Netz aus Fiktion und Fakten

"Täter" wird zum Opfer journalistischer Hirngespinste

Die Autoren von "Der Heilige Gral und seine Erben", Lincoln, Baigent und Leigh erheben Pierre Plantard zum legitimen Erben der Merowinger. Zudem verkaufen sie die Jahrhunderte alte Existenz der "Prieuré de Sion" als Tatsache und den Franzosen als Nachfolger der namhaften Vorsitzenden.

Der eigentliche Knüller aber ist, dass Plantard aus der Blutlinie Maria Magdalenas abstamme. Denn ihr Sohn aus der Verbindung mit Jesus soll ein Vorfahr von ihm und König Dagobert sein. Hypothesen, die auf einem gefälschten Dokument aufbauen, das Abbé Saunière in Rennes gefunden haben soll.

Raffiniert gewobenes Netz

Der Mythos von Rennes-le-Château und die Blutlinie Jesu ist ein raffiniert gewobenes Netz aus Fiktion und Fakten. Selbst die Ausstattung der kleinen Pfarrkirche verleitet zu phantastischen Interpretationen. Aber auch das letzte Geheimnis löst sich in Wohlgefallen auf. Ein Atelier in Toulouse gibt Aufschluss. Seit dem Tod des letzten Besitzers sind die Räume verschlossen.

Über hundert Jahre belieferte die Firma Giscard ganz Frankreich mit sakraler Kunst. Die Unterlagen von Abbé Saunière offenbaren, dass auch der umtriebige Pastor in der Werkstatt arbeiten ließ. Die Objekte - keine Unikate, sondern Massenware. Die Skulpturen oder Reliefs wählten die Priester anhand eines umfangreichen Katalogs aus - je nach Geldbeutel und Geschmack. Die Figuren als Träger verschlüsselter Botschaften zu werten, entbehrt jeder Grundlage. Vielmehr schmückten die Motive, die Saunière bestellte, zahlreiche Gotteshäuser überall im Land.

Vergeblicher Kampf

Am 22. Januar 1917 starb der legendäre Seelenhirte. Bis zuletzt kämpfte er vergeblich um die Wiedereinsetzung in sein Amt. Ein anderer Geistlicher versah den Dienst in der Gemeinde. Denn weder der Bischof noch die Kurie in Rom kamen dem Gesuch des Verstoßenen nach.

Der treuen Marie Dernanaud, seiner großen Liebe, hinterließ er die prachtvolle Villa sowie sein gesamtes Vermögen. Sie überlebte ihren heimlichen Ehemann um fast 40 Jahre. Der eigensinnige Gottesmann hatte zwar alle Gelübde gebrochen - von geheimen Schätzen oder einer großen Verschwörung aber hat er nie etwas gewusst.

Opfer journalistischer Hirngespinste

Das Phänomen Rennes-le-Château ist das Schicksal eines Priesters, der in einem idyllischen Dorf im Süden Frankreichs das große Geld machte. Ein Täter, der Kirche und Gläubige schamlos betrog. Und zugleich Opfer journalistischer Hirngespinste, die ihn zur Schlüsselfigur einer weltweiten Verschwörung machten. So verschaffte Abbé Francois Bérenger Saunière seinen Verleumdern ein Millionenvermögen und den Menschen den Stoff für eine unendliche Geschichte.

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