Mit Hightech-U-Booten zur "Royal Captain"

Archäologischer Schatz in 330 Metern Tiefe

Im Frühjahr 1999 nimmt das Forschungsschiff "Ocean Voyager" Kurs auf die Unglücksstelle. Die Koordinaten sind bekannt. Die Frage lautet nur: Wie tief liegt das Wrack? Das sollen zwei kleine U-Boote herausfinden.

Die Fünf-Tonner sind eigens für Hochsee-Expeditionen konzipiert. Ihr dicker Rumpf kann Wasserdruck bis in Tiefen von 1000 Metern standhalten.

Nahezu lautlos in die Tiefe

Um das ausgewählte Areal so schnell wie möglich abzusuchen, tauchen die U-Boote im Verbund. Nahezu lautlos geht es abwärts in den lichtlosen Raum. Nach 55 Metern schließlich gelangt das Gefährt an einen Felsvorsprung. Im Visier der Kamera der erste Hinweis auf die "Royal Captain": der Buganker, ein 3,30 Meter langer Eisenhaken - fest mit dem Riff verwachsen. Ganz in der Nähe liegen die Kanonenrohre - von Korallen und Krustentieren überwuchert.


Mehr als 120 Meter weiter unten präsentiert sich den Forschern der Eingang zu einer gewaltigen Höhle. Ihr Ende können selbst die starken Scheinwerfer des U-Boots nicht ausleuchten. Doch dafür taucht im Lichtkegel ein verwittertes Porzellanfigürchen auf. Und ein Objekt aus Metall - von Grünspan überzogen. Vom Wrack aber fehlt bislang jede Spur. Erst in 330 Meter wird Franck Goddios Spürsinn belohnt. An einem Felsvorsprung ziehen sich die Holztrümmer des Schiffsrumpfes entlang. Auf dem dunkel verfärbten Untergrund kaum auszumachen.



Doch mit dem ersten Eindruck ist das Team mehr als zufrieden. Vor allem, weil Goddio im unmittelbaren Umfeld einen Großteil der Ladung entdeckt. Den Ablauf der Katastrophe kann er nun mühelos rekonstruieren.

Mit Fingerspitzengefühl

Die Bergung der Fundstücke erfordert von den Wissenschaftlern Fingerspitzengefühl. Die Aktion muss vom U-Boot aus gesteuert werden. Denn in solche Tiefen können auch Profitaucher nicht mehr vordringen. So dauert selbst das Einsammeln leicht zugänglicher Objekte per Greifarm ungleich länger als von Hand. Die aufwändigen Maßnahmen am Meeresboden sind notwendig, um den archäologischen Schatz unbeschadet an Bord der "Ocean Voyager" zu schaffen.


Der Untergang der "Royal Captain" war für die East India Company nur einer von vielen Verlusten. In Südostasien hielt die englische Handelsgesellschaft noch weitere 50 Jahre das Monopol. Erst mit dem Aufkommen des Freihandels büßte die Firma Privilegien ein und schließlich die Aufträge der Krone. 1858 war alles zu Ende.

Pioniere der Globalisierung



Der erbitterte Kampf um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren zeigt längst ein anderes Gesicht. Moderne Giganten aus Stahl, beladen mit Bergen von Containern, jagen in wenigen Wochen quer über die Ozeane. Die mächtigsten Reeder sitzen in Dänemark, Taiwan, den Niederlanden und Frankreich - und: wieder in China. Mit preiswerten Produkten überschwemmt die selbstbewusste Nation die Märkte rund um den Globus. Jetzt hält sie niemand mehr auf. So, wie damals vor 570 Jahren - als die Pioniere der Globalisierung mit hölzernen Dschunken den Seehandel in Schwung brachten.

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