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Mikrozephale oder Pygmäe

Alternativtheorien auf dem Prüfstand

Nicht alle Forscher reagierten positiv auf den neuen Fund. Professor Teaku Jacob beispielsweise ist davon überzeugt, dass das kleine Gehirn des Hobbits seinen Ursprung in einer furchtbaren Krankheit, der Mikrozephalie hat, einer Erkrankung, die sehr kleine Gehirne produziert.

Das Leiden sorgt unter anderem dafür, dass sich der Schädel eines Menschen früh schließt und das Gehirn keinen Platz zum wachsen hat. Die These schien zunächst naheliegend, da ein einzelnes Skelett durchaus eine krankhafte Abweichung innerhalb einer Art sein kann. Eine Analyse des Hobbithirns sollte schließlich das Rätsel lösen.

Völlig andere Schädelform

Wissenschaftler des Mallinckrodt-Institute für Radiologie in St. Louis nutzen moderne Scanner und 3D-Modelle, um die Gehirne prähistorischer Menschentypen zu rekonstruieren. Die Abbildung und Untersuchung des 18.000 Jahre alten Hobbitgehirns leitet Dr. Dean Falk. War der Hobbit ein hirngeschädigter Sapiens lautete die erste Frage, die das Team sich stellte: Die 3D-Animation eines krankhaft verkleinerten Gehirns, eines Mikrozephalen, zeigt, dass er im Vergleich zum Hobbit winzig ist - aber noch wichtiger: Die Form des Schädels ist völlig anders. Das Hobbithirn hat die Form eines archaischen Menschenhirns, während das Gehirn des Mikrozephalen mit keinem Gehirn irgendeiner menschlichen Art Ähnlichkeit hat. Der Hobbit ist kein Mikrozephale!

Andere Wissenschaftler behaupten, der Hobbit sei eine Art Pygmäe, ein anatomisch moderner Mensch, dessen geringe Größe ebenfalls eine Anpassung an seinen Lebensraum ist. Im Vergleich sieht man sofort, dass der Pygmäenkopf viel größer ist als der des Hobbit. Tatsächlich sind Pygmäen moderne Menschen mit Gehirnen, die zwei bis drei Mal größer sind als das des Hobbits. Man kann mit Sicherheit ausschließen, dass der Hobbit ein Pygmäe ist.

Wehrhaftes Völkchen

Der Hobbit ist nun zweifelsfrei als eigene Spezies identifiziert: Eine neue Menschenart mit einem Gehirn in der Größe einer Orange und etwa einem Meter Körpergröße - nur etwa halb so groß wie ein Mensch der Gegenwart. Wie aber haben die Zwerge von Flores ausgesehen? Trotz der geringen Größe gibt es Hinweise darauf, dass die Hobbits ein durchaus wehrhaftes Völkchen waren. Stegodonüberreste zeigen deutlich, dass Tiere geschlachtet wurden. Neben den Knochen fand das Grabungsteam Steinwaffen und Teile von Speeren.

Wie muss man sich eine solche Jagd vorstellen? Das Stegodon war mit 1,20m so groß wie ein Reh. Aber die Jäger maßen nur einen Meter. Vermutlich jagten sie in der Gruppe. Ein einziges Beutetier machte für Wochen satt. Hobbits haben in der Tat in etwa die gleiche Hirngröße wie Schimpansen. Trotzdem jagt der eine bis in die Gegenwart Termiten, während der andere vor 18.000 Jahren Elefanten nachstellte.

Schrumpfendes Gehirn



Dean Falk und ihr Team versuchen, herauszufinden, was das Hobbitgehirn so leistungsstark macht. Es gilt nun als sicher, dass sich der Hobbit aus dem Homo erectus entwickelt hat. Auch das Gehirn des Erectus war vom Schrumpfungsprozess betroffen, die erworbene Intelligenz blieb aber offenbar erhalten.

Jeder große Affe und jeder Mensch besitzt eine "Area 10", aber die Schwellung des Hobbits ist die größte, die jemals nachgewiesen wurde. Das ist erstaunlich, denn dieser Hirnteil ist enorm wichtig im Zusammenhang mit den Gehirnfunktionen, die uns zu Menschen machen.




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