Mit Kompass und Kompendium

Navigation mit Hilfe von Landmarken und Wasserkarten

Mit dem Bau der Schiffe ist der erste Teil von Zheng Hes Aufgabe vollendet. Seine eigentliche Mission kann beginnen, denn als Vertrauter des Kaisers hat er den Oberbefehl über die Flotte.

Mit Zheng He geht ein ganzer Stab von Spezialisten an Bord: Dolmetscher und Beamte für das diplomatische Protokoll, Astronomen und Navigatoren, Ärzte und Heilkundler sowie Astrologen und Geomanten für die Wettervorhersage.

Keine Eroberungsstrategie

Zheng He ist geborener Muslim, auch das qualifiziert ihn. Denn er soll in der islamischen Welt überzeugend auftreten. Im Hafen Tai Ping versammelt sich die über 60 Schiffe zählende Flotte, bereit, die Weltmeere zu erkunden. Insgesamt sieben Mal wird Zheng He zu einer Reise aufbrechen. Im Gegensatz zu den Europäern 100 Jahre später, will das Reich jedoch nicht kolonisieren oder erobern. Die Überlegenheit der eigenen Kultur, so glaubt man, öffne die Tore der Welt.


Im Herbst des Jahres 1405 werden die Anker gelichtet. Mit kaiserlichen Blanko-Vollmachten ausgestattet, ist Zheng He der politische und wirtschaftliche Repräsentant der Ming-Dynastie. Insgesamt 28.000 Mann Besatzung gibt es an Bord aller Dschunken. Für jedes Schiff gibt es eigene Kapitäne. Sie wiederum unterstehen einem Unteradmiral. Denn die Flotte organisiert sich auf hoher See in kleineren Flottillen-Verbänden, um beweglicher zu sein. Denn die Giganten der Meere sind schwerfällig. Sie sind drei Mal größer als die Schiffe, mit denen Kolumbus Amerika entdeckte. Und mit einer Wasserverdrängung von 3000 Tonnen übertreffen sie die Schiffe Vasco Da Gamas um ein zehnfaches.

Abfolge von Straßen und Wasserwegen



Um die Dschunken zu navigieren, wurde vor der Reise das geographische Wissen über die Seerouten zusammengetragen. Händler aus aller Welt, die durch die Häfen Chinas kamen, ergänzten das Material. Neben dem Kompass, den China bereits im 11. Jahrhundert entwickelt hatte, bietet ein Kompendium vor allem in fremden Gewässern Navigationshilfe. Doch im Gegensatz zu den geographisch exakten und genordeten Karten der Moderne, funktionieren die damals verwendeten Karten anders. Sie stellen die Welt als Abfolge von Straßen und Wasserwegen dar, die man anhand von einzelnen Orten erkennen konnte.

Navigation durch Geschwindigkeiten

Markante Landmarken sind Orientierungspunkte für eine Kursänderung: wie die chinesische Fünf-Tiger-Insel. Überträgt man die Nord- und Südausrichtung einer modernen Karte auf eine alte Wegekarte, stellt man fest, dass Himmelsrichtungen keine Rolle spielen. Heute kennt man Längen- und Breitengrade. Zu Zheng Hes Zeiten gibt es ein solches Konzept noch nicht. Deswegen benutzt man keine geographischen Karten, sondern navigiert nach Landmarken.


Doch auf hoher See gibt es keine Landmarken. Um dieses Problem zu lösen, enthält die Karte andere Anweisungen: Sie schreibt die Geschwindigkeit der Schiffe vor und den Zeitpunkt der Kursänderung. Nur wenn die Seeleute sich an das vorgegebene Tempo halten, können sie der Karte folgen und zur rechten Zeit ihre Richtung ändern.
Um die Geschwindigkeit zu ermitteln, benutzen die chinesischen Seeleute ein ähnliches System wie das der Knotenmessung. Sie werfen am Bug einen Holzblock über Bord. Dann müssen sie in einer festgelegten Zeit Richtung Heck gehen. Wenn das Holzstück noch auf gleicher Höhe ist, wissen sie, dass 4,8 Knoten das Durchschnittstempo der Flotte ist.

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