Menschen in Sibirien

Erste Siedlungen bereits vor 200.000 Jahren

Heute leben etwa 20 Prozent der Bevölkerung Russlands in Sibirien, sie leben auf 75 Prozent des gesamten russischen Territoriums. Es gibt Landstriche, die so gut wie menschenleer sind, andere wiederum - etwa entlang der Transsibirischen Eisenbahn - haben so etwas wie urbanen Charakter.

Einer Schneise der Zivilisation gleich zieht sich hier im südlichen Teil Sibiriens ein Band von Städten und Industrieanlagen vom Ural bis nach Osten.

Forschung noch am Anfang

Heute weiß man durch archäologische Funde, dass Sibirien bereits vor etwa 200.000 Jahren besiedelt war. Doch die Forschung steht noch am Anfang und der sibirische Boden birgt noch viele Geheimnisse. Was bereits ans Tageslicht getreten ist, bezeugt aber, dass es hier schon immer die unterschiedlichsten Gesellschaften und Kulturstufen gegeben hat. Die Menschen, die beispielsweise in der Westsibirischen Tiefebene siedelten, standen auf einer anderen Stufe als diejenigen, die am Baikalsee bereits eine frühe Hochkultur entwickelt hatten.

Ein ganz wichtiger Grund für diese unterschiedliche Evolution war das Klima, das diese riesige Landmasse nicht einheitlich geprägt hat. Wir sehen es noch heute. Und auch dies gab es schon immer: Der Mensch richtete sich in der Natur ein und er war bereit, sein Land zu verlassen, wenn ihm die klimatischen Bedingungen die Lebensgrundlage entzogen. In sein angestammtes Gebiet folgten dann andere, die weitaus besser mit den Umständen zurecht kamen - mit Kälte, Feuchtigkeit, Trockenheit.

Auf ein Minimum reduziert

Noch heute leben zwischen Ural und Pazifik über hundert verschiedene Völkerschaften, Stämme oder Nationalitäten, manche von ihnen sind durch die Zivilisation auf ein Minimum reduziert. Und dennoch haben viele von ihnen ihre Eigentümlichkeit bewahrt. Auch die russischen Neuankömmlinge nahmen schnell eine andere Lebensweise an.


"In all seinen Eigenschaften, den guten wie den schlechten, ist der Sibirjak ein Ergebnis dessen, wie sich der Mensch verändert, wenn ihn lange Zeit keine Gesetze einschränken", schreibt Valentin Rasputin. Deshalb sind auch die Russen, die hier leben, ein besonderer Menschenschlag. Sie ließen sich auf das Abenteuer Sibirien ein, wenn sie freiwillig hierher kamen. Wer aber hierher verbannt wurde, der sah keinen Ausweg aus dem "schlafenden Land" oder er lernte es zu schätzen. Hier in Sibirien waren seit jeher besondere Qualitäten gefragt: Wagemut, Unternehmungslust, Naturverbundenheit, Zusammenhalt und absoluter Freiheitswille. Hier gab und gibt es immer noch eigene Gesetze.

Russlands Fluch

Früher hieß es vor allem in Sibirien: "Russland ist groß und der Zar ist weit." Heute gibt es Stimmen, die ernsthaft behaupten: Sibirien ist Russlands Fluch. Angesichts brennender Wälder, undichter Ölpipelines, gefährlichem Atommüll, verschmutzter Seen und Flüsse, einer nahezu unregierbaren Landmasse, ist dies gar nicht so abwegig. Die dreiteilige ZDF-Fernsehfilm möchte dazu beitragen, den "achten Kontinent" mit all seinen Schönheiten und Grausamkeiten kennen zu lernen, seine Menschen und seine weitgehend unbekannte Geschichte zu verstehen.

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