Neuer Anlauf der Briten

Professionellere Vorbereitung

Die Nachfolge für den erfolglosen Briten Eric Shipton tritt Colonel John Hunt an, ein aktiver Heeresoffizier und Experte für militärische Gebirgseinsätze.

Zuerst scheint Hunts Start gründlich zu misslingen. Mehrere Everest-erfahrene Mitglieder des Teams erklären aus Solidarität zu Shipton ihren Rücktritt.

Nur die beste Ausrüstung

Doch schon bald hat der charismatische Hunt alle wieder an Bord. Das Team verbringt den Herbst 1952 damit, weltweit nach der besten Ausrüstung zu suchen. Lebensmittel, Seile, Zelte, Kleidung: Eingehend wird die Höhentauglichkeit des Materials überprüft. Sogar Windkanäle und Unterdruckkammern der Royal Air Force stehen für die Tests zur Verfügung.

Mit acht britischen Bergsteigern, einem Kameramann und einem Physiologen kommt Hunt im März in Nepal an. Zwei Neuseeländer stoßen zum Everest-Team hinzu: George Lowe, und ein Veteran von Shiptons letzten beiden Expeditionen, Edmund Hillary. Dem Vorbild der Schweizer folgend ernennt Hunt Tenzing Norgay zum Anführer der Sherpas und nimmt ihn ebenfalls als Vollmitglied in die Bergsteiger-Mannschaft auf. Die Briten heuern eine wahre Armee von Trägern an - insgesamt 350 - und machen sich mit 13 Tonnen Gepäck auf den langen Marsch zum Everest.

Mitte April beginnt am Fuß des Khumbu-Gletschers die heiße Phase. In 5400 Meter Höhe entsteht das Basislager, von hier aus starten bis heute die Expeditionen zum Gipfel. James Morris berichtet vor Ort für die Londoner Times. Im Krönungsjahr von Elisabeth II. ist das Interesse enorm und der Druck auf die Alpinisten hoch.

Durchdachter Plan

Der Militär erprobte Expeditionsleiter Hunt hat einen wohl durchdachten Plan für die Eroberung des Everest ausgearbeitet. Die erste Herausforderung besteht darin, drei Tonnen Proviant und Ausrüstung durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch und danach durch das Western Cwm zu schaffen, um bei 6400 Meter ein vorgeschobenes Basislager zu errichten. Sobald die Bergsteiger einen Weg durch den eisigen Irrgarten gefunden haben, folgen die schwerbeladenen Sherpa-Gruppen. Bis zu 40 Pfund befördern sie auf ihrem Rücken. Die Briten verleihen den tückischen Stellen des Eisfalls deutliche Namen: Atombombenbereich, Nussknacker, Hillarys Horror.

Eine einfache Aluminium-Leiter dient als Brücke über die Gletscherspalten. Unglaublich, aber wahr: Die Briten verfügen trotz der generalstabsmäßigen Planung nur über eine einzige Leiter. Sie behelfen sich mit Baumstämmen, die aus dem nächstgelegenen Wald besorgt werden. Mit den spitzen Steigeisen unter den Stiefeln über den runden Stamm zu klettern, ist ein nervenaufreibender Balanceakt, allerdings längst nicht die einzige Bedrohung. Der Berg, den die Sherpa Chomolungma, Sitz der Göttermutter, nennen, scheint sich zu wehren: Schneeabgänge häufen sich. Die unerwünschten Eroberer brauchen viel Zeit, um ihren Körper an die dünne Höhenluft zu gewöhnen. Immer wieder müssen sie ins Basislager am Fuß des Gletschers zurückkehren, um ihre Kraftreserven aufzufüllen.

Spannende Neuigkeiten

Etwa einmal pro Woche bringen nepalesische Boten Briefe und Zeitungen. Zu der letzten Himalaja-Expedition hatte Tom Bourdillon seine Frau Jennifer mitnehmen können. Nun ist sie über 6800 Kilometer entfernt in England. Am 7. Mai 1953 schreibt ihr Tom einen Brief mit spannenden Neuigkeiten. John Hunt hat gerade die Namen der Männer bekanntgegeben, die den Gipfel "in Angriff nehmen" sollen. Tom Bourdillon und Charles Evans sind dazu bestimmt, den ersten Versuch zu wagen. Sollten die beiden Briten scheitern, erhält der Sherpa Tenzing Norgay zusammen mit dem Neuseeländer Edmund Hillary die nächste Chance.

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