Neue Abenteuer der Orion

Leben auf fremden Planeten

Bernard Foing will, dass möglichst bald wieder Menschen auf dem Mond landen und eine Basisstation errichten: für Wissenschaftler, Touristen und Journalisten. Einen Teil dieses Traums hat Foing bereits verwirklicht. Er war bei der ESA der wissenschaftliche Leiter des SMART-1-Programms, das eine kleine Sonde zum Mond schickte und dort Daten sammelte.

Raketenstart

Ursprünglicher Zweck der Mission war es, ein Ionen-Triebwerk zu testen, aber wenn man schon eine Sonde zum Mond schickte, dann konnten Wissenschaftler sie auch gleich mit Messinstrumenten bestücken.

"Der Südpol des Mondes wäre ein geeigneter Ort für eine Station", sagt Foing. "Auf den Kraterrändern haben wir Zonen mit ewigem Sonnenschein, wo wir Solarzellen installieren könnten. Und am Boden der Krater herrscht ewige Dunkelheit. Vielleicht finden wir dort Wasser, das seit Millionen von Jahren dort unten liegt." Dass kürzlich eine Forschergruppe bei Radarmessungen kein Wasser gefunden hat, beunruhigt ihn nicht. "Die haben nicht am Boden der Krater nachgesehen. Das ist ungefähr so, als würde man in einem Haus nach Eis suchen, ohne in den Kühlschrank zu schauen."

Rückkehr zum Mond?

Foing hat Glück, er wird die Rückkehr des Menschen zum Mond wahrscheinlich noch erleben. Zumindest arbeiten NASA, ESA und weitere Raumfahrtorganisationen bereits eifrig an derartigen Plänen. Und wieder einmal spielen nicht nur wissenschaftliche Erwägungen eine Rolle: "Stellen Sie sich vor, 2020 oder 2040 wäre eine andere Nation oder Allianz in der Lage, zum Mond oder Mars zu fliegen, und die USA sind es nicht", sagte NASA-Administrator Michael Griffin kürzlich vor dem US-Senat. "Ist es überhaupt vorstellbar, dass die USA dann weiterhin als die führende Nation angesehen wird? Wenn nicht, was wären die Konsequenzen für die globale und wirtschaftliche Machtbalance?"

Bei diesen Äußerungen kann Griffin sicher sein, dass US-Präsident Bush wohlwollend lauscht. Schließlich hatte der schon 2004 erklärt, dass die Amerikaner auf den Mond zurückkehren und wahrscheinlich von dort zum Mars starten wollten. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA entwickelte ähnliche Pläne, AURORA-Programm genannt. Zurzeit sind beide Organisationen dabei, ihre Konzepte mit weiteren Partnern zu koordinieren, denn eins ist allen klar: Die ehrgeizigen Mond- und Mars-Programme kann kein Land allein finanzieren.

Mit Raumschiff Orion durchs All

Die NASA legte 2006 einen strategischen Entwurf vor, der einen konkreten Zeitplan enthält. Demnach wird schon im nächsten Jahr ein Mond-Erkundungs-Orbiter starten, der die Oberfläche unseres Trabanten fotografieren und vermessen soll, viel genauer als bisher. Mit Hilfe dieser Daten sollen zukünftige Landeplätze ausgewählt werden. Vier der sechs Instrumente an Bord werden nach Eis suchen. Der Orbiter ist die erste Sonde einer ganzen Flotte, die man in den nächsten Jahren losschicken will. Die nächsten, die den Mond betreten, werden Roboter sein. Sie sollen Bodenproben analysieren und vielleicht auch zur Erde schicken. Spätestens 2014 wird dann ein neues Raumschiff zur Verfügung stehen, das Astronauten zur ISS und schließlich auch zum Mond und zum Mars bringen soll. Wenn der Name dieser Raumkapsel nicht noch geändert wird, dann könnte zum ersten Mal ein echtes "Raumschiff Orion" durchs All düsen.

Internationale Raumstation (ISS) Quelle: ap




2020 sollen erstmalig seit den Apollo-Astronauten wieder Menschen auf dem Mond landen. Vier Jahre später möchte die NASA dort eine Basis errichtet haben, die Aufenthalte von einem halben Jahr Dauer ermöglicht. Eine solche Mondbasis wird voraussichtlich aus röhrenförmigen Modulen bestehen, die wegen der harten Strahlung im Mondboden vergraben sind. Wie schon in den siebziger Jahren werden die Astronauten anfangs vor allem Gesteinsproben sammeln. Langfristig wird das wissenschaftliche Interesse auf das Ausbeuten der Bodenschätze des Mondes zielen. Dabei wird es weniger um Gold und Diamanten gehen als um viel profanere Dinge, nämlich um den in riesigen Mengen im Mondgestein enthaltenen Sauerstoff sowie um möglicherweise vorhandenes Wasser. Denn auch in den nächsten Jahrzehnten wird es wahnwitzig teuer sein, so basale Dinge wie Luft und Wasser auf den Mond zu transportieren.

Mond als möglicher Energielieferant

Unter Umständen könnte das Schürfen nach den Bodenschätzen des Mondes zum ersten Mal in der Geschichte dazu führen, dass die Raumfahrt Geld abwirft, anstatt bloß welches zu verschlingen. Auf dem Mond werden große Mengen Helium-3 vermutet, das überall dort entsteht, wo der Sonnenwind auf ungeschütztes Gestein trifft. Mit Helium-3 könnten, so die Hoffnung, die Fusionsreaktoren der Zukunft befeuert werden. So würden auf dem Mond bald die ersten Helium-3-Minen entstehen. "25 Tonnen Helium-3 könnten den Energiebedarf der USA ein Jahr lang decken", sagt Harrison Schmidt, der mit Apollo 17 auf den Mond geflogen war und heute als Berater am Institut für Fusionstechnologie der Universität Wisconsin tätig ist. "Auf dem Mond dürften drei Millionen Tonnen Helium-3 lagern."

Zur gleichen Zeit, in der die ersten Helium-3-Tanker vom Mond in Richtung Erde starten, könnte die Menschheit den nächsten großen Schritt ins All tun: Nach der Eroberung des Mondes lockt der Mars. Die neuen Raumschiffe der NASA werden alle so konzipiert, dass sie Reisen zur Internationalen Raumstation und zum Mond ermöglichen, gleichzeitig aber auch geeignet sind, bis zu sechs Astronauten auf eine Reise zum Mars zu schicken.

Pläne noch nicht durchführbar

Zeichnung Astronauten auf dem Mars Quelle: ,dpa


Alle diese Pläne haben jedoch einen großen Haken: Mit der heutigen Technologie sind sie schlicht nicht durchführbar. Man kann sich natürlich vornehmen, alles Mögliche zu erfinden, aber ob das klappen wird, weiß heute niemand. Das größte Problem: Bemannte Raumfahrt funktioniert nicht ohne Menschen, Menschen funktionieren allerdings schlecht im Weltraum. Im Strategieplan der NASA versteckt sich die Beschreibung der Hauptschwierigkeit langer Weltraumreisen unter Punkt 3F.1: "Ab 2008 sollen Maßnahmen entwickelt und getestet werden, mit denen die Gesundheit von Menschen im All sichergestellt werden kann." Denn in einem Raumschiff, das Astronauten vom Mars zurückbrächte, würden nur noch Leichen mitfliegen.

Das Fehlen der Schwerkraft lässt Muskelmasse schwinden und Knochen brüchig werden. Die Strahlung schädigt das Erbgut in den Körperzellen, macht die Astronauten impotent und bringt sie schließlich um. Schon heute werden, unter anderem von der ESA und der russischen Raumfahrtagentur, zahlreiche Experimente durchgeführt, um die tödlichen Effekte einer Reise durchs All abzumildern. So müssen Probanden Hunderte von Tagen im Bett verbringen, während ihr Muskelschwund vermessen und mit tretmühlenartigen Gymnastikgeräten bekämpft wird. Von einer Lösung der Probleme ist man noch weit entfernt, auch wenn alle beteiligten Wissenschaftler Optimismus verbreiten.

Zum Mars in 90 Tagen?

Möglicherweise aber sichert eine phantastische Idee des amerikanischen Geophysikers Robert Winglee den Mars-Astronauten das Überleben. Winglee arbeitet an einer Methode, Weltraumreisen drastisch zu verkürzen. Er möchte Raumschiffe mit einer 40 Kilometer großen Blase aus Plasma umgeben. Diese Plasmablase würde wie ein Segel wirken, ein Segel für den Sonnenwind. Die Reise zum Mars könnte - inklusive Landung und Erforschung - hin und zurück nur noch 90 Tage dauern. Zum Mond wäre ein solches Sonnenwindsegelraumschiff etwa eine Stunde kürzer unterwegs als ein Ferienflieger von Frankfurt nach Mallorca.

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