Mykenische Vorherrschaft

Wissens- und Kulturtransfer in andere Reiche

Der Wirtschaftsboom verleitete die Könige der Ägais-Reiche, Eroberungskriege anzuzetteln. Sie ließen Unmengen an Waffen produzieren und in Arsenalen horten. Der Kampf um die Vormachtstellung im östlichen Mittelmeerraum gehört zu den dunklen Kapiteln der Bronzezeit. Die Erfindung der Schrift hingegen zählt zu den Glanzleistungen.

Platten mit Schriftzeichen Quelle: ZDF

Sumerer und Ägypter kannten die Schrift als Erste. Viel später brachten Reisende das Knowhow zu den Minoern auf die Insel Kreta. Um 1700 vor Christus entstand dort eine der ersten Schriften auf europäischem Boden, die so genannte Linear A. Die geheimnisvollen Zeichen vermochte bis heute kein Forscher vollständig zu entziffern. Denn niemand kennt die Sprache der Minoer noch den Klang der Worte.

Der Palast von Knossos steht für die kulturelle Blüte des Reiches. Mit dem Aufkommen der Schriftsprache und dem Ausbau der Flotte avanciert die Insel zur Wirtschaftsmacht. Mitte des 15. Jahrhunderts vor Christus übernahmen die Mykener die Führungsrolle auf Kreta und der Halbinsel Peloponnes. Auch sie entwickeln eine eigene Schrift.

Linear B, die mykenische Version, hat die Zeichen vereinfacht. Der bekannte Forscher Dr. Nightingale studiert seit Jahren die Texte, die eine frühe Form des Griechischen darstellen. Geschrieben wurde auf Klapptafeln aus Holz, überzogen mit einer Wachsschicht. Ein Exemplar lag im Wrack der Uluburun - das älteste bekannte Notizbuch. Kaufleute trugen die handlichen Tafeln als Lieferscheine bei sich. Ein Utensil, das Archäologen bislang nur aus dem Epos des Homer, der Ilias, kannten.

Den Hafen Tiryns unterhielten die Mykener als Drehscheibe für den internationalen Fernverkehr. Professor Maran von der Universität Heidelberg leitet seit 15 Jahren die Grabung in der höher gelegenen Festung. Im Gewölbegang der Anlage entdeckte er die königlichen Vorratskammern. Wie Quellen belegen, war Tiryns ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aus aller Herren Länder.

Ausgrabungen im Handwerkerviertel Quelle: ZDF

In der aktuellen Kampagne legen die Archäologen das Handwerkerviertel frei. Selbst Kleinstfunde belegen Kontakte mit Reichen rund um die Ägäis. So das knapp vier Zentimeter lange Bruchstück aus Elfenbein. Die Keilschriftzeichen darauf weisen auf Ugarit. Möglicherweise ein Etikett oder eine Messleiste. Es gibt noch weitere Objekte, die keine mykenische Handschrift tragen. Das Design einer Wandlampe stammt eindeutig aus Zypern. Analysen ergaben jedoch, dass lokales Material verwendet wurde. Das heißt: In Tiryns betrieben Ausländer eigene Werkstätten. Der Fernwarenverkehr in der Bronzezeit bewegte also nicht nur Güter, sondern auch Menschen. Arbeitsuche machte schon damals mobil. Der wachsende Wohlstand begünstigte das Ansteigen der Bevölkerungszahlen. Die Folge: eine Welle von Wanderungsbewegungen in ganz Europa.

Ruinen von Monkodonja Quelle: ZDF

Auch von der Peloponnes machten sich Menschen auf den Weg zu neuen Ufern. Sie zogen entlang der Adriaküste nach Norden, bis nach Monkodonja in Istrien. Die Stadt auf dem Hügel entstand seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Auffällig die Parallelen zu den Anlagen der Mykener. Die Tor-Konstruktionen ähneln den Vorbildern auf der Peloponnes. Ebenso die Technik, Steine ohne Mörtel aufzuschichten. Die gigantische Verteidigungsanlage ist der Beweis für den Wissenstransfer von Mykene nach Monkodonja. Hinter der Schutzmauer wohnten mehr als 2000 Menschen - darunter auch viele Einwanderer aus dem östlichen Mittelmeerraum. Sie brachten ihren Lifestyle mit. Überall in den Ruinen lag Essgeschirr aus Keramik. Ein Dreifußteller, typisch für Zypern und Kreta, ist ein archäologisches Highlight.

Begräbnisstätte Monkodonja Quelle: ZDF

Unweit der Stadt wurde kürzlich die Begräbnisstätte von Monkodonja entdeckt. Zusammen mit Archäozoologen, Geophysikern, Architekten und Studenten aus Berlin, Pula und Ljublana legt Professor Hänsel von der Freien Universität Berlin die Nekropole frei. In den aufwändigen Kuppelgräbern wurden vermutlich nur die reichen Familien bestattet. Es sind zwei oder mehr Individuen, die hier liegen. Die Zähne, die bislang gefunden wurden, sind stark abgekaut, von einem älteren, leicht kräftigen, aber sicher männlichen Individuum. Und sehr zarte Zähne, die zu einer jungen Frau gehören. An Beigaben holten die Archäologen Bronzeobjekte und die seltenen Bernsteinperlen ans Licht. Ein Indiz, dass auch Monkodonja an einem Handelsweg lag. Und zwar an der legendären Bernsteinstraße, die quer durch Europa bis zur Ostsee führte.

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