Mit Hochdruck in die Zukunft

Watts Dampfmaschine revolutioniert das Industriewesen

Trotz des Erfolgs in Cornwall decken die Gewinne noch nicht einmal die Entwicklungskosten für die Dampfmaschine. Neue Einsatzmöglichkeiten sind in Sicht. Großbritannien wird zu jener Zeit mit Baumwolle überschwemmt. Ein Antrieb für automatische Webstühle und Spinnmaschinen wird dringend gesucht. Watts Erfindergeist ist wieder einmal gefragt.

Gemälde Webstuhl
Gemälde Webstuhl Quelle: ZDF

Die Geschwindigkeit der im Bergbau eingesetzten Maschinen ist für die Spinnmaschinen und Webstühle zu langsam. Die Pumpbewegung der Dampfmaschine müsste in eine Rotation übersetzt werden - zum Beispiel durch eine Pleuelstange. Doch die ist schon mit einem Patent belegt, und Lizenzgebühren will Watt nicht bezahlen. Mit dem Sun-and-Planet-Getriebe entwickelt er eine geniale Alternative. Dabei kreist ein Zahnrad wie ein Planet um das andere und erzeugt so aus der Hubbewegung eine gleichmäßige, kraftvolle Drehbewegung. Mit dieser Erfindung beginnt ein gigantischer Umbruch. Webereien und Spinnereien sind begeistert, in Birmingham reist der Strom der Bestellungen nicht mehr ab.

Maschinen statt Muskelkraft

Sich drehende Räder einer Dampfmaschine
Sich drehende Räder einer Dampfmaschine Quelle: ZDF

Watts Maschinenkraft verändert allmählich das ganze Land und wird zum Motor einer neuen Epoche - der Industriellen Revolution. Der unaufhaltsame Arbeitstakt der Dampfmaschine verwandelt das Antlitz der Welt. Muskelkraft wird jetzt massenhaft durch Maschinen ersetzt. Immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit. Bittere Armut greift um sich und die Wut über die neuen Entwicklungen nimmt zu. Die Angst der Menschen vor der Zukunft wächst beständig.

James Watt aber wird gefeiert. Nach 20 Jahren voller Entbehrungen und Kämpfe ist er oben angekommen, und ist nun Mitglied der gehobenen englischen Gesellschaft. Der Sieg ist perfekt: In den nächsten Jahren verkaufen er und Boulton über 500 Dampfmaschinen. James Watt, der als einfacher Instrumentenbauer begonnen hat, macht ein Vermögen. Da meldet sich auf einmal der Gießmeister Wilkinson und fordert einen größeren Anteil am Profit. Ohne ihn, so Wilkinsons Meinung, würde es Watts Dampfmaschine nicht geben. Boulton und Watt lehnen entschieden ab. Die beiden Partner bauen kurzerhand ihre eigene, hochmoderne Gießerei auf.

Hohe Risiken mit Hochdruck-Dampf

Zeichnung große Dampfmaschine
Zeichnung große Dampfmaschine Quelle: ZDF

Fabrikbesitzer verlangen jetzt immer mehr Leistung. Junge Ingenieure trauen sich zu, die ungeheuren Kräfte des Dampfes im Griff zu haben und gehen damit hohe Risiken ein. Bei allem Fortschritt, den Watts Kondensator-Technik gebracht hat, die treibende Kraft im Dampfzylinder ist immer nur der atmosphärische Dampf gewesen. Jetzt wird mit Hochdruck Dampf in die Zylinder gejagt. Immer größere Dampfmaschinen mit gefährlich hohem Dampfdruck werden gebaut. Watt muss tatenlos zusehen, sein Patent ist im Jahre 1800 abgelaufen.

Die von Watt prophezeiten Todesfälle werden bald Realität. In England verlieren zwischen 1800 und 1870 bei 1600 Kesselexplosionen über 5000 Menschen ihr Leben. Der Hochdruckdampf ist dennoch nicht zu stoppen. Riesige, dampfgetriebene Schiffe jagen von Kontinent zu Kontinent. Die Dampfkraft revolutioniert das Transportwesen vollständig. Dampflokomotiven bahnen sich ihren Weg mit ungeahnter Geschwindigkeit und Kraft.

Erfindergeist im Ruhestand

Dampfmaschine nach Kesselexplosion
Dampfmaschine nach Kesselexplosion Quelle: ZDF

Watt und Boulton setzen sich im Jahre 1800 als schwerreiche Männer zur Ruhe. Das Unternehmen führen die Söhne weiter. Watt entwickelt eine Leidenschaft für die Bildhauerei. Er wünscht sich, dass Skulpturen und Büsten für jedermann erschwinglich sind. Er beginnt mit der Arbeit an einer Maschine, die ein Unikat beliebig oft kopieren kann. Doch zur Serienreife treibt er die Erfindung nicht. Am 18. August 1809 stirbt Watts wichtiger Weggefährte Boulton im Alter von 80 Jahren. Exakt zehn Jahre und ein Tag später stirbt auch der große schottische Erfinder und wird im englischen Birmingham beigesetzt. Sein Name steht noch heute für die Nutzbarmachung der Dampfkraft, den Beginn eines tief greifenden Wandels.

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