch immer wieder Einzelne, die weite Wege zurück legen um Waren oder Wissen zu verbreiten. Der "Bogenschütze von Amesbury" stirbt im Jahre 2300 in England und wird einem ungewöhnlich reich ausgestatteten Grab nahe der Kreisanlage von Stonehenge beigesetzt.

Analysen erbrachten: Der Ort seiner Kindheit liegt in den österreichischen Bergen. Sein handwerkliches Wissen, das er nach Stonehenge brachte, machte ihn mächtig und zu einem geehrten Mann. Er war ein Schmied. Seine Werkzeuge gab man ihm - ebenso wie es beim Fürst von Leubingen war - mit ins Grab.

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