Mit der Macht des Schwertes

Die Zeit der Samurai

Kein Ausländer durfte die Insel betreten und kein Japaner sie verlassen: Von Beginn des 17. Jahrhunderts an isolierte sich Japan 250 Jahre lang fast komplett von der Außenwelt. Dabei hatte der schon früh dicht besiedelte Inselstaat über viele Jahrhunderte hinweg regen Kontakt mit seinen Nachbarvölkern gepflegt. Was war geschehen?

Brennendes Segelschiff in der Dämmerung
Brennendes Segelschiff in der Dämmerung Quelle: Plug-In Productions

Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts herrschten in Japan die Shogune über alle Bereiche des Lebens. Sie waren Machthaber und Kriegsherren; selbst der Tenno, gottgleicher Kaiser und bis heute das repräsentative Symbol des japanischen Staates, war ihnen untertan.

Kriegerkaste mit strengem Kodex

Samurai in Aktion (Spielszene)
Samurai in Aktion (Spielszene)

Im 16. Jahrhundert kämpften verschiedene Fürsten in einem Bürgerkrieg um die Vorherrschaft in Japan. Einer von ihnen, der Feldherr Tokugawa Ieyasu, machte es sich zum Ziel, die vom Krieg zerrissenen Provinzen zu befrieden und das Land zu einen. Tokugawa Ieyasu wuchs in der strengen Tradition der Samurai auf. Diese berittenen adligen Krieger mussten Politik, Philosophie und Taktik ebenso meistern wie die Kampfkunst. Ihr Handeln war einem strengen Ehrenkodex unterstellt. Die Perfektionihrer Reitkünste, die Rüstungen, die leicht genug waren, um sie im Kampf beweglich zu halten, und nicht zuletzt die legendären Schwerter machten die Samurai zu tödlichen Gegnern.

Das Samuraischwert, das Katana, galt als Seele des Kriegers, rasiermesserscharf und unzerbrechlich. Wer es verlor, war für immer entehrt. Es musste mit höchster Sorgfalt gefertigt werden. Nur ein bestimmter Stahl, nur die angesehensten Schmiedemeister kamen für seine Herstellung infrage, die bis zu sechs Wochen dauern konnte und eine Vielzahl aufwendiger Arbeitsschritte umfasste.

Kunst des Schwertschmiedens

Dirk Steffens in der Rüstung eines Samurais
Dirk Steffens als Samurai, stehend Quelle: ZDF

Das Erz wird zunächst im Schmelzofen aus dem Gestein gelöst und zum Rohbarren geformt. Dann werden alle Unreinheiten aus dem Barren herausgeschlagen, um ihn flach zu schmieden. Immer wieder erhitzt der Schmied das Eisen sorgsam in glühender Holzkohle. Schließlich schlägt er das flache Eisen viele Male um, sodass bis zu 30.000 hauchdünne Lagen entstehen. Unter ungezählten Wechseln zwischen Ofen, Amboss und Wasserbecken wird der Stahl gehärtet.
Die Klinge besteht zuletzt aus einem weicheren Metallkern, den ein Mantel aus geschichtetem Stahl umhüllt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dann der Schneide und der Spitze. Sie lassen sich messerscharf schleifen. Immer wieder werden sie poliert, bis sie zuletzt in feiner Maserung glänzen. Oft setzt am Ende der Schmied sein Zeichen auf die Klinge, doch erst der Samurai, dem er das Schwert angefertigt hat, gibt ihm einen Namen.

Höhepunkt der Macht, Blüte der Kultur

Ieyasu gilt nicht nur als hervorragender Schwertmeister, er zeichnet sich auch durch politisches Geschick und die genaue Kenntnis seiner Gegner aus. Im Jahr 1600 versammelt er in Sekigahra das größte Samuraiheer der Geschichte zu einer Schlacht. Durch kluges Taktieren zieht er einen Gegner auf seine Seite. Am Ende triumphiert Tokugawa Ieyasu und vereint Japan unter seiner alleinigen Herrschaft: Als er sich 1603 vom Tenno den Titel Shogun verleihen lässt, endet die "Zeit der streitenden Reiche", und es beginnt eine 250 Jahre dauernde Epoche der inneren und äußeren Stabilität. Zum Regierungssitz wählt der Shogun ein kleines Fischerdorf mit einer Festung: Edo. Heute heißt die Stadt Tokio. Um das Jahr 1700 ist sie mit einer Million Einwohnern die größte Stadt der Erde. Ein unbekanntes Weltwunder. Denn um die Machtverhältnisse zu erhalten, schottet sich Japan unter seinen Nachfolgern vollständig ab.

Aufstellung der Samuraiheere in der Schlacht von Sekigahra (Spielszene)
Schlacht von Sekigahra Quelle: ZDF

Der langjährige Friede sorgt für eine Blüte der Kultur und Wissenschaft, die von den Samurai getragen wird. Eine strenge Gesellschaftsordnung schweißt die verschiedenen Fürstentümer zusammen. Die Samurai genießen im feudalen Japan fast uneingeschränkte Rechte. Befindet ein Angehöriger der Kriegerkaste einen Bürger etwa als respektlos, hat er das Recht, ihn auf der Stelle zu exekutieren. In den Zeiten des Friedens werden die Samurai Teil der neu geordneten Verwaltungsbeamtenschaft. Ihre Kampftechniken bleiben erhalten und werden zur Kampfkunst verfeinert. 1853 schließlich endet die selbst gewählte Isolation des Landes, als amerikanische Kriegsschiffe die Öffnung japanischer Häfen erzwingen. Im Kendo, dem modernen Schwertkampf, lebt der Kampfgeist der Samurai als Sportart bis heute fort.

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