Mord an Rasputin

Dramatischer Machtverlust offenbart sich durch Mordkomplott

Der Thronfolger von Nikolaus leidet an der unheilbaren Bluterkrankheit; jede Verletzung und jeder Stoß kann ihn töten. Seine Mutter Alexandra ist verzweifelt, denn sie fühlt sich verantwortlich für die Qualen ihres Sohnes.

Der auslösende genetische Defekt wurde durch sie übertragen; ein verhängnisvolles Erbe ihrer Großmutter, der englischen Königin Victoria.

Beherrschender Lebensinhalt

Alexejs Krankheit wird für die Zarin zum alles beherrschenden Lebensinhalt. Dass die Thronfolge gefährdet ist, verheimlicht man der Öffentlichkeit. Dokumentaraufnahmen zeigen die Tragik: Ein sorgsam bewachter Zarensohn darf nur zuschauen, wenn andere spielen.


Alexandra zieht sich immer mehr zurück; selbst in Adelskreisen gilt sie bald als arrogant und "unrussisch". Wie eine Ertrinkende sich an jeden Strohhalm klammernd, glaubt die Zarin, dass nur einer ihren Sohn mit seinen Gebeten erretten kann: Rasputin - ein religiöser Scharlatan. In den Privaträumen der Romanows geht der Wundertäter bald ein und aus. Auch Zar Nikolaus lässt sich einfangen vom Charisma Rasputins. Ein Resultat seiner Schwächen: Depression, Mutlosigkeit, Jähzorn.

Patriotischer Taumel

Zar Nikolaus sucht jetzt die Liebe seines Volkes und findet sie in einer großen politischen Tat: Krieg. Der patriotische Taumel vereint den Zaren noch einmal mit seinen Untertanen. Voller Begeisterung übernimmt er den Oberbefehl über die Streitkräfte - endlich eine Aufgabe.

Im August 1914 greift die russische Armee mit überlegenen Kräften das Deutsche Reich an. Der Zar eilt siegessicher an die Front - doch bald erleidet sein Heer dramatische Niederlagen. Das Volk macht ihn persönlich dafür verantwortlich. Die deutschstämmige Zarin und ihr zwielichtiger Günstling Rasputin werden verdächtigt, Spionage für Deutschland zu betreiben. Trost findet Alexandra nur noch im engsten Familienkreis, wie sie in ihrem Tagebuch schreibt.

Erinnern an bessere Tage

Der dramatische Machtverlust der Zarenfamilie wird schließlich durch ein Mordkomplott offenbar: Der junge Fürst Jussupow lockt den verhassten Rasputin in seinen Palast, um ihn zu töten. Der Freund und Vertraute des Zaren wird in die Newa geworfen.
Seit Kriegsbeginn kommt die Zarenfamilie nur selten zusammen. Die Töchter dienen im Lazarett und der Zar ist oft bei den Truppen - die Trauer um Rasputin vereint sie wieder. Nikolaus spielt seine Lieblingsplatte, die Musik Tschaikowskijs erinnert ihn an bessere Tage: An die Zarenloge im Marinskij-Theater; an die "Nussknackersuite"; an die Primaballerina Matilda Kschessinskaja - seine erste Geliebte.

Die Pracht des Zarenreiches wird symbolisiert durch ein kostbares Schmuckstück aus Gold und Edelstein: ein Ei vom Hofjuwelier Fabergé. Ein völlig nutzloses Kunstwerk. Das teuerste ließ der Zar im Vorkriegsjahr 1913 für 24 600 Goldrubel anfertigen. Eine Menge Geld, davon hätte man zweieinhalb Millionen Brote kaufen können - oder anders gerechnet: 6000 Bauern hätten sich davon ein Jahr lang ernähren können. Aus den historischen Aufzeichnungen der Stadt St. Petersburg geht hervor, wie die Lebensmittelration während des Kriegswinters 1916 aussah: 50 Gramm Butter, 100 Gramm Brot, 25 Gramm Zucker und ein halbes Pfund Kartoffeln - ungefähr 1000 Kalorien pro Person. So sehen Rationen aus, die Revolutionen entfesseln.

Verzicht auf den Thron

Zu Beginn des Jahres 1917 fehlt es den russischen Streitkräften an Waffen und Munition - die Soldaten meutern. In den Rüstungsfabriken brechen Streiks aus - es mangelt an Rohstoffen. Im eiskalten Monat Februar spitzt sich die Lage besonders in Sankt Petersburg zu. Der Zar will von der Front zurück in die Hauptstadt. Doch sein Zug wird auf eine Seitenstrecke umgeleitet. An der Endstation erwartet ihn eine Abordnung des Armeeoberkommandos. Die Generäle fordern ultimativ seine Abdankung - angeblich, um das Zarenreich vor dem Untergang zu bewahren. Deprimiert unterschreibt Nikolaus das Manifest, in dem er für sich und seinen Sohn auf den Thron verzichtet.

Im Palast von Zarskoje Selo steht die Zarenfamilie nun unter Hausarrest, doch noch ist ihr Leben nicht in Gefahr. Bis aus England eine niederschmetternde Nachricht eintrifft: 1917 verweigert England der Zarenfamilie Asyl. England und Deutschland bekämpften sich bereits seit drei Jahren in einem grausamen Krieg. Da war es völlig undenkbar, die deutschstämmige Zarin Alexandra und ihre Angehörigen in Britannien aufzunehmen.

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