Mogontiacum cantat et ridet

Im Theater zu Mainz sangen und lachten schon die Römer

In Mainz arbeiten Hobbyarchäologen und Spezialisten Hand in Hand: Die Ausgrabung des römischen Theaters zu Mainz wird erst durch ehrenamtliche Helfer ermöglicht. Wenn die archäologische Arbeit beendet ist, soll das Theater wieder für Aufführungen genutzt werden.

"Wir wollen das alte Gemäuer seiner ursprünglichen Bestimmung wieder näher bringen", erklärt Grabungsleiter Thomas Dederer. Der Archäologe leitet die Ausgrabung des größten römischen Bühnentheaters nördlich der Alpen: des Theatrum Mogontiacensium.

Ehrenamtliche Helfer sind gesucht

"Die oberste Schicht wurde 1999 mit dem Bagger abgetragen, alles weitere haben wir in Handarbeit freigelegt." Geholfen haben dabei schon viele: Schulklassen, Studenten, Zivildienstleistende und Rentner - mit Ausnahme der Zivis alle ehrenamtlich. "Drei Schülerinnen aus Schleswig-Holstein verbringen hier seit einigen Jahren ihre Ferien, um beim Graben zu helfen, andere absolvieren bei uns ihr Praktikum."

Dankbar ist Dederer für jede helfende Hand: "Ohne unsere ehrenamtlichen Helfer und die Sachdienstleistungen einiger Firmen, etwa den Abraum kostenlos abzuholen, wäre das alles nicht machbar gewesen. Auch im nächsten Jahr können wir noch Helfer und Helferinnen gebrauchen, auch zu zweit oder zu dritt - sie sollten aber öfters kommen." Die Sozialarbeiterin Cindy Tamme hat sich extra zwei Wochen Urlaub genommen, um bei den Ausgrabungen zu helfen: "Als Ausgleich zu meinem normalen Job will ich mich körperlich betätigen - und ein interessantes Hobby ist es auch."

Es geht nur langsam voran

Zu tun ist noch genug: der Grabungsleiter schätzt allein für das Abtragen der Erdschichten im bisher freigelegten Bereich mit mindestens ein bis zwei Jahren Arbeit. Um keine Fundstücke zu übersehen, ist ein sorgfältiges Vorgehen notwendig. "Münzen, Scherben und Fingerringe sind für uns sehr wertvoll zur Datierung einer Schicht", erläutert Dederer. So werden vorsichtig die einzelnen Erdschichten abgetragen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten angesammelt haben.

Das größte Theater nördlich der Alpen

"Für mich sind Münzen interessanter als Scherben", sagt der Zivildienstleistende Martin Ziegert - in der Hand hält er eine gerade gefundene Münze. Zuvor hatte er die frisch abgetragene Erde mit einem Metalldetektor durchsucht.

Schon die Größe des ursprünglichen Baus lässt auf weitere Entdeckungen hoffen: Vermessungen haben ergeben, dass das Theater einst vermutlich Platz für 10.000 bis 12.000 Zuschauer bot. Entsprechend sind auch die ursprünglichen Dimensionen: 116 Meter misst der Durchmesser des halbkreisförmigen Zuschauerraums, die Bühne war etwa 41 Meter breit. Geschickt nutzten die römischen Baumeister die natürliche Form des Geländes aus, um Baumaterial zu sparen: Der halbrunde, treppenförmig ansteigende Zuschauerraum wurde genau in einer flachen Einbuchtung am Hang errichtet.

Heute befindet sich die Grabungsstätte zwischen der alten Zitadelle auf dem Mainzer Jakobsberg und dem darunter liegenden Südbahnhof. Viel ist vom Theater nicht mehr übrig: Der Hang, in den es einst eingebettet war, wurde schon im Mittelalter mehrmals umgestaltet, mit Wehranlagen befestigt oder anderweitig bebaut. Außerdem haben die Mainzer in der Vergangenheit immer wieder Steine des alten Theaters zum Bau neuer Gebäude verwendet - und so das Theater nach und nach abgetragen.

Verkannt und abgerissen

Beim Bau der Bahnlinie im Jahre 1884 traten erstmals seit Jahrhunderten Teile des Bühnengebäudes, des Orchestergrabens und der Sitzreihen zutage. Die Bedeutung des Fundes wurde damals jedoch verkannt - so dass das Bühnengebäude, der westliche Seiteneingang sowie die Außenmauer des östlichen Seiteneingangs den Bahnsteigen weichen mussten. Sicher war man erst im Jahr 1916 über den Zweck des Baus, als gezielte Grabungen den Grundriss des Zuschauerraumes erkennbar werden ließen.

Heute wird wesentlich behutsamer mit dem alten Römerbau umgegangen als 1884: Um die Bausubstanz vor Frost zu schützen, deckt das Grabungsteam die Mauern über den Winter mit Planen ab. Wenn die Ausgrabungen einmal abgeschlossen sind, soll das Theater wieder für Aufführungen oder andere kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. "Wie es hier einmal aussehen wird, ist noch völlig offen. Es ist noch nicht einmal geklärt, ob ein Dach gebaut wird."

Die erste Aufführung nach 2000 Jahren

Die Zukunft des Projekts hängt auch von den finanziellen Mitteln für die Ausgrabungen ab. Mit etwa 25.000 Euro jährlich unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Projekt, dazu kommen noch private Spenden und Gelder der Stadt Mainz, der das Grundstück gehört. Ungewiss ist laut Thomas Dederer jedoch, ob auch 2005 genug Geld zusammenkommt - nach fünf Jahren Unterstützung könnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz anderen Projekten Vorrang einräumen.

Dem Ziel, das Theater wieder der Öffentlichkeit dienlich zu machen, ist das Grabungsteam schon einen großen Schritt näher gekommen: Eine spanische Tanzgruppe hat das Theatrum Mogontiacensium Anfang August zusammen mit etwa 500 Zuschauern wiedereröffnet - mit der ersten Aufführung nach mehr als 2000 Jahren.

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