Mit Hightech in die Tiefe

Suche nach den Avenger-Wracks

Etwa zwölf Meilen vom Strand entfernt steuert eine andere Forschercrew ihre Zielposition an. Die Stelle, an der sie die Überreste von fünf Torpedo-Bombern vermutet. Leiter der Expedition ist der amerikanische U-Boot-Entwickler Graham Hawkes.

Mit einem Spezialfahrzeug taucht er hinab zu fünf Avengern. Vor 13 Jahren hat er sie zufällig entdeckt. Mit an Bord ist Harold Larkin, ein ehemaliger Avenger-Pilot.

Gespenstischer Anblick



Doch schon bald steht fest, dass keiner der Bomber zu "Flug 19" gehört. Wenn nicht die legendäre Staffel dort unten ruht - welche Maschinen sind es dann? Mit seinem Spezialfahrzeug kann der Amerikaner die Flugzeugtrümmer genauer untersuchen. Ein gespenstischer Anblick. Als sei die Zeit auf dem Meeresgrund stehen geblieben. Auf der Suche nach aussagekräftigen Hinweisen macht der Exflieger Larkin schließlich eine entscheidende Beobachtung: Die Landeklappe der Avenger ist um 15 Grad gesenkt, als wollte sie landen.



Demnach muss der Pilot vor dem Aufprall auf das Wasser eine kontrollierte Landung versucht haben. Möglicherweise konnte er sich aus dem Cockpit befreien, bevor die Maschine unterging. Die Bezeichnung "FT87" offenbart zwar Fort Lauderdale als Standort des Flugzeugs. Aber erst die Registriernummer am äußersten Heck könnte seine Identität zweifelsfrei klären.

Beachtlicher Erfolg

Im Visier der ferngelenkten Kamera erscheint eine Beschriftung: NAV 23990 - die gesuchte Registriernummer. Damit können die Forscher ins Archiv gehen, um etwas über die Absturzursache zu erfahren. Eine Kennung wie "FT87" wurde nach Ausfall einer Maschine immer wieder neu vergeben. Die Registrierchiffre jedoch existiert nur ein einziges Mal. Ein beachtlicher Erfolg. Die aufwendige Mission hat sich gelohnt.


In alten Unfallberichten wird Graham Hawkes fündig: Im Oktober 1943 ist NAV 23990 als Absturz über dem Meer verzeichnet. Die drei Insassen wollten nach einem Bombenabwurf zur Basis in Fort Lauderdale zurückkehren. Exakt um 12.20 Uhr bemerkte die Crew, dass die Maschine Sprit verliert. Dem Piloten George Swint gelang eine Notwasserung, die Männer überlebten.

Natürliche Erklärung

Für den Untergang der Avenger FT87 gibt es eine natürliche Erklärung. Dennoch ist ihre Geschichte nur ein kleiner Mosaikstein im großen Puzzle ungeklärter Fälle im Bermuda-Dreieck. Die Dokumente offenbaren zahlreiche weitere Unglücke mit Toten und Vermissten. Mit jedem Report verdichtet sich Hawkes Vermutung - bis hin zur Gewissheit. Über Jahre hinweg stürzten immer wieder an der gleichen Stelle Flugzeuge ins Wasser - nur wenige Meilen vom heimatlichen Standort entfernt. Ein Zufall?

Die fünf Torpedo-Bomber verunglückten zu unterschiedlichen Zeiten. Doch nur die FT87 meldete einen technischen Defekt. Welches Phänomen also verursachte den Absturz der restlichen vier Maschinen? Vielleicht liegt ja auch die Staffel von "Flug 19" in jenem Areal? Und vielleicht gibt es sogar eine gemeinsame Erklärung für ihren Untergang und den der anderen Flugzeuge?

Wendig und flüsterleise

Das Bermuda-Dreieck zu enträtseln, erfordert Geduld - und eine professionelle Ausrüstung. Mit dem Aviator verfügt Graham Hawkes über einen eleganten Gleiter. Was wie eine Kreuzung aus Flugzeug und Kanu aussieht, ist eines der modernsten und schnellsten U-Boote der Welt. Rund 300 Unterwasser-Fahrzeuge hat Graham Hawkes bereits entwickelt - der Aviator ist sein Meisterstück. Ein Batterie getriebenes Kraftpaket für Ausflüge bis in 350 Meter Tiefe. Hochtechnologie, die sich wie ein Kampfjet steuert. Wendiger als alle Vorgänger und flüsterleise.



Die revolutionäre Konstruktion ist für Hawkes das ideale Gefährt im Teufelsdreieck. Denn mit dem Gleiter - so hofft der Ingenieur - kann er in Regionen vordringen, die sonst eigentlich unzugänglich sind. Anders als vergleichbare Fahrzeuge benötigt der Aviator weder ein Mutterschiff noch ein Begleit-U-Boot. Der zweisitzige Flitzer ist in wenigen Minuten startklar für die Reise zum Meeresgrund. 50 Meter schafft er mühelos in vier Sekunden: Graham Hawkes steuert die Koordinaten von einigen bekannten Wracks an. Ziel der Aktion ist die systematische Erfassung aller in dem Gebiet gesunkenen Schiffe.

Tummelplatz für exotische Fische

Der Aviator stößt auf sein erstes Ziel: die Parieso. Allerdings ist die Schiffsruine eine Ausnahmeerscheinung. Der ausgediente Frachter wurde 1980 vorsätzlich auf Grund gesetzt, um ein künstliches Riff entstehen zu lassen. Ein idealer Tummelplatz für exotische Fische. Andere Havaristen jedoch gingen unter - ohne nachvollziehbare Erklärung. Hochseetaugliche Schiffe von riesigem Ausmaß.

In 100 Meter Tiefe ist er Graham Hawkes auf ein bislang unentdecktes Wrack gestoßen. Eines der zahlreichen Schiffe, die in den Listen seit Jahren als verschollen geführt werden. Der Frachter sieht aus wie nach einer verlorenen Schlacht. Die Art der Schäden verrät den Gegner: kein mythisches Wesen, dafür aber ein Hurrikan.

Fakten versus Legende

Trotz harter Fakten halten sich die Legenden um das Bermuda-Dreieck hartnäckig. So ist häufig die Fantasie der Vater des Gedankens - sei es bei spektakulären Fällen von historischem Ausmaß oder bei Unglücken namenloser Havaristen. Neue Technologien tragen dazu bei, den Mythos vom magischen Dreieck zu entzaubern. Doch bis auch die letzten Zweifel ausgeräumt sind, behält das Sagenumwobene Gewässer vor der amerikanischen Küste seinen schaurigen Ruf - als heimtückische Todesfalle im Atlantik.

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