Neue Theorien, weitere Tote

Terra X - Der Fluch von Oak Island

Zufluchtort der Inka oder französische Schätze: In den Kriegsjahren des letzten Jahrhunderts wurden neue Theorien aufgestellt. Anfang der sechziger Jahre glaubte eine Familie mit moderner Technik und Durchhaltevermögen, dem Geheimnis näher zu kommen, mit tödlichen Folgen.

Der Mann, der nach dem Ersten Weltkrieg den 21. Schacht in den Inselboden trieb, brachte eine neue Theorie auf: Mel Chappell.

Gold im Überfluss

Chappell glaubte, dass hier ein Volk die Anlage geschaffen haben könnte, das über umfassende technische Kenntnisse verfügte, wie zum Beispiel die Inka oder die Azteken Mexikos. Eine Geschichte erzählt von der Inka-Stadt Tumbes, wo es Gold und Silber im Überfluss gab. 1527 kam der Spanier Pizzaro dorthin, aber er konnte die Stadt mit seiner kleinen Truppe nicht einnehmen. Nach ein paar Jahren kehrte er mit einem Heer zurück und eroberte Tumbes. Doch das Gold war verschwunden. Aus Furcht vor den spanischen Plünderern sollen die Inka ihre ungeheuren Schätze auf Schiffen im Golf von Mexiko gebracht und weggeschafft haben. Damals wüteten ständig heftige Wirbelstürme in dieser Region. Sie könnten die Flotte weit nach Norden verschlagen haben - bis zur Ostküste Kanadas.

Der Schatz von Louisburg

Während des Zweiten Weltkriegs forschte ein Ingenieur aus New York sechs Jahre lang auf der Insel: Edwin Hamilton: "Die Tatsache, dass sie Flutkanäle anlegten und hydraulische Verfahren dabei einsetzten, lässt mich vermuten, dass die Anlage französischen und britischen Ursprungs ist. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um den Schatz von Louisburg, der dort versteckt wurde. Und zwar von den Männern, die die Stadt mit den drei Schiffen verließen. Sie waren zu einer solchen Leistung fähig." Die Franzosen hatten die Festung Louisburg im Norden Neuschottlands gegründet, um sich Anfang des 18. Jahrhunderts gegen die wachsende britische Kolonialmacht zu behaupten. Schon bald entwickelte sich die Stadt zum drittgrößten Seehafen Nordamerikas - nach Boston und Philadelphia. 5.000 Bürger und Soldaten lebten hinter den Mauern. Oak Island war von Louisburg in zwei Tagen mit dem Segelschiff zu erreichen. Brachten die Franzosen ihre Schätze dorthin in Sicherheit? 1758 belagerten die Engländer die Stadt. Ehe Louisburg kapitulierte, entkamen drei Fregatten der britischen Seeblockade. Es sind die drei, die Edwin Hamilton meint.

Gewaltige Ausmaße

Nach und nach rankten sich immer mehr Legenden um die einst so stille Insel. Man hörte auch Geschichten von Gespenstern und von nächtlichen Geräuschen. Doch keiner, der hier zu graben anfing, achtete auf solche Dinge. Moderne Technik, richtiges Werkzeug und Durchhaltevermögen öffneten den Weg zum Geheimnis. Daran glaubte auch Robert Restall: "Wir sind gekommen, um die beiden Schatzkisten zu bergen. Ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen können und auch schaffen werden." Robert und seine Frau Mildred waren lange als waghalsige Steilwandfahrer auf Jahrmärkten aufgetreten. Als sie 1960 mit ihren beiden Söhnen auf die Insel zogen, wohnten sie neben dem Schacht in einer Hütte ohne Wasser und Toilette. Und die Suche war schwierig. "Die Arbeit, die wir bisher geleistet haben, zeigt, dass das Ganze ein echtes Problem ist. Da gibt es keine Täuschung, das hat gewaltigere Ausmaße, als man sich je vorgestellt hat. Aber ich habe das sichere Gefühl, dass der Schatz da unten liegt. Und wir werden so lange hier bleiben, bis wir ihn haben." Am 17. August 1965 war sein Traum zu Ende. Robert Restall, sein Sohn und zwei Arbeiter verloren in einem der Schächte durch ausströmendes Gas das Bewusstsein. Alle vier ertranken.

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