Moses - der Prophet Gottes

Der Auserwählte soll die Israeliten aus dem Land am Nil führen

Moses' biblische Vita ist weltberühmt. Schon sein Name verrät das Schicksal, das ihn bereits in den ersten Lebensmonaten ereilt. Er ist derjenige, "der aus dem Wasser gezogen wird" - so erklärt die Geburtserzählung den Namen.

Moses
Moses Quelle: ZDF

Seine Eltern stammen aus dem Hause Levi und leben im Pharaonenreich, als der Junge das Licht der Welt erblickt. Da Moses in Lebensgefahr schwebt, packt seine Mutter den Knaben in einen kleinen Korb und setzt ihn im Schilf am Nilufer aus. Seine Schwester Mirjam beobachtet das Geschehen, als plötzlich die Tochter des Pharao auftaucht. Sie sucht nach einer geeigneten Stelle, um im Fluss ein Bad zu nehmen. Dabei entdeckt sie den weinenden Säugling und erkennt, dass es sich um ein israelitisches Kind handelt. Die Schwester bietet der Adligen Hilfe an und erhält den Auftrag, eine geeignete Amme aufzutreiben. So bringt das kluge Mädchen die Mutter wieder mit ihrem Kind zusammen. Erst als der Kleine alt genug ist, nimmt ihn die ägyptische Prinzessin als Sohn an und gibt ihm den Namen Moses.

Zukünftiger "Arm Gottes"

Eines Tages tötet Moses einen ägyptischen Sklaventreiber, der auf einen Israeliten einprügelt. Nach der Tat muss er vor der Rache des Pharao fliehen. Es verschlägt ihn nach Midian, einen Landstrich auf der Arabischen Halbinsel, den Forscher östlich des Golfs von Akaba lokalisieren. Auch dort zeigt Moses, welche Qualitäten er als zukünftiger "Arm Gottes" mitbringt. An einem Brunnen verhilft er den sieben Töchtern des Priesters von Midian zu ihrem Recht, als fremde Hirten sie und ihre Herde von der Tränke vertreiben wollen. Zum Dank erhält Moses eines der Mädchen zur Frau. Sie gebiert ihm ein Kind.

Rund vier Jahrzehnte soll Moses in seiner neuen Heimat als Schafhirte zugebracht haben. Dort hört er zum ersten Mal von einem Gott namens "Jahwe". Doch während der gesamten Zeit fühlt er sich als Fremder, wie die Bibel schreibt. In Ägypten steht inzwischen ein erneuter Amtswechsel an, der amtierende Pharao ist gestorben. Sein Nachfolger verschärft den Druck auf die Israeliten. Und wieder dringt ihr Wehklagen an Gottes Ohr. Er beschließt einzugreifen. In diesem Moment schlägt Moses' große Stunde.

Begegnung mit Jahwe

Als der gute Mann die Tiere seines Schwiegervaters am Berg Horeb weiden lässt, erscheint ihm in einem brennenden Dornbusch der Engel des Herrn. Moses tritt näher, um zu überprüfen, warum das Feuer dem trockenen Wüstengewächs nichts anhaben kann. Da spricht Gott zu ihm, er sei auserwählt, die Israeliten aus dem Land am Nil in das fruchtbare "Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter" zu führen - in jene Region, die er schon Abraham versprochen habe und in dem sie einst Fremde waren.

Jahwe spricht im brennenden Dornbusch
Jahwe spricht im brennenden Dornbusch Quelle: ZDF


Der Berufene will wissen, was er seinen Stammesbrüdern sagen soll, wenn sie fragen, wer ihn schickt. Die Antwort lautet: "So sollst du zu den Israeliten sagen: 'Ich werde sein', der hat mich zu euch gesandt. Der Herr, der Gott eurer Väter. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht." (Ex. 14-15) Die theologische Botschaft hinter den Worten liegt klar auf der Hand: Die Israeliten sollen in Zukunft nur einen einzigen Gott verehren. Eine Glaubenswende steht bevor, eingeleitet vom Schöpfer, in die Tat umgesetzt mit Hilfe eines auserwählten Menschen.

Sagenhafte Zauberkräfte

Moses zeigt sich verunsichert, ob er die anspruchsvolle Aufgabe meistern kann. Aber Jahwe ermutigt ihn und vollbringt zwei weitere Wunder. Voller Symbolkraft ist der Stab, der sich wie durch Zauberhand in eine Schlange und wieder zurück verwandelt. Mit ihm ist der Hebräer fortan in der Lage, überirdische Zeichen zu setzen. Auch die Verwandlung seiner Hand, die plötzlich kurzfristig weiß wie Schnee wird, bekräftigt Moses' neue Rolle. Die richtigen Worte erhält er direkt von oben, so das Abkommen. Sein älterer Bruder Aaron soll als Sprecher fungieren, denn im Unterschied zu Moses gilt er als geschickter Redner. Gottes große Geste erhebt Moses vor dem Pharao zum "Gott auf Erden" und Aaron zu seinem Propheten. (Ex. 7, 1) Die Allianz ist geschlossen.

Mit Frau und Kind macht sich Moses also auf den Weg zurück nach Ägypten, um die Freilassung des Volkes Israel, Gottes "erstgeborenem Sohn", einzufordern. Willigt der Pharao nicht ein, soll sein erster männlicher Erbe sterben. Unterwegs in einer Herberge passiert ein denkwürdiger Zwischenfall: Der Herr versucht, Moses zu ermorden. Erst als seine Frau Zippora ihrem gemeinsamen Sohn Gerschom die Vorhaut beschneidet, lässt er ab. Die Szene ist eine der dunkelsten und merkwürdigsten Passagen der Bibel. (Ex. 4, 24-26) Kurz darauf stößt Aaron zu der kleinen Gruppe.

Israeliten wollen auswandern

Im Nilland angekommen, suchen die beiden Helden die Ältesten der Israeliten auf und überbringen die frohe Nachricht. In Anbetracht der mosaischen Wunder lässt sich die Gemeinschaft rasch überzeugen, vor allem, weil die Aufseher des Herrschers immer härter durchgreifen. Inzwischen ist die Zahl der Israeliten im Land so rasant gestiegen, dass sie weit in der Überzahl sind. Doch dem Pharao gelingt es, die Fremdarbeiter mit weiteren Repressalien zu zermürben. Schon bald zeigen sie sich wieder kleinmütig und beschimpfen ihre Retter, sie seien Schuld an dem Elend.

Pharaostadt Pi-Ramesse computerekonstruiert
Pharaostadt Pi-Ramesse computerekonstruiert Quelle: ZDF


Die Situation scheint ausweglos, doch Gott verheißt noch einmal ihre Befreiung aus der Fron: "Ich will euch annehmen zu meinem Volk und will euer Gott sein, dass ihr's erfahren sollt, dass ich der HERR bin, euer Gott, der euch wegführt von den Lasten, die euch die Ägypter auflegen, und euch bringt in das Land, um dessentwillen ich meine Hand zum Schwur erhoben habe." Für die Rettung sollen die Hebräer, wie das Alte Testament die Israeliten auch bezeichnet, in der Wüste ein Opfer darbringen - als sichtbares Glaubensbekenntnis an Gott.

Der Exodus - umstrittenes Thema

Die Heilige Schrift berichtet, Moses sei achtzig Jahre alt, sein Bruder Aaron dreiundachtzig, als die beiden vor den Pharao traten. Im Bibeltext sind die einzelnen Clans mit ihren Nachkommen namentlich genannt. Wie viele Menschen aber tatsächlich in Ägypten lebten und dem Ruf in die Ferne folgten, bleibt bis heute ein heiß umstrittenes Forschungsthema. Die Volkszählung vor dem Exodus, wie sie das 4. Buch Moses überliefert, geht von 603.550 waffenfähigen Männern im Alter von über zwanzig Jahren aus, hinzu kommen Alte, Frauen und Kinder. Eine astronomische Ziffer, die kritische Wissenschaftler entweder als schlichten Übersetzungsfehler oder propagandistische Überhöhung der Bibel bewerten.

Nicht minder fabelhaft klingt die Szene vom Stabwunder. Sie bildet den Auftakt für das göttliche Katastrophenszenario: Aaron wirft den geweihten Stock auf die Erde, der wie vorgesehen zur Schlange wird. Davon unbeeindruckt ruft der Pharao seine Weisen und Zauberer herbei, die es den Brüdern gleich tun. Aarons Schlange jedoch verschlingt die der Gegenspieler. Dennoch lässt sich der ägyptische König nicht erweichen, er lässt das Volk nicht ziehen. Die Strafe folgt prompt. Schon für den nächsten Tag kündigt Jahwe das erste Unheil an.

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