Mini-Elefanten in der Salzwüste

Beweise für ein Kommen und Gehen des Mittelmeeres

Schon die Austrocknung von größeren Seen wie etwa dem Aralsee ist erstaunlich. Doch selbst Meere die wir seit langem kennen, sind sterbende Meere. Ein Kandidat ist beispielsweise das Tote Meer zwischen Israel und Jordanien. Doch auch direkt vor unserer Haustür könnte ein Meer verschwinden. So wie es vor Jahrmillionen schon mal geschah.

Elefanten in der Wüste Quelle: ZDF

Einen halben Kilometer unterhalb der Insel Sizilien wird seit 50 Jahren tagtäglich Salz abgebaut. Die Ursache für diesen Salzreichtum ist ebenso einfach wie erschreckend. Das Salz blieb zurück, als das Mittelmeer verdunstete. Es gibt so viel davon, dass man Jahrhunderte lang weiter fördern könnte. Doch wie kann ein Meer von der Größe des Mittelmeeres einfach verschwinden?

Unterirdischer Salzabbau Quelle: ZDF

Verlust durch Verdunstung

Vor sechs Millionen Jahren stießen die Kontinentalplatten, auf denen Europa und Afrika ruhen, zusammen und verschlossen die Straße von Gibraltar. Damit war die Hauptzufluss zum Mittelmeer unterbrochen. Dazu verschob sich der nordafrikanische Dürregürtel weiter nach Norden. Ohne die Wassermassen aus dem Atlantik war das Schicksal des Mittelmeeres besiegelt. Weder Regen, noch das Wasser, das die großen Flüsse ins Mittelmeer transportieren, reichten aus, um den Verlust durch Verdunstung zu ersetzen. Tatsächlich trocknete das beliebte Urlaubsmeer in der langen Geschichte der Erde sogar mehrfach aus. Das vorerst letzte Mal vor 1,6 Millionen Jahren. Zurück blieb jeweils nur eine dicke Salzschicht.

Das Verschwinden des Mittelmeeres hatte eine Reihe unterwarteter Folgen. Beispielsweise grasten zu dieser Zeit in Sizilien Elefanten. Offenbar hatten die Tiere auf der Suche nach Futter die Salzwüste, die an die Stelle des Mittelmeeres getreten war, durchquert. Aber als der Wasserspiegel wieder stieg, waren sie gezwungen, höher gelegene Rückzugsgebiete zu suchen. Nicht alle Inseln boten die gleichen Überlebensmöglichkeiten. Auf Sizilien überlebte eine Population über einen längeren Zeitraum. Versteckt in einer abgelegenen Höhle fanden Wissenschaftler einige Knochen dieser Elefanten.

Zwei Elefantenknochen im Vergleich Quelle: ZDF

Mangel an Platz und Nahrung

Das Inseldasein hatte die Dickhäuter verändert. Beim Vergleich eines Oberschenkelknochens eines sizilianischen Elefanten mit dem eines Afrikanischen Elefanten der Gegenwart wird eines deutlich: der Sizilianer war winzig, etwa so groß wie eine Ziege. Offenbar hatte der Mangel an Platz und Nahrung die Inselelefanten Siziliens schrumpfen lassen. Zwergelefanten und Riesensalzminen sind spektakuläre Beweise für das Kommen und Gehen des Mittelmeeres.
Wie das Mittelmeer wieder geflutet wurde, ist unklar. Die favorisierte Theorie besagt, dass die Flüsse die Landbarriere an der Straße von Gibraltar zum selben Zeitpunkt erodiert hat, als der Klimawandel den Meeresspiegel dahinter steigen ließ.

Wann das Mittelmeer das nächste Mal austrocknen wird, kann heute niemand so genau sagen. Bereits heute sind Wasserzufluss und Verdunstung im Ungleichgewicht. Durch die Klimaerwärmung könnte der Mensch den Prozess sogar noch beschleunigen und das Schicksal des Mittelmeeres früher als nötig besiegeln. Der Verlust eines Meeres hat Auswirkungen auf den gesamten Planeten. Ozeane bieten einer unglaublichen Vielzahl von Arten die verschiedensten Lebensräume an - von der Tiefsee bis zum Korallenriff.

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