Nach den Regeln des Klosters

Nonnen als Frauen mit idealem Lebenswandel

Mit dem Verschenken der Kleidung bis hin zum letzten Hemd vollzieht das Kind eine außergewöhnliche Wandlung. Sein Weg gleicht dem einer Novizin - vom Eintritt ins Kloster bis zur Weihe. Ein Prozess der Entsagung - Schritt für Schritt.

Fortan heißt das einzige Ziel, alles Tun und Denken dem christlichen Glauben zu widmen. Und dafür keine Mühen zu scheuen. Die Seele der frommen Frauen soll erfüllt sein von Mut, Hoffnung, Reinheit, Liebe, Freundschaft, Zuverlässigkeit und Klugheit - den sieben großen Tugenden.

Symbolische Handlung

Eine hohe Anforderung, die mit einer symbolischen Handlung beginnt - nämlich mit der freiwilligen Übergabe der persönlichen Habe an den Orden. Damit besiegelt der Ankömmling seine Absage an weltliche Annehmlichkeiten. Getrennt vom Elternhaus und ohne den Schutz der Familie setzt für die jungen Mädchen die Zeit der Prüfungen ein.


Zum festen Tagesablauf gehört körperliche Arbeit wie die Pflege des Gartens, oder das Helfen in der Küche. Nach den Regeln des Klosters soll jeder Müßiggang vermieden werden. Denn er ist der Feind der Seele. Mindestens ein Jahr lang müssen die Novizinnen für die Gemeinschaft niedere Dienste verrichten - als Zeichen der Überwindung ihrer Selbstsucht. Die restliche Zeit verbringen die Anwärterinnen in strenger Disziplin mit regelmäßigem Beten und dem Studium "gotterfüllter Bücher".

Heiliges Gelübde

Die Phasen der so genannten Entäußerung - bei den Brüdern Grimm als selbstloses Handeln des Mädchens dargestellt - finden im Kloster ihren Höhepunkt in der Weihe zur Nonne. Mit dem Anlegen der schlichten Tracht lässt die Novizin ihre bisherige Welt endgültig hinter sich und schlüpft in eine neue Rolle. Als auserwählte Braut Christi nimmt sie den Schleier und legt das heilige Gelübde ab.


In einer Geste der Unterwerfung gelobt die junge Frau anschließend Demut vor Gott und Ergebenheit vor dem Orden. Für den Rest ihres Daseins steht sie unter seinem Schutz. Im Gegenzug setzt sie all ihr Mitgefühl und ihre bedingungslose Liebe im Dienst am Menschen ein, um so den ewigen Kreislauf irdischen Elends immer wieder zu durchbrechen. Die rituelle Fußwaschung durch die Äbtissin ist ein Zeichen der Wertschätzung. Und der sichtbare Beweis, dass die Dienerinnen des Herrn trotz der Hierarchie auf gleicher Stufe stehen.

Einfache Kost



Nach einer Messe versammeln sich die Schwestern zum feierlichen Festmahl um den großen Tisch. Doch es gibt kein üppiges Menu, sondern einfache Kost. Gemäß der Tradition obliegt es der Mutter Oberin, die Portionen zu bemessen. Sie bestimmt, wer wie viel essen darf. Ihr Teller wird immer zuerst gefüllt. Und wenn sie das Besteck zur Seite legt, heißt es auch für die anderen Mitglieder der Gemeinschaft aufzuhören.

Die Nonnen in ihrer Bescheidenheit und Hingabe waren für die Brüder Grimm womöglich das Vorbild einer tugendhaften Frau mit idealem Lebenswandel - frei von Lastern und geleitet von einem tiefen Glauben. Manche Forscher sehen das arme Mädchen aus dem Märchen sogar als Verkörperung der Jungfrau Maria, die als himmlische Mutter zwischen Gott und den Menschen vermittelt und ihre Hilfe nie versagt.

Wunderbare Wendung

Und so nimmt das traurige Los des gutherzigen Kindes eine wunderbare Wendung. Als die Not am größten, löst ein Glücksfall alle Sorgen auf einen Schlag: "Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter harte blanke Taler. Und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag." (Märchen)

Ein unerwartetes Wunder, in dem sich der Himmel offenbart - und das mit einer handfesten Geste.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet