Modell für das Jahr 2100

Hurrikanstrukturen auch am Mittelmeer

Ein halbes Jahr lang verarbeitet der Hochleistungscomputer des Max-Planck-Insituts die Datensätze: Insgesamt 5000 Gigabyte. Im Vergleich zu den grob auflösenden Modellen verlängert sich die Rechenzeit um das Zehnfache. Werden die Modelle bisher nicht bekannte Sturmphänomene für das Mittelmeer ausspucken?

Hurrikan-Modell Mittelmeer Quelle: ZDF

Die Datenanalyse liefert ein außergewöhnliches Ergebnis. Es ist eine Zukunftsvision des Mittelmeers Ende des 21. Jahrhunderts: Ein Wolkenwirbel entsteht vor Sizilien. Vor der Küste von Tunesien bildet sich ein Auge. Das realistische Klimamodell zeigt eine Hurrikanstruktur im Mittelmeer.

Großrechner Max-Planck-Institut Quelle: ZDF

Küstenregionen in Gefahr

Wird die Küsten des Mittelmeers in Zukunft das Schicksal Floridas ereilen? Regelmäßig ziehen Hurrikans über den Bundesstaat im Süden der USA. Jahr für Jahr überfluten riesige Wellenberge ganze Ortschaften. Vor allem die eng bebauten Küstenregionen der USA sind betroffen. Häuser, die ungeschützt am Ufer stehen, haben keine Chance gegen die Gewalt eines Hurrikans. Jedes Jahr müssen Millionen von Küstenbewohnern vor den Stürmen fliehen. Dabei sind die Probleme von Menschen gemacht. Obwohl man um die Gefahr weiß, wird weiter am Ufer gebaut.

Bebaute Mittelmeerküste Quelle: ZDF

Im Jahr 2100 zieht Ende August nach dem Klimamodell des Max-Planck-Instituts ein Hurrikan über die eng bebauten Küsten des Mittelmeers. Dass ein Hurrikan auftaucht, kommt nicht vollkommen unerwartet, aber seine Größe ist eine Sensation. Er ist mehr als 500 Kilometer breit und bedroht gleichzeitig die Nord- und die Südküste des Mittelmeers. Auch als er über Land zieht, verliert er nicht an Kraft.

Realität eilt voraus

Das Klima-Simulationsprogramm von Daniela Jacob gilt in Fachkreisen als sehr zuverlässig. Das Auftauchen extremer Tiefdruckgebiete muss also ernst genommen werden. Es ist ein Zukunftsszenario für kommende Generationen. Doch wann wird diese Bedrohung konkret? Nach dem Stand des heutigen Wissens wird es noch fast 100 Jahre dauern. Aber wie so oft, scheint die Realität dem Klimamodell vorauszueilen.

Sturm Mallorca Quelle: ZDF

Anfang Oktober 2007 verdunkelt eine riesige Wolke den Himmel über Mallorca. Ein Wirbelsturm bisher nicht gekannten Ausmaßes rast über die Insel. Auf seinem Zug reißt der Orkan fast alles mit, was ihm im Weg steht. 15 Minuten wütet er. 15 Minuten, die Mallorca ins Chaos stürzen. Es ist kein Hurrikan, aber spanische Meteorologen geben dem Wirbelsturm einen neuen Namen - in Erinnerung an seinen Ursprungsort Medi-cane.

Resultat des Klimawandels

War der Wirbelsturm in Mallorca ein Vorbote einer stürmischen Zukunft? Am Ende des Jahrhunderts könnten die ersten Hurrikans das Mittelmeer heimsuchen. Seine Küsten erstrecken sich über fast 50.000 Kilometer. Haben die betroffenen Städte wirklich 100 Jahre Zeit sich darauf vorzubereiten? Bisher galten tropische Wirbelstürme im Mittelmeer als Einzelerscheinungen. Es könnten mehr werden, das sagen die Wissenschaftler. Ein Resultat des Klimawandels. Jedes Grad mehr macht die Hurrikans wahrscheinlicher. Jedes Grad weniger - kann sie verhindern.

Grossrechenanlage Max-Planck-Institut Quelle: ZDF

Erste Reaktionen zeigen, dass die Politiker aufgewacht sind. Der Universität Hamburg wurden Gelder für einen neuen Großrechner bewilligt, der das neue Klimamodell REMO unterstützen soll. Er öffnet ein Zeitfenster, um neue, genauere Regionalmodelle zu erproben. Fördermittel aus der "Exzellenzinitiative" des Bundes und der Länder fließen in einen neuen Klima-Campus in Hamburg: Die bestehende Forschung soll ausgebaut, mehr junge Wissenschaftler sollen gefördert werden. Und mit dem "Deutschen Klimakonsortium" entsteht ein Dachverband von 19 führenden Institutionen in Deutschland, der Vorschläge und Gegenstrategien zum Klimawandel entwickeln wird.

Noch Zeit zu reagieren

Dabei geht es vor allem um die Rolle, die der Mensch als ein das Klima beeinflussender Faktor einnimmt und einnehmen könnte. Noch, da sind sich die Experten einig, bleibt Zeit, auf die Veränderungen zu reagieren. Doch einige Klimaforscher wie der ehemalige Leiter des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Hartmut Grassel denken bereits darüber nach, ob es nicht Zeit ist, in den norddeutschen Küstenregionen - ebenso wie in den Mittelmeerländern, über neue Bebauungspläne nachzudenken - zumindest für die tiefer gelegenen Zonen hinter den Deichen.

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