Neue Ziele in der Ägais

Waren die Seevölker für die Zerstörung von Troja verantwortlich?

Um 1200 vor Christus tauchen die Seevölker mit ihren Schiffen plötzlich aus dem Dunkel der Geschichte auf. Unaufhaltsam erobern sie die großen Zentren im Vorderen Orient. Die namenlosen Krieger entpuppen sich als Schrecken der späten Bronzezeit. Mit ihrem Erscheinen gehen blühende Städte unter, Großreiche zerfallen.

Rekonstruktion Troja Quelle: ZDF

Die Ursache für den plötzlichen Niedergang der Mittelmeerregion gehörte lange zu den großen Rätseln des Altertums. Die Auswirkungen hingegen stehen in den Geschichtsbüchern: Völker machen sich auf den Weg in eine neue Heimat, Reiche und Reichtümer werden aufgegeben. Friedliche Seefahrer wandeln sich zu Piraten, und geschäftstüchtige Händler schlüpfen in die Rolle von Eroberern.

Mythos Trojanischer Krieg

Büste Homer Quelle: ZDF

Die Spur der Zerstörung führt zunächst auch an die Küste Kleinasiens, zu den einst trutzigen Mauern von Troja. Vom Ruhm der legendären Handelsstadt erzählt der Dichter Homer in seinem Epos, der Ilias. Zehn Jahre lang standen die Griechen vor den hohen Toren, bis eine List den Untergang der Metropole besiegelte. Seine Verse begründeten den Mythos vom Trojanischen Krieg, den angeblich die Götter entschieden hatten. Erst Heinrich Schliemann suchte nach archäologischen Fakten.





Doch bis heute gibt es für Homers Szenario keine Beweise. Inzwischen ziehen die Forscher eine zweite Theorie in Betracht: Nämlich, dass die Seevölker bei ihrer Fahrt ins Ungewisse den Ort niedermachten. Grabungsschnitte auf dem Burgberg von Troja geben die dramatische Vergangenheit der Stadt preis. In sieben Metern Tiefe stießen die Archäologen auf Hinweise, die kriegerische Auseinandersetzungen in der Zeit um 1180 vor Christus bestätigen.

Grabungsstätte Troja Quelle: ZDF

Mysteriöse Eroberer

Ende des 13. Jahrhunderts gab es einen Niedergang der Hochkultur in Troja. Zu beobachten waren mehrere Brandhorizonte, Zerstörungserscheinungen, aber auch davor offenbar verstärkte Bemühungen um Befestigungen. Es handelte sich offenbar um eine kriegerische Zeit, die Gegner können allerdings nicht genau identifiziert werden. Wie Homer in seinem Heldenbericht erzählt, entschieden Zweikämpfe die wichtigen Etappen des Krieges. Eine Taktik, die auch die mysteriösen Eroberer bei Angriffen praktiziert haben sollen: Das Duell zweier Männer entscheidet eine ganze Schlacht.

Zweikampf zwischen zwei Heerführern Quelle: ZDF

Seit Jahrzehnten arbeiten Generationen von Ausgräbern an der Rekonstruktion der imposanten Stadtanlage von etwa 1200 vor Christus. Die weitläufige Burg mit Palast- und Tempelbauten umgab damals eine massive Ringmauer mit Wachtürmen. Dort residierte der König mit seinem Hofstaat. Im Osten erstreckte sich die Unterstadt mit Handwerksbetrieben, Läden und Wohnhäusern. Entlang des Siedlungshügels verlief der Fluss Skamander. An seiner Mündung lag ein natürlicher Hafen. Das waren Kriterien, die Troja zum Angriffsziel erster Ordnung machten.

Wie aus dem Nichts

Es ist also vorstellbar, dass die Seekrieger die reiche Festung an sich reißen wollten. Das das bleibt Spekulation. Fest steht nur: Mit ihren schnellen Schiffen steuerten die Glücksritter immer neue Ziele in der Ägäis an. Wie aus dem Nichts schlugen sie zu und verschwanden wieder. Ihre Raubzüge fielen in eine Zeit, in der die Reiche ständig gegeneinander zu Felde zogen und innere Machtkämpfe die Dynastien schwächten.

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