Mit der Beagle um die Welt

Schiffsreise verändert Darwins Leben für immer

Charles Darwins gesellschaftliche Stellung und sein naturwissenschaftliches Interesse verhelfen dem erst 22-Jährigen Ende 1831 zu einer Reise, die sein Leben entscheidend prägen wird. Als er das Forschungsschiff H.M.S. Beagle inspiziert ist er entsetzt über die Enge der Kabine, die er mit zwei anderen teilen soll - und die zwei Jahre lang sein zu Hause sein soll.

Darwin an Bord der Beagle Quelle: ZDF,Manfred Pelz

Wegen schlechten Wetters muss die Abfahrt wiederholt um insgesamt zwei Monate verschoben werden. Darwin plagen immer wieder Zweifel ob er den Anforderungen dieser Reise überhaupt gewachsen ist. Doch am 27. Dezember 1831 gibt Kapitän FitzRoy endlich den Befehl zur Abreise. Das auf zwei Jahre angesetzte Abenteuer beginnt. Kaptiän Robert FitzRoy, erst 26 Jahre alt, ist schon ein erfahrender Seemann, Kartograph und Meteorologe und dem 22-jährigen Darwin zunächst in vieler Hinsicht ein Vorbild. Darwin fällt es schwer, sich an Bord zurechtzufinden. "Ich hatte die lächerlichste Schwierigkeit in meine Hängematte zu gelangen. Der Trick war, mit dem Hinterteil zuerst Hineinzusteigen."

Darwin mit FitzRoy Quelle: ZDF,Manfred Pelz

Brutale Methoden an Bord

Auf dem nur knapp 30 Meter langen Segelschiff - wegen seiner Enge auch als "Sarg-Klasse" bekannt - leben insgesamt 73 Männer. Das Wichtigste an Bord ist Disziplin. Gleich zu Anfang setzt Kapitän FitzRoy ein Zeichen: Er verteilt harte Strafen wegen Aufsässigkeit und Ungehorsam. Für Darwin ist diese brutale Strafjustiz kaum zu ertragen. Obwohl sie in weltanschaulichen Dingen völlig verschiedener Meinung sind, begegnen sich der Kapitän und Darwin mit Respekt: FitzRoy gehört dem konservativen Lager der englischen Gesellschaft, Darwin, dem eher fortschrittlichen an.

Darwin ist es furchtbar peinlich, seiner Seekrankheit nicht Herr werden zu können. Sie wird ihn die ganze Reise über plagen. Manchmal fragt er sich, ob sein Vater nicht vielleicht doch Recht hatte, ihm von der Reise abzuraten. Doch die Beagle ist schon mitten auf dem Atlantik - und sie hat eine Mission zu erfüllen. Kapitän FitzRoy soll für die Royal Navy Südamerikas gesamte Küstenlinien kartographieren, Gezeiten und Wetterbedingungen aufzuzeichnen und die Längengrade exakt zu bestimmen. Es geht darum, Englands Machtposition im südlichen Atlantik und Pazifik auszubauen. Die Route soll dabei über Australien, Asien und Afrika zurück nach England führen.

Darwin unterwegs Quelle: ZDF

Erste entscheidende Entdeckung

Vor einer der Kapverdischen Inseln erreicht die Beagle ihren ersten Ankerplatz. Darwin ist erleichtert, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ihn faszinieren die merkwürdigen Felsformationen: besonders ein weißer Streifen, der die Steilküste etwa zehn Meter über dem Meeresspiegel durchzieht. Und er macht seine erste entscheidende Entdeckung: "Bei genauer Untersuchung erkennt man, dass diese Schicht aus kalkhaltigem Material besteht, in der zahlreiche Muschelschalen eingelagert sind" - schreibt er in sein Tagebuch.

Der Kurs geht Richtung Südwest - über den Äquator. Die Beagle nutzt den Passatwind auf ihrem Weg nach Brasilien. Am 28. Februar 1832 erreicht das Schiff Bahia, heute Salvador. Erstmals betritt Darwin südamerikanischen Boden. Er ist begeistert, noch immer verspürt er das Wirken Gottes in der Natur.

Zitatgalerie Charles Darwin über Brasilien Quelle: ,television picture service

Erster Eklat mit dem Kapitän

Drei Wochen später geht es weiter Richtung Süden. Die Besatzung nennt den stets elegant gekleideten Darwin liebevoll "unseren Fliegenfänger". Der hat sich mit dem Schiffsmaler angefreundet, dessen Aufgabe es ist, Bilder der Expedition anzufertigen. Der Maler ist es auch, der in seinen Zeichnungen und Aquarellen die gesellschaftliche Wirklichkeit Südamerikas festhält. Als sie über die Sklaverei in Brasilien sprechen, kommt es zum ersten Eklat zwischen Darwin und Kapitän FitzRoy.

Darwin auf Insektenjagd Quelle: ZDF,Manfred Pelz

FitzRoy verteidigt die Sklaverei, er meint, viele Sklaven wollen überhaupt nicht frei sein. Darwin aber - ein überzeugter Liberaler - widerspricht dem Kapitän. Der bekommt einen seiner gefürchteten Wutausbrüche und weist Darwin aus der Kabine. Mit einem Radikalen wie ihm, sei keine Zusammenarbeit mehr möglich. Darwin ist entsetzt über die Ansichten des von ihm hochgeschätzten Kapitäns. Doch FitzRoy bleibt bei seiner Meinung. Der Kapitän leidet selber unter seinen Stimmungsschwankungen. Auf ihm lastet enorme Verantwortung: Tausende Meilen Küste müssen exakt vermessen werden. Er trägt auch das finanzielle Risiko, falls die Expedition scheitern sollte. Trost sucht er in der Bibellektüre.

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