"Naturfilme mit Augenzwinkern"

Interview mit Moderator Dirk Steffens

Nachts im Senckenbergmuseum in Frankfurt: Die ausgestopfte Tierwelt wird zum Leben erweckt - und Dirk Steffens steht mitten zwischen echten und computeranimierten Tieren.

Dirk Steffens mit einem Monarchfalter
Dirk Steffens mit einem Monarchfalter Quelle: ZDF

ZDF: Sie haben 2010 bereits die erste Staffel präsentiert, nun gehen die "Supertiere" in die zweite Runde. Was reizt Sie an diesem Format?

Dirk Steffens: Die "Supertiere" haben einen ganz eigenen Stil, der sich von der herkömmlichen Tierfilm-Dramaturgie völlig unterscheidet. Die Reihe ist schnell, vielseitig, kommt immer mit einem Augenzwinkern um die Ecke und steckt trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - voller spannender und aktueller Wissenschaft. Und dann aus der Perspektive des Moderators: Die ganzen Kostüme, die witzigen Animationen - so etwas moderieren zu dürfen, das ist keine Arbeit, das ist Spaß pur!

Erfolgreiche erste Staffel

ZDF: Die letzte Staffel war sehr erfolgreich. Neben dem Zuspruch des Publikums haben die "Supertiere" im März 2011 auch die "Goldene Kamera" gewonnen. Was zeichnet die "Supertiere" aus?

Steffens: Na ja, sie sind unterhaltsam - auf eine ganz natürliche Art, aus sich selbst heraus, also ohne geschriebene Gags, geschraubte Texte oder konstruierte Plots. Das Produktions-Team beobachtet einfach aufmerksam die unterschiedlichsten Naturphänomene und überlässt sich dann dem erfreuten Staunen darüber, was für ein verrückt-schöner Planet das ist, auf dem wir leben. Die Natur ist für uns nicht nur ein Ort angewandter Naturwissenschaft, die es zu erklären gilt. Sie ist auch ein Sehnsuchtsziel, ein emotionales Thema - und entsprechend versuchen wir auch die "Supertiere" zu gestalten.

Bunte Vielfalt der Natur
Bunte Vielfalt der Natur Quelle: ZDF

ZDF: "Die Starken" und "Die Cleveren" waren die Supertiere der ersten Staffel. Inwiefern ist "Wilde Liebe" und "Wilder Kindergarten" denn super?

Steffens: "Liebe" und "Kinder" sind natürlich nur anthropomorphisierende Begriffe für Fortpflanzung und Aufzucht des Nachwuchses - es geht also eigentlich um den innersten Kern der Evolution, um die Idee des Lebens. Und was die Arten im Laufe der Jahrmillionen so alles angestellt und entwickelt haben, bloß um die eigenen Gene an die nächste Generation weiterzugeben, das ist eben nicht nur ein spannendes Feld der Wissenschaft, sondern hin und wieder auch einfach witzig, aberwitzig sogar. Wir Menschen sind nicht die einzigen, die in Liebesdingen und im Umgang mit den lieben Kleinen oft unfreiwillig komisch sind. Gorillas, Löwen oder Hummer stehen uns da in nichts nach.

Supertiere faszinieren die Kinder

ZDF: Inwieweit sind die "Supertiere" ein Format für Kinder, ein Familienprogramm?

Steffens: Zum einen sind die meisten Kinder sowieso fasziniert von Tieren, erst recht von wilden Tieren. Außerdem lässt sich natürlich viel entspannter über Sex reden, wenn die Protagonisten ein Fellkleid oder Federn tragen. Fortpflanzung jugendfrei zu präsentieren, ist für einen Tierfilm völlig problemlos. Während den Erwachsenen also ein paar ziemlich erstaunliche Erkenntnisse der Wissenschaft präsentiert werden, nehmen die jüngeren Zuschauer ganz locker die Einsicht mit, dass bei vielen Arten ein Männchen und ein Weibchen zusammenkommen müssen, damit aus eins und eins drei werden. Oder sogar ganz viele.

ZDF: Welche ungewöhnlichen Paarungsverhalten finden sich im Tierreich?

Steffens: Endlos viele. Moschusochsen hauen in der Brunft die Köpfe zusammen, dass es kracht; Paradiesvögel tanzen wie einst Fred Astaire; Buckelwale betören die Angebetete mit ihrem Gesang; Webervögel suchen als Architekten zu brillieren; Schimpansen bestechen die Damen mit Leckereien; Hummerweibchen legen doch tatsächlich ihren Panzer ab, bevor es zur Sache geht; einige Spinnen haben ihre Männer buchstäblich zum Fressen gern; Elefanten müssen ihr Gewichtsproblem in den Griff bekommen; einige Skorpione oder auch Argonauten haben sogar Sex ohne Körperkontakt! Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt.

Schwangere Männer und tolle Eltern

ZDF: Und welche Fortpflanzungsmethode beeindruckt Sie am meisten?

Steffens: Seepferdchen. Da wird sozusagen das Männchen schwanger und bringt die Kleinen dann zur Welt. Sehr außergewöhnlich.

ZDF: Wer sind für Sie die Supereltern im Tierreich?

Steffens: Natürlich die Kängurus. Eine Kindheit im Beutel der Mama - das ist doch perfekt! Andererseits: Die Väter kümmern sich um gar nichts. Hmm ...

ZDF: Wie unterscheiden sich die wilden Kindergärten von den menschlichen?

Steffens: Manchmal sehr, manchmal fast gar nicht. Einige Tierarten beschränken sich auf Sex und Geburt - ob per Ei oder lebendig - und das war es dann. Keine Brutpflege, die Kleinen müssen sehen, wie sie klar kommen. Wasserschildkröten zum Beispiel: Ganz alleine müssen die sich aus dem Ei pellen, durch den Sand nach oben wühlen, an gierigen Fressfeinden vorbei den Weg ins Wasser finden und da dann weiterkämpfen. Andererseits gibt es bei den Menschenaffen hingebungsvolle Obhut, gut organisierte Kindergärten und sogar eine Art Erziehung, eine Ausbildung. Da findet man die ganze Bandbreite.

ZDF: Gibt es einen wilden Kindergarten, in dem Sie als Kind gerne groß geworden wären?

Steffens: So wie ein Kuckuck? Von artfremden Eltern aufgezogen? Lieber nicht. Denn am Ende ist die Wildnis gnadenlos. Und menschliche Liebe, die ist wohl doch einzigartig auf der Erde.

Digital zum Supermann aufgepumpt

ZDF: Auch in dieser Staffel sind Sie sehr experimentierfreudig und zeigen, wie ein Idealmann aus Frauensicht aussehen müsste. Wie haben Sie sich als Supermann gefühlt?

Steffens: Ungewohnt. Smoking, Fliege, Lackschuhe - das ist ja nicht gerade die übliche Berufskleidung eines Tierfilmers. Aber eigentlich ist dieses Outfit eine ziemlich passende Analogie zum Balzverhalten vieler Tiermänner. Die brezeln sich auch auf, um die Weibchen zu beeindrucken. Durch solche Vergleiche wird anschaulich, wie viel Tier doch noch im Menschen steckt.

ZDF: Sie werden bei Ihrem Streifzug durch das Museum von animierten Tieren begleitet. Haben Sie einen tierischen Lieblingsassistenten?

Steffens: Klar, die Erdmännchen. Die liebe ich sowieso, seit ich im vergangenen Jahr in einer Erdmännchenkolonie in Südafrika gedreht habe. Das sind Tiere, die durch ihr oft menschlich anmutendes Verhalten so sympathisch wirken, da hat man gar keine Wahl, man muss Erdmännchenfan werden!

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