Monumentalbau im Tal von Tucume

Die Huaca Larga gilt als das größte Gebäude Südamerikas

Möglicherweise lösen die Pyramiden von Tucume das Rätsel um den Palast Naymlaps. Fotos einer Fesselballon-Kamera geben Bernd Schmelz nicht genug Überblick. Um die Ausdehnungen der Pyramidenstädte aus der Luft zu erforschen, wählt er ein Ultraleichtflugzeug, das in geringer Höhe über das "Tal der Pyramaiden" gleiten kann.

Pyramiden im Tal von Tucume Quelle: ZDF

Allein im Tal von Tucume wurden 26 Pyramiden errichtet. Aus der Vogelperspektive gut sichtbar: Auf dem Grabräuberfeld von Sápame befindet sich ein Loch neben dem anderen. Einen imposanten Anblick bietet die "Huaca Larga", eine der kolossalsten Monumentalbauten der Erde. Sie ist die Verbindung der Mächtigen mit den Göttern. Eine riesige Tempelanlage und Residenz von einem Sohn des Dynastiegründers. Auf den Plattformen sind noch Reste der Aufbauten zu erkennen. Die Ausmaße sind gigantisch: 700 Meter lang, mit den Vorbauten 350 Meter breit und heute noch 30 Meter hoch. Das wohl größte Gebäude Südamerikas.

Große Schäden durch El-Niño

Auch vom Boden aus ist die Huaca Larga atemberaubend: Doch die Unwetter des El-Niño-Phänomens haben tiefe Rinnsale hinterlassen. Nach einer 30-jährigen Trockenzeit brach um das Jahr 1080 ein Mega-Niño über das Pyramidental nieder. Alles war überschwemmt, die Ernte verloren. Die Menschen lehnten sich gegen ihre Eliten auf, die die Naturgewalten nicht beherrschten. Das Reich verlor an Macht, um 1350 ging es nach 600 Jahren endgültig unter. Auch im Inneren der Huaca Larga richtete der sintflutartige Regen tiefe Schäden an. Sogar Gold soll herausgewaschen worden sein. Für die Archäologen ist es bei diesem Ausmaß der Zerstörung äußerst schwierig herauszufinden, wie die oberste Plattform vor tausend Jahren aussah. Welche Baustufen es gab, wieviele Stockwerke.

Westausläufer der Anden Quelle: ZDF

Noch weiß man nur wenig über die Lambayeque Kultur. Auskunft über die Inka-Ahnen geben nur die Gründungslegende und archäologische Ausgrabungen. Die Huaca Larga muss auch Schauplatz blutiger Rituale gewesen sein. Hierher kamen die Menschen zum Sterben oder sie wurden geopfert. Zusammen mit ihren Tieren. Auch Hans Brüning fotografierte die Huaca Larga, den "Langen Tempel". Könnten hier auch der Palast und das Grab Naymlaps liegen? Die Vermutung ist einleuchtend, denn von hier aus wurde die Macht des Lambayeque Imperiums ausgebaut.

Von den Inka überbaute Tempel

Die Zeremonial-Plattform ist durch Unwetter und Raubgräber zerstört worden. In dem Steinaufbau sind Menschenopfer freigelegt worden: ein Inkafürst und sein Gefolge. Mitten auf der Pyramide befindet sich ein Inkatempel. Die neuen Herrscher benutzten sie einfach weiter. Vogel-Zeichnungen verweisen auf den Naymlap-Mythos. Haben sie die Nachfahren der Lambayeque unter Inkaherrschaft gemalt? Ihr unsterblicher Gründer, so will es die Legende, war ja davongeflogen.
Östlich von Lambayeque erheben sich die Westausläufer der Anden. Der Fund des Inkatempels macht Schmelz neugierig. Vielleicht gibt es im Hochland weitere Lambayeque-Gebäude, die ebenfalls von den Inka überbaut wurden. Die Inka waren erst um 1500 hierher vorgedrungen, kurz vor der spanischen Eroberung durch Pizarro im Jahr 1532.

Vogel-Zeichnungen im Inka-Tempel Quelle: ZDF

Die Lambayeque waren ein Handelsvolk. Viele Grabbeigaben wie Edelsteine, Gold und die bunten Federn kamen von weit her aus dem Amazonastiefland. Entlang des Rio Marañón, eines Nebenflusses des Amazonas, von dem die besten Goldnuggets stammen, geht es für Bernd Schmelz über die Kordilleren Richtung Tiefland. Wie seinem Vorbild Brüning hilft auch dem Ethnologen der Kontakt zu den Einheimischen weiter, denn alte Leute wissen oft mehr als Wissenschaftler. Auf die Frage nach alten Steinbauten zeigen Señor Salomon und seine Frau Maria Clara in zwei verschiedene Richtungen. Anscheinend gibt es in den Bergen überall alte Ruinen. Nachbar Felizandro führt Schmelz zu einem historischen Steinweg. An den behauenen Stufen erkennt der Professor sofort einen Inkaweg, einst Teil ihres 40.000 Kilometer langen Straßensystems. Breite Militärstraßen lösten sich ab mit schmalen Pfaden.

Inka-Limes Quelle: ZDF

Schutz vor den "Barbaren"

Verborgen unter Büschen und Lianen versteckt sich eine Mauer. Die über Jahrhunderte vom Regenwald überwucherten Gebäude sind nur schwer zu finden. Vielleicht die Fundamente einer Stadtmauer, einer Festung zum Tiefland hin? Die Bauweise zeigt, dass sie vor rund 500 Jahren von den Inka errichtet wurde. Die runde Mauer könnte ein Wachturm des Inka-Limes gewesen sein. Eine Kette von Bastionen schützte das Reich vor den "Barbaren" des Tieflands. Bei allen Strapazen genießt Schmelz das großartige Gefühl, auf die Ruinen eines einst mächtigen Reichs zu stoßen, die seit langer Zeit kein Mensch mehr gesehen hat. Doch so faszinierend die Inka auch sein mögen, die in nicht einmal 100 Jahren unzählige Völker unterwarfen, Schmelz fahndet nach den Spuren der reichen Vorgängerkultur. Und ihres mythologischen Herrschers.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet