Münzfund im Heilig Kreuz-Kloster

Zufallsfund weist auf mögliche Paralellen zur Märchenwelt

Am 1. Februar 2001 machten Generaloberin Rita Briechle und Denkmalpfleger Erwin Holzbaur im "Kloster zum Heilig Kreuz" in Mindelheim eine ihrer üblichen Überprüfungen des Inventars. In einer Schublade mit alten Reliquien, Seligsprechungen, Urkunden und anderen Kirchensachen verbarg sich ein ungeahnter Schatz, der bisher in keiner Bestandsliste verzeichnet war.

Unter Muschelschälchen verborgen lag ein winziges Papierstück mit hartem Inhalt. Zum Vorschein kam eine goldglänzende Münze. Begleitet von der Notiz: 'Anno 1654, den 3. Dezember', haben wir das Regenbogen-Schüssele geerbt - von der Mutter unserer Schwester Ludovica."

Aufschlussreiche Chronik

In der Klosterchronik verraten zwei Eintragungen mehr über das ungewöhnliche Vermächtnis. Die Gönnerin, Schwester Ludovica Seitzin, wurde 1611 im nahen Weissenhorn geboren. Mit 16 Jahren trat sie in den Orden der Franziskanerinnen ein und blieb dort bis zu ihrem Tod. Sie stammte aus einer gutbürgerlichen Familie, die seit Generationen Landwirtschaft betrieb. Vermutlich fand ihr Vater die Münze beim Pflügen.


Immer wieder holten Bauern solche Goldstücke aus dem Acker, vor allem nach heftigen Regengüssen, wenn der Boden locker war. Da sie nicht wussten, wie die Kostbarkeiten dorthin kamen, glaubten sie, die schüsselförmigen Gebilde fielen vom Himmel. Und zwar als Tropfen des Regenbogens, der dort, wo er die Erde berührt, eine Goldspur hinterlässt. Die glücklichen Finder hüteten ihren Schatz und vererbten ihn den Nachkommen. Als Ludovicas Mutter starb, ging die Münze an die Tochter über, die sie dem Franziskaner-Orden übergab. Denn die Regel verlangt ein Leben in Besitzlosigkeit.

Völlig mittellos



Als völlig mittellos haben die Brüder Grimm auch das arme Mädchen im Sterntaler geschildert: "Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen. Und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld." (Märchen)

Mit einem schweren Schicksalsschlag beginnt für viele Märchenhelden die Zeit der Bewährung. Der Betroffene gerät in einen seelischen Ausnahmezustand, der eine tiefe Krise auslösen kann oder ungeahnte Kräfte weckt.

Überwindung von Urängsten

Merkwürdigerweise führen die ersten Schritte aus der düsteren Gegenwart in die Einsamkeit der Natur - bis in den dichten Wald. Dort bieten hohe Bäume, umgeben von Moos und Unterholz, den geeigneten Schauplatz für die große Mutprobe im Märchen: die Überwindung von Urängsten. Ein Lernprozess, der am Ende Selbstvertrauen schenkt.


Das Mädchen scheint keine Furcht zu kennen. Der Herausforderung, die ihm das Leben auferlegt, stellt es sich mit Zuversicht: "Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: 'Ach, gib mir etwas zu Essen, ich bin so hungrig.' Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: 'Gott segne dir's', und ging weiter." (Märchen) Ungeachtet seiner eigenen Misere lindert das Kind so die Not des Alten - gemäß dem Leitspruch "Gib und Dir wird gegeben".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet