Nordeuropa im 3. Jahrtausend vor Christus

Von Schnurkeramikern und Glockenbecher Kulturen

Die Übergangszeit von der Steinzeit zur Bronzezeit wird in Nordeuropa von zwei beherrschenden Großkulturen geprägt: Die aus Nordosten zugewanderten Schnurkeramiker treffen auf Glockenbecher-Kulturen, die aus Südwesten kommend vordringen. Als zuverlässiges Bestimmungsmerkmal ihrer Verbreitungsgebiete dienen den Archäologen Fundstücke gruppentypischer Keramik.

Spielszene: Dorf der Schnurkeramiker
Spielszene: Dorf der Schnurkeramiker Quelle: ZDF

gmBeinahe zeitgleich verändern die Zuwanderer die Lebens- und Wirtschaftsformen im Norden Europas. Aus dem Osten siedeln sich wandernde Bauern in Mitteleuropa an. In nur 50 Jahren schaffen und verbreiten sie ab 2800 v. Chr. eine gemeinsame Kultur, die zahlreiche unterschiedliche Volksgruppen verbindet. Grundlage sind die Nutzung von Pferden und anderen Haustieren, verbesserte Methoden des Ackerbaus, gemeinsame Formen der Gebrauchskeramik sowie der Bestattungsrituale. Die Zuwanderer aus dem Westen sind möglicherweise nicht so zahlreich, doch durch Nutzung von Reittieren und Wagen sehr mobil. Sie kämpfen mit Pfeil und Bogen und bringen neue Techniken, besonders der Metallverarbeitung. Als Siedler sind sie den Einheimischen oft willkommen und verändern soziale Strukturen nachhaltig.

Mann bindet Schnur um Keramik.
Handwerk der Schnurkeramiker Quelle: ZDF

Gemeinschaft der Schnurkeramiker

Die Region östlich des Harzes zwischen Elbe und Donau ist ein Kerngebiet der bäuerlichen Kulturgemeinschaft der Schnurkeramiker. Sie siedeln gerne auf fruchtbaren Böden entlang der Flüsse. Die wenigen gefundenen Wohnstätten sind bescheiden. Bauholz wurde nach Aufgabe eines Hauses oft weiter verwendet. In den leeren Pfostenlöchern finden Forscher manchmal Tongefäße - vielleicht waren sie Opfer für die Götter. Als ein typisches Gebrauchsgerät für Männer taucht häufig die Steinaxt in Siedlungsresten und in Gräbern auf. Die Forscher entdeckten auch Pfeilspitzen und Hinweise darauf, dass Jagdbögen bekannt waren. Doch Statussymbol der Männer sind kunstvoll gearbeitete Steinbeile. Zum Zusammenhalten der Kleidung und der Haare dienten Knochennadeln.

Steinaxt
Grabbeigabe: Steinaxt der Schnurkeramiker Quelle: ZDF

Die Verstorbenen wurden in flachen Gruben in Steinkisten meist einzeln, selten in Gruppen oder unter einem Grabhügel beigesetzt. Die Toten liegen in Hockstellung auf der Seite, Männer stets mit dem Kopf nach Westen und dem Blick nach Süden. Frauen wurden ebenfalls mit Blick nach Süden gelagert, jedoch lag ihr Kopf im Westen. Die üblichen Grabbeigaben bestanden aus Vorratsgefäßen. Ihre Größe lässt Rückschlüsse zu auf Alter und Rang des Verstorbenen. Bei älteren Toten wurden größere und reicher verzierte Gefäße gefunden. Die Verzierung mit kunstvollen Abdrucksmustern gedrehter Schnüre gibt der über Jahrhunderte konstanten Gemeinschaftsform den Namen: Kultur der Schnurkeramik. Männer bekamen in der Regel ein Beil mit ins Grab. Kupfer als Beigabe war selten.

Angewinkelte Beine zweier Skelette
Hockstellung der Skelette von Eulau Quelle: ZDF

Die Glockenbecherkultur

Ursprungsregion ist wahrscheinlich das südwestliche Mittelmeergebiet, wo im Süden

der iberischen Halbinsel früh mit der Kupferförderung und später mir der Herstellung und Verarbeitung von Bronze begonnen wurde. Kennzeichnend für die der

Kulturgruppe zugerechneten Siedlungsgemeinschaften sind glockenförmige Gefäße, meistens aus rötlichem Ton mit in den feuchten Ton gestempelten Verzierungen. Vom Südwesten ausgehend verbreitet sich die Glockenbecherkultur überall in ganz Europa. Die fleckenartig gestreute, weite Verbreitung deuten Forscher als Beweis großer Mobilität. Wahrscheinlich waren viele, die zur Glockenbecherkultur zählten, Bauern. Doch eine kleine wichtige Gruppe von Menschen waren Handwerker. Sie beschäftigten sich mit Metallverarbeitung und der Erschließung neuer Erzquellen.

Spielszene: Glockenbecher
Spielszene: Glockenbecher Quelle: ZDF

Archäologen zufolge passten sich die Glockenbecherleute Nachbarn, bei denen sie lebten, in Sitten und Gebräuchen teilweise an. Doch gegenüber Schnurkeramikern demonstrierten besonders im Beerdigungsritual und bei der Grabausstattung Eigenständigkeit. Die Verstorbenen wurden in Hockergräbern beigesetzt, allerdings mit Blick nach Osten. Männer liegen auf der linken Körperseite, den Kopf nach Norden, Frauen auf der rechten Körperseite mit Kopf nach Süden. Unter den Grabbeigaben fallen neben den typischen Glockenbechern sorgfältig gearbeitete Pfeilspitzen auf, sowie oftmals Armschutzplatten für Bogenschützen. Im Gegensatz zu anderen stellen die Männer der Glockenbecherkultur sich als wehrhafte Reiter und Bogenschützen dar. Grabbeigaben aus Kupfer, Bernstein, Bronze und selten aus Gold kommen vor.

Schmelztiegel Bronzezeit

Spielszene: Glockenbecher mit Armschiene
Spielszene: Glockenbecher mit Armschiene Quelle: ZDF

Nach wenigen hundert Jahren, in denen die Schurkeramik- und die Glockenbecherkultur parallel bestanden, verschmolzen beide Kulturen um 2050 v. Chr miteinander. Unter maßgeblichem Einfluss der Glockenbecherleute, die ihr Wissen und ihre Ideen weitergaben, entstand die erste metallverarbeitende Zivilisation in Nordeuropa. Die Kenntnis der Metallgewinnung und seine Verarbeitung war ihre große Besonderheit und Stärke. Der Fortschritt wanderte entlang der Fernhandelswege, über das seit Jahrhunderten entstandene Netz des Warenaustausches zwischen den Kulturen im Norden und im Süden Europas. Die Neuerungen und der Reichtum, den er brachte, verhalfen den Glockenbecherleuten zu Anerkennung und Einfluss. Wo sie sesshaft wurden, nutzten sie die Erzvorkommen oder günstige Handelspositionen.

Der Bogenschütze von Amesbury starb als hoch geachteter Mann im Jahr 2300 v. Chr. Der Glockenbechermann stammte aus Österreich und wird mit einer wichtigen Ausbauphase des Heiligtums von Stonehenge in Verbindung gebracht. Als Schmied stand der Bogenschütze zugleich am Anfang der Metallverarbeitung in England. Und: Vielleicht waren es Händler aus dem Umfeld der Glockenbecherkultur, die die Kenntnis der Bronzeverarbeitung zugleich mit dem Metall in den Norden brachten. In Dänemark, wo zu der Zeit noch keine Erz-Lagerstätten bekannt waren, entstand damals eine eigene Tradition des Metallhandwerks. Sie kam zur Blüte, als in Mitteleuropa das kulturelle Leben nach 1600 v. Chr. vorübergehend erlosch und die Himmelsscheibe von Nebra begraben wurde. Funde wie der Sonnenwagen von Trundholm aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. geben davon eindrucksvoll Zeugnis.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet