"Nie den Hals freigelegt"

Interview mit dem Anthropologen Albert Zink zur Mumie von Ramses III.

Das ägyptisch-deutsche Team um den Direktor der Europäischen Forschungsakademie Eurac, Prof. Albert Zink, fand heraus, dass das Mordkomplott zur Ausführung kam, und Ramses III. die Kehle durchgeschnitten wurde.

ZDF: Warum wurden die Mumienbinden um den Hals von Ramses III. nie entfernt?

Zink: Die Binden um den Hals von Ramses III sind sehr fest, es wirkt fast wie eine Halskrause. Als die Mumie ausgewickelt wurde (von Maspero in 1886), wurde es offensichtlich als nicht notwendig erachtet, den Hals der Mumie freizulegen. Vermutlich hatte man nichts Besonderes darunter erwartet und wollte wahrscheinlich auch eine weitere unnötige Beschädigung der Mumie vermeiden.

Mumie Pentawer
Geheimnis gelüftet: Aus "Unbekannter Mann E" wird Ramses' Sohn Pentawer

ZDF: Warum riecht – um nicht zu sagen stinkt – die Mumie von Pentawer?

Zink: Der unangenehme Geruch der Mumie von Pentawer stammt vermutlich von der ungewöhnlichen Mumifizierung. Er wurde nicht wie die anderen ägyptischen Mumien der typischen und sehr aufwändigen Mumifizierungs-Prozedur unterzogen, welche die Entnahme des Gehirns und der inneren Organe, Austrocknung in Natronsalz, Behandlung mit Salben, Ölen, Bitumen, etc. und die Einwicklung in zahlreiche Binden, beinhaltet. Pentawer hingegen wurde sehr einfach mumifiziert, ohne Organentnahme, vermutlich auch ohne die lange Trocknung. Er wurde mit einem Ziegen- bzw. Schaffell bedeckt und vermutlich wurde seine Körperoberfläche mit einer Substanz "behandelt". Die Haut der Mumie hat einen eigenartigen rötlichen Farbton, der sehr gut im Zusammenhang mit dem eigenartigen Geruch liegen kann. Leider konnten wir bislang keine chemischen Analysen machen, um die Zusammensetzung der Substanz zu verstehen.

Genetische Marker
Der Beweis: alle Marker stimmen überein

ZDF: Wie lange dauert die gesamte Prozedur der DNA-Untersuchung. Wie schnell liegen die Ergebnisse vor?

Zink: Im Grunde dauert die gesamt Prozedur von der Probenentnahme bis zu den Ergebnissen einige Wochen bis mehrere Monate. Es hängt sehr stark vom Erhaltungszustand der DNA ab und inwieweit sich diese aus dem Mumiengewebe isolieren lässt. Bei den ägyptischen Königsmumien hatten wir das Problem, dass insbesondere die bitumenhaltigen Einbalsamierungssubstanzen die Analysen erheblich gestört hatten. Wir mussten eigene spezielle Protokolle entwickeln, um das Problem zu umgehen. Daher hat die Analyse der DNA von Ramses III. und Pentawer insgesamt etwas ein Jahr gedauert bis wir die Ergebnisse vorliegen hatten.

ZDF: Ihr Team konnte ja bereits bei den Mumien aus der Familie von Pharao Tutanchamun unglaubliche Ergebnisse erzielen. Sind in Zukunft noch weitere Untersuchungen an den königlichen Mumien geplant?

Zink: Es gibt noch sehr viel zu entdecken, und wir planen weitere Untersuchungen an den Königsmumien. Allerdings lässt die momentane unsichere politische Situation zur Zeit keine weitere Arbeiten zu, da z.B. die Zuständigkeiten für das Labor im Museum von Kairo nicht klar sind. Wir hoffen daher, dass sich die politische Situation in Ägypten bald stabilisiert und wir mit unseren ägyptischen Kollegen bald weiterarbeiten können.


Das Interview führte Heike Schmidt.

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