Nadelöhr der Neuen Welt

Die Entstehung des Panamakanals

Der Panamakanal schafft die Verbindung zwischen den Ozeanen, die seit der Geburt Panamas getrennt sind. Er erspart der Schifffahrt dadurch einen rund 15.000 Kilometer langen Umweg. Jedes Jahr wird die künstliche Wasserstraße von circa 14.000 Schiffen befahren - eine sichere Einnahmequelle für das Land. Doch der Bau des Technikwunders begann als Tragödie.

Schiff auf dem Panamakanal
Schiff auf dem Panamakanal Quelle: ZDF

Per Schiff vom Atlantik zum Pazifik zu reisen, war vor 1914 eine schwierige Herausforderung. Der Weg führte um das berüchtigte Kap Hoorn. Auf dem Seeweg nach Indien sank so manches Handelsschiff im tosenden Meer vor dem Südzipfel Südamerikas auf den Grund.

Abkürzung zwischen den Ozeanen

Schon vor Jahrhunderten träumte man von einer Abkürzung. Die schmalste Stelle Amerikas schien dafür ideal. Doch erst der französische Visionär Ferdinand de Lesseps begann 1880, ermutigt durch seine Erfahrungen als Baumeister des Suezkanals, mit den Arbeiten. Sein Plan: eine Verbindung zwischen den Ozeanen auf Meeresniveau. Die Strategie: Vom Atlantik her folgt der Kanal einem Flusstal. Dort wo ein Gebirge, die zentralamerikanische Kordilliere, den Weg versperrt, wollte er die Trasse 14 Kilometer durch Vulkangestein sprengen. Aber de Lesseps unterschätzte die Macht der Natur. Zwei Drittel des Jahres herrscht in Panama Regenzeit. Dann stürzen wahre Sintfluten vom Himmel. Bergrutsche und Überflutungen ließen die Bauarbeiten an den steilen Bergflanken der Kordillere immer wieder stocken.

Und eine weitere Katastrophe ereignete sich: Tausende Menschen starben an Gelbfieber und Malaria - Krankheiten, über die man damals ebenso wie über ihre Überträger kaum etwas wusste. Die Franzosen nannten sie "Panamafieber". Mangelnde Hygiene und Unheil bringende Ausdünstungen des Urwalds machte man für ihre Ausbreitung verantwortlich.

Rätselhaftes Panamafieber

De Lesseps musste hilflos mit ansehen, wie täglich mehr Arbeiter von Schüttelfrost, Krämpfe und Fieber geplagt wurden, für die Arbeit ausfielen und schließlich jämmerlich starben. Als erst ein Drittel des Kanals ausgehoben war, mussten die Franzosen aufgeben. Die Bilanz dieser ersten Phase der Bauzeit von 1881 bis 1889: 22 000 Tote. Erst 14 Jahre später übernahmen die Amerikaner die Kanalruine. Sie nutzten neue, fortschrittlichere Techniken, doch noch immer starben viele Menschen am Panamafieber.

1904 ernannte die Kanalgesellschaft den Militärarzt William Gorgas zum Leiter des Sanitätswesens. Er studierte die Arbeiten von Fachkollegen, die bereits 20 Jahre zuvor nachgewiesen hatten, dass Moskitos Gelbfieber übertragen. Damals ahnte man aber noch nichts von den unsichtbaren Erregern. Gorgas startete einen ausgeklügelten Feldzug gegen die Moskitos. Eine der entwickelten Maßnahmen war, mithilfe von Fliegengittern die Unterkünfte der Menschen frei von den Plagegeistern zu halten. Und da Moskitos ihre Eier auf der Oberfläche stehender Gewässer ablegen, wo auch die Larven schlüpfen, konnten ihre Verbreitung durch Versprühen von Kerosin allmählich gestoppt werden. Auch die Trockenlegung von Sümpfen und Wasserstellen brachte Erfolge.

Die Fertigstellung

Der Kampf dauerte Jahre, doch 1906 war der Isthmus von Panama schließlich frei von Malaria und Gelbfieber. Nun konnten die Amerikaner den Bau vorantreiben. Ihr neues Konzept war, die Schiffe über die Landbrücke hieven. Dabei mussten 26 Meter Höhendifferenz überwunden werden. Im Landesinnern wurde als Teil der Fahrrinne ein riesiger Süßwassersee, der Gatunsee, aufgestaut. Es war damals der größte künstliche Stausee der Welt. Mithilfe von Schleusen konnte der Niveauunterschied zwischen See und Meer bewältigt werden. 34 Jahre nach Baubeginn erfüllte sich der Traum der Pioniere: 1914 öffnen sich die Schleusen zum ersten Mal.

Funktionsprinzip der Kanalschleusen (Trick)
Trick Kanalschleusen Quelle: ZDF

Die schweren Tore funktionieren bis heute ohne Pumpen, sie werden nur vom Druck der gewaltigen Wassermassen in den Schleusenkammern bewegt. Ein einziges mittelgroßes Containerschiff braucht bei einer Durchfahrt etwa 200 Millionen Liter - damit könnte man eine Großstadt wie Hamburg einen Tag lang versorgen. Hochgerechnet auf 14.000 Schiffe, die jedes Jahr den Kanal passieren, verbraucht der Panamakanal fast genauso viel Frischwasser wie ganz Deutschland. Andererseits fällt in Panama viermal so viel Niederschlag wie in unseren Breiten. Ergiebige Regenfälle sorgen für ausreichend Wasser, um den Kanal zu betreiben, und der Gatunsee, durch den fast die Hälfte der Wasserstraße führt, wird von unzähligen Zuflüssen gespeist.

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