Mit Kaiser Zhu Di aufs weite Meer

Das Tor zur Weltmacht öffnet sich

Jahrhunderte vor den europäischen Entdeckungsfahrten beherrschen gigantische Dschunken die Meere auf der fernöstlichen Halbkugel. Das Handelsnetz der chinesischen Seeleute erstreckt sich über den Indischen Ozean bis nach Afrika.

Das Reich der Mitte ist zunächst über viele Jahrhunderte vom Rest der Welt abgeschottet - ein wohlhabendes, weites Land mit einer blühenden Agrarwirtschaft und zahlreichen Rohstoffen. Das ist ein Vorteil, der Eroberer aus den Steppen anlockt. Ab dem 10. Jahrhundert kommt es immer wieder zu Übergriffen. Nomadenvölker aus Zentralasien stoßen vor bis ins Herzstück Chinas. Zunächst die Kitan und die Dschurdschen, später die Mongolen. Schon bald kontrollieren sie die Seidenstraße, die Hauptverkehrsader nach Westen.

Florierende Märkte

Vor den fremden Machthabern flüchten viele Menschen in den Süden. Die fruchtbaren Küstenregionen erleben einen Aufschwung. Neue Ortschaften und Häfen mit florierenden Märkten entstehen. Für Handwerker und Händler ein Dorado. Der Vertrieb der Produkte erfolgt fortan über das Meer. Bauern heuern als Seeleute an. Städte wie Hangzhou oder Kanton avancieren zu wichtigen Umschlagplätzen für Güter auf dem Weg nach Ost- und Südostasien. Das Tor zur Weltmacht öffnet sich unter Zhu Di, dem dritten Kaiser der Ming-Dynastie. Nach seiner Thronbesteigung 1402 will er weitreichende Beziehungen zum Ausland knüpfen.

An der Cambridge-Universität in England erforscht Historikerin Sally Church die bedeutende Epoche in der Geschichte des Kaiserreiches. Sie weiß, warum Zhu Di seine außenpolitischen Ziele so vehement verfolgte. Obwohl die sittenstrengen Hofbeamten gegen die Pläne des Herrschers waren, wie viele Quellen belegen.

Gigantische Flotte

Der "Sohn des Himmels" lässt eine gigantische Flotte bauen. Dokumente berichten von mehrstöckigen Schatzschiffen, 130 Meter lang, mit neun Masten. Begleitet wurden sie von Pferdetransportern und Kriegsbooten. Mehr als 300 Segler und 28.000 Mann zählte die Armada des Kaisers. Eine Vielzahl kostbarer Geschenke sollte die fremden Fürsten beeindrucken und Zhu Dis Reichtum zur Schau stellen.


Weltberühmt wurde das Porzellan als Chinas "weißes Gold". Die Geheimformel für seine Herstellung hütete das Land über Jahrhunderte. Kaolin, vermischt mit Feldspat und Quarz, gebrannt bei 1350 Grad, ergab eine Keramik, die fein und robust zugleich war. Aber auch die kunstvoll gesponnene Seide mehrte den Ruhm des Herrschers. Ebenso wie der köstliche Tee, der wegen seiner wohltuenden Wirkung bald auch in Europa hoch gehandelt wurde.

Aufstieg zur größten Seemacht



Admiral der Superflotte ist der Eunuch Zheng He, der "Dreifach Geschmückte". Dem Günstling des Kaisers gebührt die Ehre, die diplomatische Mission auszuführen. Nicht Eroberung, sondern der Aufbau eines Handelsnetzes lautet der Auftrag seines Herrn. Zwischen 1405 und 1433 unternimmt Zheng He sieben Weltreisen, die ihn nach Indien, an den Persischen Golf, ans Rote Meer und an die Ostküste Afrikas führen. Unter seinem Oberkommando steigt China zur größten Seemacht der Welt auf.

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