Neue Machtverhältnisse

Tucume wird zum Provinzort des Inka-Reiches

Innerhalb von Jahrzehnten wuchs die Lambayeque-Siedlung zur Metropole heran und übernahm die Führungsposition im Tal. Das Großprojekt war eine Gemeinschaftsleistung der Gesellschaft. Um 1460 übernahmen die Inka-Fürsten das Zepter der Macht in Tucume.

Fürst von Tucume (Spielszene) Quelle: ZDF

Nahrungsmittel und Waren aller Art gelangten über das weit verzweigte Handelsnetz zu den vielen tausend Bewohnern. Und auch Tucume selbst glich damals einer Oase mit Kanälen und fruchtbaren Feldern.

Palastartige Räume

Ein Fürst lenkte die Geschicke des Volkes. Das adlige Oberhaupt erfüllte zugleich die Aufgaben des obersten Priesters und war für die Gesamtorganisation des Tempelbaus verantwortlich. Als irdischer Vertreter der Götter thronte der Herrscher mitsamt seinem Hofstaat in palastartigen Räumen hoch oben auf der Pyramide. In den Ruinen legten Archäologen kunstvolles Mauerwerk und Wandbilder aus zinnoberroter Farbe frei. Die prächtige Innenausstattung zeugt vom Wohlstand der Besitzer.

Unmengen von Speiseresten konnten die Ausgräber sicherstellen. Zumindest die Höflinge und Reichen von Tucume lebten nicht schlecht. Zu den beliebten Delikatessen gehörten Meeresfische, Muscheln, Lamafleisch und Mais. Eine exotische Menukarte, die der Küchenchef für den elitären Kreis bereithielt. Keramikscherbenfunde bringen es an den Tag: In den Palästen residierten Generationen von Priesterkönigen. Die geweihten Pyramiden waren Jahrhunderte lang durchgängig bewohnt.




Diadem aus gehämmerten Silberblech Quelle: ZDF

Pyramiden als Adelsresidenzen

An einer abgelegenen Stelle im Süden der Huaca Larga stießen die Wissenschaftler auf ein Mumiengrab mit drei Schächten für Grabbeigaben. Ein Diadem aus gehämmertem Silberblech und ein zeremonieller Feder-Kopfschmuck begleiteten den Toten auf der Reise in die jenseitige Welt. Die Ausstattung weist den Verstorbenen als Angehörigen der mächtigen Inka aus. Die Untersuchung ergab, dass der Mann im Alter von etwa 35 Jahren starb. Es gibt eindeutige Beweise, dass der Mann in der Hierarchie einen hohen Status einnahm. Es gibt keinen Zweifel, dass die Pyramiden in Tucume Adelsresidenzen waren. In den Palästen wohnten die Fürsten, die über die Region herrschten.

Um 1460 eroberten die legendären Söhne der Sonne den Norden Perus und übernahmen auch in Tucume das Szepter. Sie regierten als letzte Herrscher im Lambayeque-Tal. Der eingesetzte Statthalter führte ein strenges Regiment. Von der Bevölkerung trieb er hohe Steuern ein. Denn fortan war die Metropole nur noch ein Provinzort des Inka-Reiches. Der Besatzer aus der Hauptstadt Cuzco nistete sich auf dem größten Tempelberg ein und ließ ihn weiter ausbauen. Für das unterworfene Volk ein Zeichen für die neuen Machtverhältnisse. Auf jeder Pyramide wohnte ein Adliger: der mächtige Fürst vermutlich auf der großen, der Adel vielleicht auf den kleineren Bergen. Bei 26 Pyramiden gab es eine Menge Fürsten.

Gouverneur empfängt Boten und Bittsteller (Spielszene) Quelle: ZDF

Sonnentempel und Audienzhalle

Sofort nach Übernahme des Amtes erteilte der Inka-Fürst den Auftrag, einen Sonnentempel zu Ehren des Staatsgottes Inti zu bauen. Die einheimischen Weihestätten blieben ebenfalls in Betrieb. Zu den Maßnahmen auf der Plattform gehörte außerdem die Einrichtung einer Audienzhalle. Dort empfing der Gouverneur regelmäßig Boten und Bittsteller. Vordringlich war auch die Vergrößerung der Lagerkapazität. Da die Bauern die Abgaben in Naturalien leisteten, brauchte der hohe Beamte zusätzliche Magazinräume.

Unter seiner Kontrolle etablierte der Inka einen Verwaltungsapparat, der bald wie am Schnürchen lief. Die wichtigste Funktion der aufgetürmten Heiligtümer aber blieb der Verehrung der zahlreichen Götter vorbehalten. Den himmlischen Wesen wollten die Fürsten so nahe wie möglich kommen. Um den Segen der Allmächtigen baten sie in andächtigen Zeremonien. Dafür brachten sie Opfergeschenke dar.

Gewitter mit Blitz Quelle: ZDF

Unmissverständliche Botschaften

Seit jeher sind die schroffen Berge der Anden Huacas. Naturheiligtümer, die den obersten Gottheiten als unvergängliche Wohnstatt dienen. Wenn das Wetter Kapriolen schlug, fürchteten die Indios, die Hüter des Kosmos grollten über die Unzulänglichkeit der Sterblichen und schütteten Tod und Verderben über ihnen aus. Sie verstanden die Naturgewalten als unmissverständliche Botschaften, als maßgebliches Gesetz, vor dem es kein Entrinnen gab. Aus Ehrerbietung vor den höchsten Wesenheiten schufen die Völker Südamerikas Pyramiden als Abbild der majestätischen Göttersitze.

Obwohl die Inka Tucume in ihr Imperium eingliederten, duldeten sie neben ihren eigenen Ritualen das kultische Brauchtum der Lambayeque. So gelang es dem Fürsten aus Cuzco, die Einheimischen als Verbündete zu gewinnen. Eine geschickte Taktik in einer Zeit, als die Stämme im Norden Perus ständig um Territorien kämpften. Seit Jahrhunderten betrieben sie ihre Expansionspolitik mit allen Mitteln.

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