Mordtheorie: Tod durch Arsen

Umstände von Margarethas Ableben bleiben mysteriös

Auf Schloss Arolsen nahe Bad Wildungen wohnen die Erben der von Waldecks. Wissen sie Näheres über eine Intrige gegen die anmutige Vorfahrin? Die alte Bibliothek birgt Hunderte von Chroniken über das Adelsgeschlecht.

at die Familie über Jahrhunderte ein unangenehmes Geheimnis vor der Öffentlichkeit abgeschirmt?

Kein Hinweis auf üble Machenschaften

In jenen Zeiten ist das "Beseitigen" von Menschen die "im Wege stehen" ein übliches Verfahren, doch im Fall von Margaretha bleibt die Beweislage aus. Trotz intensiver Suche lässt sich in den Unterlagen kein Hinweis auf üble Machenschaften entdecken.


Schneewittchen und Margaretha von Waldeck - zwei schöne Frauen als Spielball in den Händen mächtiger Königinnen. Aber nur das Märchen verspricht ein Happy End. Das irdische Leben folgt anderen Gesetzen. Was einst so hoffnungsvoll begann, driftet in eine glücklose Talfahrt ab. Obwohl noch jung an Jahren, schreibt die blaublütige Hessin ihr Testament nieder. Der Wortlaut: "Mein Körper ist blöd, jedoch mein Gemüt und meine Vernunft sind gesund." Margaretha fürchtet eindeutig um ihr Leben.

Verehrer aus dem Hochadel

Die endlose Liste der Hinterlassenschaften von Margaretha umfasst neben goldenen Gürteln, kostbarem Geschmeide und erlesenen Kleidern auch eine stattliche Menge an Goldstücken. Aber offensichtlich machte ihr nicht nur Kronprinz Philipp von Spanien großzügige Präsente, sondern auch andere Verehrer aus dem Hochadel. Welche Anziehungskraft Margaretha auf mächtige Staatsmänner ausübte, beweist der Nachlass.

Der niederländische Graf Egmond verehrte ihr sogar sein Konterfei. Schon damals ein Zeichen tiefer Zuneigung. Der bedeutende Politiker kämpfte lange an der Seite von Philipp II. Als die Niederländer einen Aufstand gegen die Spanier anzettelten, ließ ihn sein einstiger Gefährte als Hochverräter enthaupten. Zwei Konkurrenten, die um dieselbe Frau buhlten, wurden zu Todfeinden.

Arsen als Zaubermittel

Von Anbeginn ging das Gerücht um, ihr Drang zu Höherem habe den Untergang der Grafentochter besiegelt. Im Alter von nur 21 Jahren soll Margaretha am 13. März 1554 an Gift gestorben sein. So schrieb es der Bürgermeister von Wildungen in die Stadtchronik. Die Umstände ihres Ablebens bleiben mysteriös. Zwar kränkelte sie häufiger, doch es wird sich wohl nie klären lassen, ob die Höflinge die Schwäche nutzten, um unauffällig Gift beizumischen. Arsen heißt das Zaubermittel. Es wäre nicht das erste Mal, dass unliebsame Zeitgenossen auf diese Art ermordet werden.


Arsen ist schon seit dem 2. Jahrhundert vor Christus und im Mittelalter ein beliebtes Gift, geradezu ein Klassiker. Schon immer fürchteten sich die Großen der Geschichte vor der nahezu geruchlosen Substanz. Napoleon hielt es deshalb für ratsam, sich mit kleinen Portionen zu immunisieren. Da Arsen leicht süßlich schmeckt, kann es in gelöster Form unbemerkt in Speisen und Getränken verabreicht werden.

Schleichendes Gift



Das Hauptproblem liegt in der Dosierung. Manchmal wirken schon geringe Mengen tödlich. Bei einer akuten Vergiftung kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Nierenschäden. Das Opfer gerät in einen Schockzustand und stirbt an Organversagen. Arsen ist ein schleichendes Gift. Der Sterbevorgang kann sich über mehrere Tage, manchmal sogar über Wochen hinziehen. Wenn es schnell geht, tritt der Tod nach zwölf Stunden ein. Womöglich wurde Margaretha tatsächlich ermordet. Dafür spricht ihre schwächelnde Gesundheit. Die langsame Wirkung des Stoffes könnte das Dahinsiechen ihres Körpers verursacht haben.

Selten fließt Blut

Mitten in der Stadt von Brüssel - nur wenige Kilometer von der Residenz Schloss Caudenberg entfernt - dort, wo heute Geschäfte und Cafés das Stadtbild prägen, errichteten die Franziskaner im Mittelalter ihr Kloster. Auf dem Friedhof des heiligen Ordens fand die junge Gräfin von Waldeck ihre letzte Ruhe - wie alle anderen Angehörigen des Hofes. Doch von ihrem Grab fehlt jede Spur. So endet die Karriere von Margaretha - die wegen ihrer außerordentlichen Schönheit alles verlor - sogar ihr Leben.


Der Tod in den Grimmschen Märchen nähert sich auf vielfältige Weise - als göttliche Fügung, als Mordanschlag oder Bestrafung von Bösewichtern. In 36 der 228 Geschichten werden elf drakonische Maßnahmen vollzogen. Doch selten fließt Blut. Die Grausamkeiten werden zwar benannt, aber nicht im Detail beschrieben. Vielmehr hilft die Vernichtung des Bösen durch das Gute, Ordnung ins Chaos der Gefühle zu bringen - vor allem bei Kindern, wie Forscher herausfanden.

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