Mission in Mönkes Reich

Christlicher Bekehrungsversuch von Rubruk scheitert

"Das Tartarenland ist groß, aber viel wertloser als ich es ausdrücken könnte." So beschrieb es Franziskanermönch Plano Carpini. Ordensbruder Wilhelm von Rubruk kennt den Bericht, doch im Gegensatz zum herablassenden Carpini ist Rubruk ein Mensch von erstaunlicher Objektivität: "Als ich mich unter ihnen befand, war mir, als sei ich plötzlich in eine andere Welt geraten." Und diese versucht Rubruk zu missionieren.

Was Wilhelm von Rubruk vor 750 Jahren beobachtete, hat sich bis heute nicht geändert. "Nirgends haben sie eine feste Niederlassung, keine bleibende Stadt, noch wissen sie vorher von ihrem nächsten Aufenthaltsort. Auf einem kreisförmigen Rahmen errichten sie aus Weidengeflecht ihre Jurte, ihr Schlaf- und Wohnzelt. Die Streben bestehen aus Zweigen, die nach oben zu einem Reifen zusammenlaufen. Darüber erhebt sich kragenförmig der Schornstein."

Schutz vor Wind und Wetter



In nicht einmal einer Stunde ist die Jurte ab- oder aufgebaut. Ihre Konstruktion bietet bestmöglichen Schutz vor Wind und Wetter. In der weiten baumlosen Steppe lernt Rubruk auch das einzige Heizmaterial der Nomaden kennen. Getrockneter Viehmist, den die Frauen auf den Weiden einsammeln. Doch nur selten findet Rubruk Obdach in einer Jurte, meist übernachten die Reisenden unter freiem Himmel.

Ein halbes Jahr nach dem Aufbruch in Konstantinopel, nähern sich Rubruk und seine Begleiter dem Lager des Mönke Khan. Der vierte Nachfolger des Dschingis Khan residiert mit seinem Gefolge einige Meilen westlich von Karakorum, der Hauptstadt des Mongolenreiches.

Strenge Kontrollen

"Wer vor Hof erscheint, steigt bereits in Bogenschussweite vor der Residenz des Khans von Pferd. Ich hatte geglaubt, dass ich, wie zu Hause, barfuß gehen könnte, und deshalb meine Sandalen abgelegt. Also stellte man uns vor dem Eingang des Zeltes auf. Wir wurden überall an den Beinen, der Brust und den Armen untersucht, ob wir Messer bei uns trügen. Dann wurde der Filzteppich emporgehoben."


Die im Zelt versammelten Ratgeber des Großkhan nehmen nur kurz Notiz von den Neuankömmlingen. Rubruk und seinen Begleitern wird bedeutet, sich zu setzen und zu warten, bis sie angesprochen werden. So wird der Mönch Zeuge eines schamanistischen Rituals. Er berichtet: "Ich erfuhr, dass Mönke um alles in der Welt nichts unternahm, ohne vorher die Knochen von Schafen befragt zu haben. Er selbst stellt Untersuchungen an, ob die Knochen durch die Hitze des Feuers richtig der Länge nach gespalten worden sind. Dann steht ihm der Weg zu seinem Unternehmen frei, Sollten die Knochen jedoch der Quere nach geplatzt oder gar noch runde Splitter abgebröckelt sein, unternimmt er gar nichts."

Jeder nach seiner Fasson

Dann wendet sich der Großkhan seinem Besucher zu. Das Buch, das Rubruk mit sich führt, hat seine Neugier geweckt. Dies sei Gottes Wort, erläutert Rubruk. Der Khan entgegnet: "So wie Gott der Hand verschiedene Finger gab, so gab er auch den Menschen verschiedene Wege, die Seligkeit zu erlangen. Euch gab er also die Heilige Schrift. Uns aber gab er Weissager. Wir richten uns danach, was sie sagen, und wir leben in Frieden."


Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Im Reich des Khans herrscht religiöse Toleranz, solange sein Herrschaftsanspruch anerkannt wird. Sie selbst bleiben auch als Herrscher über ein Weltreich das, was sie waren: Nomaden der Steppe. Rubruk begreift schnell, dass ein Bekehrungsversuch bei den Mongolen erfolglos sein würde. Dennoch folgt er dem Khan in seine Hauptstadt, nach Karakorum. Rubruk ist der einzige Europäer, der die Stadt mit eigenen Augen sehen und davon in seiner Heimat berichten konnte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet