Naymlaps Palast

Ethnologe Schmelz vermutet Grab unter der Huaca Chotuna

Auf der Suche nach Naymlap befragt Bernd Schmelz den Schamanen Victor Bravo. Er ist berühmt, von weither kommen seine Kunden. Der Ethnologe bekommt einen Rat: die Suche muss an den Ursprüngen beginnen. Am Meer, über das er mit großem Gefolge kam, mit seiner Frau und zahllosen Konkubinen, mit denen er viele Söhne zeugte.

Computer-Rekonstruktion der Huaca Chotuna Quelle: ZDF

Naymlap soll aus dem Norden gekommen und mit einer Flotte von Booten aus "Totora-Schilf" gelandet sein. Solche Schiffe gibt es noch heute. Und die Fischer kennen auch die Legende. Herrscher und Hofstaat stiegen in der Mündung eines Flüsschens aus, ließen sich im Land nieder und erbauten einen Tempel, den sie Chot nannten. In ihm errichteten sie ihrem König eine Statue aus grünem Stein. Kennen die Fischer einen Ort, der zur Legende passt? Kennen sie die Mündung eines kleinen Flüsschens? Muschelstaub wurde bei der Ankunft Naymlaps verstreut und Klänge von der Meeresmuschel ertönten. Eine schöne Legende, die mehr und mehr Realität wird.

Boote aus Totora-Schilf Quelle: ZDF

Chotuna-Pyramide im Fokus

Karte und Lineal Quelle: ZDF

Auf der Suche nach Naymlaps Palast helfen neben Kollege Carlos Wester eine präzise Karte, ein Lineal und die älteste Fassung der Legende. Sie sagt, dass Naymlap seinen Palast in einer halben Legua Entfernung gebaut hat. Umgerechnet drei Kilometer vom Meer entfernt. Ziemlich genau da liegt die Huaca Chotuna, die Wester ausgräbt. Der "Heiligtum-Palast" in der wörtlichen Übersetzung. Es heißt weiter: Als er starb, begrub man ihn heimlich in demselben Palast, in dem er gelebt hatte, damit man glaube, er sei unsterblich. Der Abstand passt auf Chotuna. Die anderen Pyramiden liegen zu weit entfernt.
Schmelz findet die Flüssmündung, an der Naymlap gelandet sein muss: Mit den Beauftragten seiner Sänfte, seiner Bäder, seiner Federgewänder und Xam, der die Farben zubereitete, mit dem Gesicht und Masken bemalt wurden. Nur ein Mythos?



Wanderdünen bedecken heute das einst fruchtbare Tal. In der angegebenen Entfernung steht die Chotuna-Pyramide. Sie muss der Palast des Naymlap gewesen sein, der legendäre Tempel Chot. Bei den Ausgrabungen zeigt sich ein erster Erfolg. Die Arbeiter haben etwas Seltsames entdeckt: eine Lehmziegel-Mauer, die etwas schützt. Sie wird Stein für Stein abgetragen. Dahinter kommt ein fantastischer reliefartiger Wandfries zum Vorschein. Der Sand ist nur mühsam vom härteren Lehm zu trennen, aus dem der Fries hergestellt ist. Über ein Jahrtausend war er verborgen - bewusst versteckt und zugemauert.

Flussmündung Quelle: ZDF

Mythologische Lambayeque-Welt

Die Fresken zeigen die mythologische Welt des Lambayeque-Gründers. Mensch-Tierwesen mit den Zügen von Raubkatzen und die Fauna des Meeres. Ein zweiter Fries befindet sich auf der anderen Seite des Gangs zur Zeremonialplattform. Möglicherweise der Eingang zum Palast Naymlaps. Auch hier Fabelbilder: Schlangen und stilisierte Seevögel sind die religiösen Elemente der Lambayeque-Rituale. Das Relief gibt Hinweise auf das Wetterphänomen El Niño, das zum Untergang der Kultur entscheidend beigetragen hat. Die Piktogramme sind den Goldobjekten sehr ähnlich. El Niño muss eine furchtbare Rolle gespielt haben.

Der Ethnologe Bernd Schmelz ist sich sicher, dass die gestufte Huaca Chotuna der Palast Naymlaps ist. Irgendwo hier muss sein Grab liegen. Doch noch ist das Naymlap Rätsel nicht ganz gelöst. Jetzt gilt es in den zukünftigen Forschungen in das Innere der Pyramide vorzudringen und vielleicht auch sein Grab zu finden. Der Legende nach soll Naymlap in seinem Palast begraben sein. Neueste Entdeckungen stützen Schmelz' Vermutung. Mit Hilfe eines Bodenradars wurden neue Gräber unter der Pyramide geortet. Es bleibt spannend.

Wandrelief Quelle: ZDF

Grundstein zum Erfolg

Bernd Schmelz setzt die Arbeit des Lambayeque-Entdeckers mit modernen Methoden fort. Doch Brünings Vermächtnis liefert den Grundstein für den Erfolg. Zum Hamburger Völkerkundemuseum unterhielt Hans Brüning einen engen schriftlichen Kontakt. Im Alter von 77 Jahren kehrt er 1925 nach Deutschland zurück. Die mitgebrachten Stücke der Lambayeque-Kultur und die gesammelten Chroniken über Landstreitigkeiten, Testamente, und vor allem seine Fotografien, alles vermacht er dem Hamburger Museum. Unzählige Belege sind noch nicht ausgewertet. Sie enthalten detaillierte Hinweise auf eine versunkene Kultur, den lange vergessenen Ahnen der Inka.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet