Nordisch by nature

Eine Tauchfahrt mit Lokal-Kolorit

Seit vielen Jahren wird in den Gewässern der Kieler Bucht nach der Hedvig Sophia gefahndet, einem Großsegler, der dort vor 300 Jahren auf Grund lief. Im Frühjahr 2008 stieß ein Reviertaucher unter Wasser auf einen 20 Meter langen Hügel, der die außergewöhnliche Geschichte um dieses Ostseewrack vorantrieb. Autorin Kirsten Hoehne berichtet von den Dreharbeiten.

Blick über die Fundstelle in der Kieler Bucht
Blick über die Fundstelle in der Kieler Bucht Quelle: ZDF/Kurt Vandenhole

Es geht um ein Wrack auf dem Grund der Kieler Förde. Prima, denke ich, ein Heimspiel! Und dann die Frage: Wird auch der Kameramann aus dem Rheinland den manchmal etwas spröden Charme von Land und Leuten zu schätzen wissen? Kiel bietet, zugegeben, keine besonders exotische Kulisse. Dafür aber die Ostsee. Vielfarbiges Blaugrün und immer wieder unterschiedliches Grau. Mein Ehrgeiz als Lokalpatriotin ist geweckt.

"Wat mut, dat mut"

Drehstart der Tauchkampagne "Ostseewrack" ist im Januar 2009. Es ist kalt, die Sichtbedingungen unter Wasser sind schwierig. Eine Herausforderung für Kameramann Jürgen Heck und die für die Unterwasser-Bilder zuständigen Sascha Kellersohn undKarl Vandenhole, genauso wie für die Archäologen-Crew. Nichts für "Schön-Wetter-Taucher". Doch: "Wat mut, dat mut", lautet die pragmatische Devise des Projektleiters Martin Segschneider. Wie spannend die Geschichte dieses zunächst unscheinbaren Fundes tatsächlich sein würde, wie viele archäologische Details exakt zu den historischen Quellen passen, wird zur großen Überraschung der aufwendigen Recherchen und zum Triumph eines Mannes, der nie aufgab.

Suche nach Kulissen

Forschungsplattform des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein
Forschungsplattform des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein Quelle: ZDF/Karl Vandenhole

Es ist nämlich der - vielleicht typisch norddeutschen - Hartnäckigkeit eines Berufstauchers zu verdanken, dass die Geschichte des Wracks nicht in Vergessenheit geriet. Bereits vor 40 Jahren machte Rolf Lorenz die ersten ungewöhnlichen Entdeckungen. Vor der Kieler Küste fand er rätselhafte Kanonenkugeln. Weitere Funde, darunter tonnenschwere Kanonen, legten den Schluss nahe, dass es sich um Munition und Waffen aus dem Großen Nordischen Krieg handelte. Die Fundstücke unter Wasser bilden eine Reihe - die Spur zum Wrack!

Beim Drehbuchschreiben erweist sich die betreuende Redakteurin Claudia Moroni einmal mehr als sicherer Lotse. Es gilt, einige tückische Klippen zu meistern. Denn der Stoff hat es in sich. 17 Großsegler lieferten sich Anfang des 18. Jahrhunderts eine blutige Schlacht auf See. Niko Günther und Alexander Dieckmann machen sich auf die Suche nach geeigneten Kulissen - immer weiter nordwärts. Schließlich werden die Kollegen in Schweden fündig. Die Götheborg, ein nagelneues "altes Schiff", ist der authentische Nachbau eines Handelsschiffes, das 1745 im Göteborger Hafengebiet sank. Fast zehn Jahre dauerte der Bau der hochseetüchtigen Rekonstruktion.

Als wir den Großsegler zum ersten Mal besichtigen, ist das Drehteam sofort begeistert. Nicht nur von dem imposanten Dreimaster - der Segler ist stolze 41 Meter lang und 11 Meter breit -, sondern auch von Kapitän Peter Kaaling. Der bärtige Schwede wird schon auf den ersten Blick dem Image seines Völkchens gerecht. Entspannt und hilfsbereit hört er sich das an, was sich "die vom Fernsehen" so ausgedacht haben. Er hat schon andere Stürme vorüberziehen sehen! Nur bei Sicherheitsfragen und der Einhaltung der an Bord heiligen Essenszeiten versteht er keinen Spaß.

Disziplin und Teamwork

"Die Goetheborg", Nachbau eines Handelsschiffs von 1745
"Die Goetheborg" Quelle: ,ZDF/P. Jacobsen

Während unseres Drehs auf hoher See werden wir die Verlässlichkeit von Kapitän und Crew erst richtig schätzen lernen. Um Außenschüsse des Seglers zu filmen, kletternwir, bei einigem Wellengang, zunächst über die Strickleiter in ein kleines Beiboot. Mit Walkie-Talkies koordinieren wir die Männer an den Kanonenluken, die jene genau dann öffnen müssen, wenn wir mit der Kamera an dem Boot vorbei ziehen. Das ganze Unternehmen gelingt schon beim zweiten Versuch. Disziplin und Teamwork sind an Bord eben überlebenswichtig.

Abends sinken wir in die Hängematten. Wir liegen einen halben Meter unterhalb der Schiffsplanken, den Fuß des Nachbarn am Hinterkopf. Nach einer abenteuerlichen Reise heißt es im Hafen von Göteborg endlich: "Drehschluss". Der krönende Abschluss der Tauchfahrt findet ein Jahr später statt, wieder in Kiel, wo wir auf einem Archäologie-Filmfestival den Spezialpreis für Unterwasserarchäologie bekommen.

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