Mysteriöse Unterwasser-Explosion

Internationales Tauchteam untersucht die Überreste des Wracks

Zum ersten Mal nach 60 Jahren dürfen Forscher nach dem Riesenwrack tauchen. An der Spitze des internationalen Teams aus Historikern und Wracktauchern steht der Franzose Paul Nargeolet. Mit seiner Crew will er die Überreste der "Yamato" auf dem Meeresgrund in 340 Meter Tiefe untersuchen.

Die Hightech-U-Boote Jules und Jim machen die schwierige Aktion möglich. Bis zu 1000 Meter können die wendigen Fahrzeuge hinabgleiten. Von der Kanzel aus steuern die Forscher die beiden Roboterarme. Damit sollen die Fundstücke behutsam aus dem Schlick gezogen werden.

Reise in die Finsternis

Die Expedition startet nördlich von Okinawa im Ost-Chinesischen Meer - exakt an jener Stelle, an der die "Yamato" versank. Für das Unternehmen haben die Experten eine Sondererlaubnis. Der Abstieg hinunter zum Wrack dauert eine volle Stunde. Eine Reise in die Finsternis. Die beiden Tauchboote liegen auf dem richtigen Kurs, denn das bordeigene Sonar zur Ortung der "Yamato" zeigt eindeutige Signale auf dem Monitor.

Der Meeresboden ist übersät mit Schiffsteilen und Geschoss-Hülsen großer Kanonen. Ob sie tatsächlich zu dem gesuchten Objekt gehören, muss erst noch überprüft werden. In jenem Gebiet versanken damals viele Kriegsschiffe. So bleibt dem Team keine andere Wahl, als nach einem Erkennungszeichen zu fahnden. Die "Yamato" schmückte eine besonders auffällige Dekoration, die sie einwandfrei identifiziert: Vorne am Bug trägt sie das Kaiserliche Emblem, die überdimensionale Darstellung einer Chrysantheme - uraltes japanisches Symbol für langes Leben.

Identifizierung des Wracks
Den Monitor fest im Blick, fahren die Tauchboote vorsichtig an der Fundstelle entlang. Vor ihnen liegt immerhin ein Kriegsgrab. Die Suche wird belohnt, denn im Scheinwerferlicht taucht das herrschaftliche Zeichen nahezu unbeschädigt auf. Um sicher zu gehen, soll der Durchmesser der Blüte geprüft werden. Die Roboterarme führen einen Mess-Stab direkt an die Verzierung heran. Das Motiv misst exakt zwei Meter. Kein Zweifel: In der Tiefe ruht der einstige Stolz der Kaiserlichen Japanischen Marine.

Beleuchtete kaiserliche Blüte unter Wasser Quelle: ZDF

Die Kamera des Mini-U-Boots erfasst den vorderen Teil des meterhohen Rumpfes. Selbst im schummrigen Licht ist die unverwechselbare Silhouette des Wulstbugs deutlich zu erkennen. Bislang hatten Marine-Historiker nur die Berichte von Zeitzeugen zur Verfügung. Die Untersuchung vor Ort soll helfen, den Ablauf der Tragödie zu rekonstruieren.

Eingehende Inspektion

Die Unterwasseraufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung. Deutlich sind die demolierten Luftkammern zu erkennen. Die eingehende Inspektion des Wracks soll Aufschluss geben, warum das Schiff ein drittes Mal detonierte, als es bereits abgetaucht war. Dabei zerbrach der 263 Meter lange Rumpf in zwei Teile.

Demolierte Luftkammern Quelle: ZDF

Unweit des verwundeten Stahlkörpers stoßen die Forscher auf die 3000 Tonnen schweren Drillingstürme. Die Hauptgeschütze der "Yamato" stecken kopfüber im meterdicken Schlick. Was auch immer die Kamera einfängt - überall zerborstener Stahl. Die stark gezackten Kanten zeugen von ungeheurer Krafteinwirkung. Selbst die enorme Wucht der vielen Torpedotreffer kann diesen Schaden nicht verursacht haben. Die Erklärung der mysteriösen Unterwasser-Explosion liegt auf der Hand.

Unmengen von Munition

Explosion an Bord der Yamato Quelle: ZDF

Nach den Bomben- und Torpedo-Einschlägen gibt es auf der "Yamato" die erste Explosion. Dann detoniert ein Munitionsmagazin, und das Schiff kippt nach Backbord. Als es schließlich kentert, reißt das eigene Gewicht die mächtigen Kanonentürme aus der Verankerung. Im weiteren Verlauf schlagen in den anderen Magazinen Unmengen von Munition aneinander und gehen in die Luft. Der dritte große Knall zerreißt den Rumpf in zwei Teile. Sie sinken 340 Meter tief auf den Meeresgrund.

Ein schlichter Bilderrahmen, ein Signalhorn, eine Porzellanschüssel sind spärliche Überreste der Tragödie im Pazifik. Die Funde werden geborgen und im Yamato-Museum von Kure als Andenken an die Opfer bewahrt. Für die 565 Überlebenden aber sind die Erinnerungsstücke überflüssig. Die Geschehnisse tragen sie für immer im Herzen.

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