Mit göttlichem Willen

Macht und ewiges Leben

Die Errichtung eines Kultbaus ganz aus rotem Quarzit ist etwas völlig Neues - eine der vielen extravaganten und bahnbrechenden Ideen der Herrscherin. Wie auch eine dreitägige Schiffsexpedition in ein sagenhaftes Land.

Das Bildprogramm zeigt Hatschepsut auf allen Wänden zusammen mit dem Co-Regenten Tutmoses III. - aber er steht und geht immer hinter ihr. Lässt er darum den Bau während seiner späteren Alleinregierung abtragen?

Französische Archäologen haben die wiedergefundenen Steinquader neu aufgebaut. Um die Steinblöcke von Hatschepsuts Kulthalle wieder richtig aufzubauen, haben sie sich von den Reliefgravuren auf den Seitenwänden des Heiligtums und allen Darstellungen der Kulthandlungen anleiten lassen. Wie ein moderner Comic schildern die Bilder das Geschehen im Schrein.

Märchenhafte Dinge

Auch in ihrem Totentempel lässt sich Hatschepsut immer wieder als gehorsames Ausführungsorgan des göttlichen Willens feiern. Mit dokumentarischer Detailgenauigkeit schildern die ursprünglich bunt bemalten Reliefs eine dreijährige Schiffsexpedition in das sagenhafte Land Punt, um von dort märchenhafte Dinge mit nach Hause zu holen. Die Archäologen rätselten, ob es Punt wirklich gab und wo es gelegen haben könnte. Doch die abgebildete Flora und Fauna ist voller Hinweise auf ein Reiseziel in Afrika. Die Fische sind so naturgetreu dargestellt, dass Biologen sie unschwer dem Roten Meer zuordnen können.

So gilt für die Wissenschaftler jetzt als gesichertes Szenario: Die Flotte stößt an der ägyptische Küste entlang immer weiter nach Süden vor. Im heutigen Eritrea könnten die fünf Schiffe mit den Wundern von Punt beladen worden sein. Eine alternative Route führt sogar bis ans "Horn von Afrika" nach Somalia - ein weiter Weg voller unbekannter Gefahren. Vergleichbar dem exakten Reisebericht eines ethnologischen Feldforschers schildern die Wandbilder kuriose Pfahlbauten und exotische Tiere.

Begehrte Luxusware

Wie bei der biblischen Legenden-Königin von Saba stammt der größte Reichtum der Bewohner Punts von Myrrhe-Bäumen und unscheinbaren Sträuchern. Wahrscheinlich nicht ganz freiwillig lassen sie den Abtransport der so kostbaren Pflanzen zu. Denn diese sondern einen harzigen Saft ab: heiß begehrter Grundstoff für Weihrauch - und somit wichtiger Rohstoff. Unter Androhung von Gewalt geht so für lange Zeit das Monopol für die begehrte Luxusware verloren. Archäologen entdeckten in Hatschepsuts Gärten uraltes Wurzelholz und Überreste der Bewässerungstanks. Im Nil-Reich waren Weihrauch und Myrrhe unverzichtbarer Bestandteil aller Kulthandlungen.

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