Mit Arved Fuchs auf Spurensuche im Polarmeer

Bizarre Eislandschaft, diesiger Nebel und belustigte Blicke

"Du bist unser Mann für Spitzbergen, melde Dich!" - kurz und vielversprechend erreichte mich der Anruf aus der Redaktion mit dem Auftrag und ein paar Eckdaten zum Thema einer Dokumentation.

Arved Fuchs und Falk Mahnke am Steuer der "Dagmer Aaen" Quelle: ZDF

"Arved Fuchs plant eine Expedition, die bis ans Packeis des Nordpols führen soll. Ein Wissenschaftler vom Max-Planck Institut ist mit an Bord. Und dann gibt es da noch Spuren einer gescheiterten deutschen Polarexpedition mit einem komischen Doppelnamen, tragisch, spannend, mehr als 100 Jahre her", so hieß es weiter. "Pack' Deine Sachen, nicht zu viel, sechs Wochen bist Du mindestens unterwegs, auf dem Schiff ist eigentlich kein Platz für Dich, Deine Klamotten und auch nicht für ein Team."

Begeistert vom "Stoff"

Zwei Wochen später, an der Hafenmole von Longyearbyen, habe ich immer noch Probleme mit dem Namen Schröder-Stranz, inzwischen aber drei Tagebücher gelesen und bin begeistert vom "Stoff". Falk Mahnke, Assistent von Arved Fuchs, Ideengeber und Rechercheur hat mich angesteckt mit seinem Enthusiasmus. Neben mir das "Team": Jörg Hammermeister, Segelprofi und begnadeter Kameramann. Vor mir ein schönes, aber verdammt kleines Segelschiff, mit einer großen deutschen Fahne am Heck und einem Mann am Ruder, den ich aus dem Fernsehen kenne: Expeditionsleiter Arved Fuchs.

Historische Aufnahme aus dem Hafen von Tromsö Quelle: ZDF

"Große Bilder" sollen wir machen, natürlich auch vom Ablegen, hieß es aus der Redaktion. Parallele Handlungen aufbauen, insbesondere zum historischen Filmmaterial, damit wir dann schön in die nachgestellten Szenen von damals übergehen können. Eine halbe Stunde später müssen wir zum ersten, aber nicht zum letzten Mal improvisieren. Der Hafenmeister des wohl kleinsten Hafens Norwegens spielt nicht mit. Neue Bestimmungen, Terrorismusgefahr auch hier im hohen Norden.

Eine Landschaft, die sprachlos macht

Viele Seemeilen weiter nördlich ist der Mann vergessen. Eine professionelle achtköpfige Truppe hat sich vorgestellt, die Segel sind gerefft. Seeluft, wundervolles Licht, eine Landschaft, die sprachlos macht. Und ein Seegang, der mich erst an die Reling zwingt und dann in die Koje - für drei Tage.

Untersuchung eines Bohrkerns auf der Eisscholle Quelle: ,ZDF,Arved Fuchs

"Das musst Du Dir angucken", rüttelt mich Jörg dann aus dem Koma. Eine bizarre, bis zum Horizont reichende Eislandschaft, ein sonderbarer, diesiger Nebel und belustigte Blicke begrüßen mich an Deck. Auf einer wackeligen Eisscholle sehe ich in knall-orangenen Gummianzügen zwei Männer mit Messinstrumenten und Bohrstangen. Wissenschaftler Dirk Notz macht die ersten Probebohrungen vom Polareis. Das muss natürlich in den Kasten und wir auf das Eis!

Keine Eisbären in Sicht

Dirk Notz Quelle: ZDF

Mit dem Sprung aufs Eis ist die Übelkeit der vergangen Tage vergessen. Die nächsten Wochen bringen täglich mehr Spannung. Wir verlassen das "ewige Eis" - und nicht nur vor der Kamera erklärt Dirk Notz, warum es bald weggeschmolzen sein wird. Endlich verstehen wir auch das Drama der Eisbären, die wir leider nie zu Gesicht bekommen.



Trotzdem wird jeder Landgang aufs Packeis vor allem von den skeptischen Augen Slavas verfolgt. Das Gewehr hält er immer im Anschlag. Als Geologe hat er auf einer russischen Forschungsstation gearbeitet und musste einige Eisbären erlegen, sagt er. Mit diesem Wissen fühlen wir uns wesentlich wohler, trotz aller Skrupel eines Zivilisationsmenschen bei der Vorstellung, die vom Aussterben bedrohten Tiere zum eigenen Schutz abzuschießen.

Teil der Mannschaft

Wir tauchen immer tiefer in die Welt der Schröder-Stranz-Expedition ein. Wir sind bald kein Fernsehteam mehr, sondern Teil der Mannschaft, schieben Wache, erledigen unsere "Backschaft", die detektivische Spurensuche packt mich und hat mich bis heute nicht losgelassen.

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