Mordakte Museum

Leichen im Museumskeller

Dokumentation | Terra X - Mordakte Museum

In Deutsch-Südwest-Afrika und Australien haben sich hochrangige Wissenschaftler auf dubiosen Wegen Schädel und Skelette Eingeborener beschafft - für Studien der Entwicklungsgeschichte des Menschen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.08.2017, 06:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2011
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Es ist eine brisante Geschichte, die Terra X-Redakteure aufgedeckt haben: Durch kriminelle Machenschaften wurden Schädel und Skelette von australischen und afrikanischen Eingeborenen für wissenschaftliche Untersuchungen beschafft. Sogar von Auftragsmord ist die Rede. Darin verwickelt sind namhafte Persönlichkeiten und Museen weltweit - auch deutsche.

Überreste eines menschlichen Skeletts
Überreste eines menschlichen Skeletts Quelle: ZDF

Die Spuren führen zurück bis ins Namibia des 19. Jahrhunderts, als es noch die deutsche Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika war, und bis in die Weiten Australiens, in die Eroberer aus Europa eindrangen. Es war eine wissbegierige Zeit, in der Wissenschaftler sich nicht mehr zufrieden gaben mit Objekten aus Fauna und Flora. Der Mensch und seine Entwicklung rückte immer stärker in den Mittelpunkt der Forschung.

Studien der Entwicklungsgeschichte

Der Berliner Evolutionsforscher Dr. Matthias Glaubrecht hat hier nach Beweisen geforscht, die darauf hindeuten, dass sich hochrangige Wissenschaftler auf dubiosen Wegen mit Hilfe von Kolonialkräften Schädel und Skelette Eingeborener beschafft haben - für Studien der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Sie wollten beweisen, dass die farbigen Naturvölker nur so etwas wie Vorstufen des modernen, weißen Menschen seien.
Um aber die Entwicklung des Menschen nachzuzeichnen, brauchten die Wissenschaftler Gebeine: Schädel, Skelette und Knochen, an denen sie Entwicklungen ablesen konnten. Sie brauchten ganze Serien davon, denn nur mit Reihenuntersuchungen konnten wissenschaftlich verwertbare Aussagen erzielt werden.

Rückführung für Kultur bedeutend

Zu Hunderten wurden Schädel der Herero-Krieger aus dem Kriegsgebiet in Deutsch-Südwest-Afrika nach Deutschland verschifft. Und aus Australien, wo die Ureinwohner im Zuge der britischen Kolonisierung quasi zum Freiwild wurden, verschafften sich damalige Wissenschaftler soviel Forschungs-"Material" wie möglich.

Aborigine
Aborigine Quelle: imago

Nach und nach haben heute Aborigines und auch Vertreter afrikanischer Stämme begonnen, in deutschen und anderen europäischen Museen nach den verschwundenen Überresten ihrer Ahnen zu suchen. Sie fordern ihre Herausgabe. Denn nach dem Glauben der Aborigines kommen die Geister der Ahnen erst dann zur Ruhe, wenn sie in ihrer heimischen Erde mit jahrtausendealten Ritualen würdevoll bestattet werden.

Herausgabe der Leichen verwehrt

Doch Mitarbeiter der deutschen Sammlungen haben bisher keine Überreste zurückgegeben. Die Museen tun sich schwer - nicht nur in Deutschland: Dutzende weltweit haben Leichen im Keller wie Washington, New York, London und Paris. Experten sprechen von Tausenden ungelöster Fälle, in denen geraubt, geplündert oder sogar gemordet wurde - alles im Namen der Wissenschaft.

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