Mission in Gefahr

Verzweifelte Lage an Bord

Kein europäisches Schiff war vor der Boudeuse in diesen Teil des Pazifiks vorgestoßen. Von Tahiti aus kreuzte Bougainville fast 10.000 Kilometer nach Westen. An einem schier endlosen Riff lässt er nach Nordosten abdrehen.

Erst Jahre später wird man begreifen, dass er damals das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens entdeckt hat - und damit beinahe einen neuen Kontinent. Er notiert, dass sie das Land hätten riechen können.

Die ersten Toten an Bord

Mit jedem Tag auf See wird der Hunger zum ärgsten Feind der Franzosen. Skorbut bricht wieder aus. 45 Franzosen sind bereits krank. Bougainville hat längst die Brot- und Früchte-Portionen rationieren lassen. Und die Offiziere müssen den Matrosen verbieten, die Lederstücke aus der Takelage zu zerkauen - um den schlimmsten Hunger zu vertreiben. Bordarzt Commerson ist machtlos. Nach Wochen des Nahrungsmangels stirbt Schiffsmeister Denis, bald darauf Schneider Julien Launai - an Skorbut.

Als sein Erster Offizier Duclos-Guyot das Trauergebet spricht, beschließt Bougainville, die Suche nach Südland abzubrechen. Dabei ahnt er, dass sein Ziel zum Greifen nah ist. Mit der Suche nach Südland gibt Bougainville auch den Versuch auf, einen neuen Seeweg durch die heutige Torres-Straße zwischen Australien und Neuguinea zu erkunden.

Am 25. Juni 1768 lässt Bougainville die Boudeuse nach Osten abdrehen. Der Ruhm, Australien zu entdecken, ging zwei Jahre später an den englischen Kapitän James Cook, der Bougainvilles Bericht aufmerksam studiert hatte. Bougainville gelingt es lediglich, die Inselgruppe der Salomonen wiederzuentdecken. Und damit auch die größte Salomonen-Insel, die noch heute seinen Namen trägt.

Verzweifelte Lage

Noch haben die Männer um Bougainville die Insel nicht erreicht, die später den Namen ihres Kommandaten tragen wird. Die Lage der Franzosen wird von Tag zu Tag verzweifelter. Immer wieder versuchen sie, an Land zu gehen, um Holz für die erstmals auf der Boudeuse erprobte Trinkwasser-Entsalzungsanlage zu beschaffen - und frische Früchte für die Skorbut-Kranken. Doch die Südsee-Entdecker sind vorsichtig geworden: Seit sie das tahitianische Paradies verlassen haben, sind sie mehrfach von Insulanern attackiert worden.

Jeder Landgang wird zu einer Expedition ins Ungewisse. Der Prinz von Nassau ist inzwischen vom Pariser Playboy zum diplomatischen Unterhändler gereift. Er überreicht den Eingeborenen die üblichen Gastgeschenke Frankreichs. Alles Rote und Glitzernde findet dabei den größten Anklang. Der französische Branntwein dagegen kommt bei den Insulanern weniger gut an. Im Tauschhandel erhoffen sich die Franzosen vor allem Bananen und Koskosnüsse - am besten ganze Bootsladungen davon. Auch wenn die Verständigung mit den Eingeborenen schwer fällt: Dieses Mal scheinen die Bemühungen der Europäer von Erfolg gekrönt.

Kokusnüsse gegen Waffen

Doch dann geht etwas schief: Als die Insulaner endlich mit den ersehnten Vorräten zurückkehren, wollen sie eine Handvoll Kokosnüsse gegen die metallisch glänzenden Waffen der Franzosen eintauschen. Im Gerangel gibt einer der Offiziere einen Schuss ab. Die Insulaner fliehen ins Landesinnere, die Franzosen flüchten zurück zur Boudeuse. Die europäischen Eroberer haben einmal mehr dazu gelernt.

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