Mittelalter im 21. Jahrhundert

Guédelon - Burgenbau als archäologisches Großprojekt

Tief in den Wäldern von Burgund, zwischen Auxerre und Bourges in der Region um Puisaye, verbirgt sich eine der spektakulärsten Baustellen unserer Zeit. Dort hat sich eine Gruppe geschichtsbegeisterter Menschen unter fachmännischer Aufsicht zum Ziel gesetzt, eine mittelalterliche Burg des 13. Jahrhunderts mit historischen Arbeitstechniken zu errichten.

Anfangs von der Fachwelt belächelt, hat sich das seit 1997 bestehende Guédelon-Projekt unter der Leitung von Florian Renucci und Maryline Martin sowohl in wissenschaftlichen Kreisen als auch bei der französischen Bevölkerung etabliert.




Das einzigartige Burgenbau-Projekt Guédelon beschäftigt 47 Angestellte und wird von dem gleichnamigen Verein betreut. Durch seine museumspädagogischen und touristischen Aktivitäten kann sich der Verein bis heute finanzieren und erhält mittlerweile sogar Zuschüsse von verschiedenen französischen Behörden.

Eine Burg entsteht

Die Wahl des richtigen Bauplatzes war eine wichtige Entscheidung der Initiatoren. Denn die notwendigen Rohstoffe für die Errichtung der 60 mal 70 Meter großen Burg können so von den Arbeitern in unmittelbarer Nähe der Baustelle gefördert werden. Dies geschieht natürlich ebenfalls ausschließlich mit zeitgenössischen Methoden. Dadurch entstanden im Lauf der Zeit neben der eigentlichen Baustelle zahlreiche Werkstatt-betriebe, die das Bild des mittelalterlichen Baubetriebs vervollständigen.

So wird in den umliegenden Wäldern das Holz für Gebäude und Baugerüste geschlagen, welches von den Schreinern auf der Baustelle weiterverarbeitet wird. Im nahen Steinbruch fördert man das Arbeitsmaterial für Steinmetze und Maurer. Die Beschaffenheit des Bodens in dieser Region erlaubt die Versorgung mit Ton und Sand. Zudem gibt es in Guédelon eine eigene Schmiede, eine Töpferei, einen Seiler, einen Kalkmischbetrieb und Ställe für die beiden Zugpferde, die für den Transport der Rohstoffe notwendig sind.

Lebendige Geschichte

In den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren soll der Bau von Burg Guédelon abgeschlossen werden. Doch anders als bei heutigen Baustellen steht hier nicht so sehr das Ziel im Vordergrund, als vielmehr der Weg. Erstmals in der Geschichte ist es Wissenschaftlern nun möglich, den Bau einer mittelalterlichen Burg am Objekt zu dokumentieren.




Auf einem angelegten Rundweg, der über alle Stationen der Baustelle führt, kann sich der Besucher ein eigenes Bild über den Baubetrieb des 13. Jahrhunderts machen. Abgerundet wird das Angebot durch die Möglichkeit von Führungen über das Gelände, bei denen die Teilnehmer neben themenbezogenen Informationen auch viele interessante Anekdoten über das Leben im Mittelalter erfahren können.

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