Mongolische Herrscher nach Dschingis Khan

Ausgewählte Kurzporträts

Ausgewählte Kurzporträts der mongolischen Herrscher nach Dschingis Khan von 1186 bis 1405.

Ögödei (1186 - 1241)

Der Sohn Dschingis Khans wurde 1229 auf einem Quriltai, der erstmals in Karakorum stattfand, zum Großkhan gewählt. Er setzte das Eroberungswerk seines Vaters fort und schickte zunächst drei Zehntausendschaften nach Westen, gegen Choresmien. Drei weitere Heere marschierten über die Grenzen Asiens hinaus, näherten sich den Regionen Südrusslands und brachten schließlich im Jahr 1241 Westeuropa Chaos und Verderben.

Der Rest der mongolischen Streitkräfte wandte sich nach Südwesten, um die Chin zu unterwerfen. Bereits 1234, nur fünf Jahre nach seiner Wahl zum Großkhan, hatte Ögödei Nordchina erobert, seine Hauptstadt eingenommen und einen Krieg beendet, der schon 24 Jahre lang gedauert hatte.

Ögödeis plötzlicher Tod wird für den unerwarteten Rückzug der Mongolen aus Europa verantwortlich gemacht. Als er starb, hatte er eine ungeheure Machtfülle erreicht und großen Reichtum angehäuft. In Karakorum ließ er einen riesigen Palast erbauen, der angeblich mit vielen Gemälden und Zierrat ausgestattet war.

Der arabische Historiker Raschid ad-din berichtet über ihn: "Er beschäftigte sich mit Lustbarkeiten, reiste unbeschwert von Sommer- zu Winterresidenzen und umgekehrt, ständig auf der Suche nach Befriedigung seiner Wünsche, in Begleitung schöner Damen und Mätressen mit Vollmondgesichtern."

Kubilai (1215 - 1294)

Der Enkel Dschingis Khans ließ sich 1260 zum Großkhan wählen. Während seiner 34-jährigen Regierungszeit konnte das Reich der Mongolen seine größten Triumphe feiern, läutete damit aber auch seinen Niedergang ein. 1271 verlegte Kubilai die mongolische Hauptstadt nach China und begründete die Yüan-Dynastie (die vom "Uranfang"). Zuvor hatte er auch Südchina, das Reich der Sung, erobert. In zwei Feldzügen (1274 und 1281) versuchte er vergeblich Japan zu unterwerfen, wobei er mit einer riesigen Flotte, die vornehmlich von Chinesen gesteuert wurde, angriff. Beim zweiten Mal wurden die Inseln durch einen Taifun (Kamikadse = Götterwind) gerettet. Auch Vorstöße gegen Java und Burma im Jahr 1293 schlugen fehl.

Marco Polo hat die Residenz und das Leben am Hof Kubilais in prächtigen Farben beschrieben, er nannte ihn den "größten Herrscher, der jemals auf dieser Welt geboren wurde." Unter seiner Herrschaft erreichte das Mongolenreich die größte Ausdehnung, ein Weltreich, wie es in der Geschichte einmalig war.

Neben seinen Tugenden, wie Aufgeschlossenheit fremden Kulturen gegenüber, Humanität und Liebe zu den schönen Dingen, spielten sein Stolz und sein Übereifer vor allem seinen Heeren übel mit. Seine unbedachten Reaktionen beschworen Kriege herauf, die zu vermeiden gewesen wären, und manche befürchtete Bedrohung von außen war gar keine. Und dennoch: Kubilai war nach Dschingis Khan der größte aller Mongolenherrscher. Niemand sollte es ihm mehr gleichtun.

Toghon Temür (1320 - 1379)

Er war der letzte mongolische Khan auf Chinas Thron, der letzte aus der Yüan-Dynastie. Als er 1333 die Regierungsgeschäfte übernahm, befand sich vor allem das unterdrückte China in permanenter Unruhe. Doch der Kaiser kümmerte sich nicht darum, sondern überließ sich ganz seinen uigurischen Beratern, sowie tibetischen Mönchen, die ihn in der Geheimlehre des Sexualtantra unterwiesen. Er vergnügte sich mit schönen Frauen, die man in allen Landesteilen aufgespürt hatte. Zusammen lebten sie in Peking, in einem eigenen "Palast der tiefen Klarheit". Eine andere Leidenschaft Toghon Temürs war die Architektur. Er ließ viele kunstvolle Bauwerke errichten, spöttisch nannte man ihn den "Zimmermannskaiser".

Über all diesen Aktivitäten wurden die Regierungsgeschäfte vernachlässigt und es war nicht verwunderlich, dass die chinesische Revolte, die er trotz aller Warnungen nicht beachtet hatte, über ihn hereinbrach. Der Mongolenkaiser floh nach Schangtu, in seine prächtige Sommerresidenz, doch 1368 wurde auch diese Stadt von den chinesischen Aufständischen eingenommen. Gerade noch konnte Toghon Temür sein Leben retten und suchte Zuflucht im verfallenen Karakorum, der ersten Hauptstadt des einst riesigen Mongolenreiches. Er war der letzte aus der Dynastie Kubilais, aus der Familie des Dschingis Khans, der über das "Reich der Mitte" regierte.

Batu (1205 - 1255)

Der Enkel Dschingis Khans eroberte gemeinsam mit dem hoch angesehenen Feldherrn Sübütei zwischen 1237 und 1240 Russland und zwang die russischen Fürstentümer zu massiven Tributzahlungen an die mongolische Besatzungsmacht. Er war es auch, der die ungarischen Truppen Königs Belas IV. 1241 bei Mohi besiegte.

Batu, der keine Chance sah, Herrscher über die Mongolen zu werden, ließ sich an der Wolga nieder, in den weiten Steppen Südrusslands. Eine Region, die dem Nomadenherz gefallen haben dürfte. Er gründete das legendäre Reich der Goldenen Horde (orda = Zelt), auch als Khanat Kiptschak bekannt, mit seiner Hauptstadt Sarai. Sein Reich erstreckte sich vom Aralsee bis fast zur Ostsee, vom Kaukasus bis kurz vor Nowgorod. Russland war also fest in mongolischer Hand und sollte es noch lange bleiben.

Von der einst so prächtigen Stadt Sarai, die Wilhelm von Rubruk besucht hatte, sind heute nur noch wenig Reste übrig geblieben, 1480 wurde sie von den Russen endgültig zerstört. Doch im 13. Jahrhundert war sie Mittelpunkt für Reisende, Kaufleute, Missionare und Handwerker, für alle, die auf dem Weg zum Großkhan ins ferne Karakorum waren.

Als Batu 1255 starb wurde, sein Bruder Berke zu seinem Nachfolger. Der Einfluss der Goldenen Horde auf Russland wurde für die aufstrebende Nation zu einem äußerst schmerzlichen Kapitel.

Timur Leng (1336 - 1405)

Timur Leng, oder auch Tamerlan, der "Hinkende", ist eine der schillerndsten Figuren in der mongolischen Geschichte. Er gab sich als Nachkomme des Dschingis Khan aus, doch besaß er wohl nur mütterlicherseits mongolisches Blut. 1336 in Kesch, südlich von Samarkand im heutigen Usbekistan geboren, wurde er auf dem Quriltai von Balch zum Emir von Transoxanien bestimmt. In grausamen Feld- und Verwüstungszügen eroberte Timur zwischen 1383 und 1387 den Iran, unterwarf Armenien und Georgien. 1395 besiegte er den letzten Khan der Goldenen Horde, Tochtamysch, und verwüstete Sarai. Er zog nach Indien, zerstörte Delhi und eroberte den Irak, Syrien und Kleinasien. Binnen weniger Jahre gelang es ihm ein Reich aufzubauen, das vom Ganges bis zum Mittelmeer reichte. Einen geplanten Feldzug nach China konnte Timur nur noch vorbereiten. Er starb im Januar 1405 im Feldlager von Otrar.

Timurs kriegerischen Unternehmungen und seinem Machtstreben stand eine Entwicklung gegenüber, die verwundert und heute noch sichtbar ist. In seiner Geburtsstadt Kesch ließ er eine herrliche Palastanlage erbauen und in der Hauptstadt Samarkand entstanden zu seiner Regierungszeit die prächtigsten Gebäude. Die Künste und Wissenschaften erblühten, auch durch seine "Gnade", die Elite der von ihm unterworfenen Völker, nach Samarkand deportiert zu haben.

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