Nordpol im Visier

Arktisforschung gestern und heute

Der Nordpol war eines der letzten großen Ziele der Entdecker im 20. Jahrhundert. Auf Spitzbergen nahmen die großen historischen Polarexpeditionen ihren Ausgang - per Luftschiff. Doch der Versuch, die unendliche Weite aus Eis zu durchqueren, kostete viele Abenteurer das Leben.

Der Italiener Umberto Nobile baute die Norge - ursprünglich unter der Bezeichnung "N 1", nach seinem Initial - als Luftschiff mit halbstarrer Konstruktion. 1926 gelang damit die erste Nordpolüberquerung. Von Spitzbergen aus wurde die sechzehnköpfige Besatzung bis nach Alaska getragen. Roald Amundsen, der berühmte norwegische Polarforscher, hatte diese erfolgreiche Expedition organisiert.

Das Unglück der Italia

Zwei Jahre später machte sich Umberto Nobile erneut zum Nordpol auf. Er hatte speziell für dieses Vorhaben ein neues Luftschiff konstruiert: die Italia. Das Team bestand hauptsächlich aus italienischen Abenteurern. Am 23. Mai 1928 hob die Italia ab. Aber die gesamte Reise stand unter einem unglücklichen Stern und sollte in einer Tragödie enden.

Zwar erreichte auch die Italia den Nordpol, doch auf dem Rückflug nach Spitzbergen geriet das Luftschiff in einen Schneesturm. Durch die starke Vereisung der Außenhülle ließ es sich nicht mehr manövrieren. Nach und nach spitzte sich die Tragödie zu: Der Sturm drückte die Nase des eisgepanzerten Zeppelins nach unten und brachte ihn zum Absturz. Die Passagiergondel schlug auf dem Eis auf und riss ab, die führerlose Hülle schwebte mit sechs Männern davon - sie wurden nie wieder gesehen.

Überlebenskampf und Rettung

Doch wie durch ein Wunder überlebten zehn Männer den Aufprall, darunter auch der verletzte Nobile. Verloren in der Unendlichkeit des Packeises, begann für die Absturzopfer ein dramatischer Überlebenskampf. Dabei kamen ihen zwei glückliche Umstände zu Hilfe: Zum einen fanden sie in den Trümmern des Wracks ein Zelt, das sie vor dem sicheren Kältetod bewahrte. Um von Rettungsmannschaften leichter entdeckt zu werden, strichen sie es rot an. Der zweite, fast noch wichtigere Fund war ein Kurzwellensender. Mit zunehmender Verzweiflung funkten die Männer SOS, denn die Eisscholle, auf der sie trieben, schmolz langsam ab.

Acht Tage später empfing man den Funkspruch, und eine groß angelegte Rettungsaktion begann. Auch Roald Amundsen machte sich mit einem Wasserflugzeug auf die Suche. Doch er kehrte nicht zurück und blieb verschollen. Nach vielen gescheiterten Versuchen, die Havarierten zu finden, gelang nach sechs Wochen endlich die Rettung. Ein russischer Eisbrecher holte die Männer von ihrer immmer kleiner werdenden Eisscholle, Umberto Nobile wurde per Flugzeug ausgeflogen. Dennoch bleibt die Expedition als Tragödie in Erinnerung: Um die acht Überlebenden zu retten, verloren 17 Helfer ihr Leben.

Beobachtung der Eisdecke

Auch heute noch stehen die Polarregionen im Brennpunkt des Forschungsinteresses. Ein Thema von globaler Wichtigkeit ist die schwankende Eisbedeckung der Arktis. In den letzten Jahrzehnten deutet sich ein Rückgang des Meereises an. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wären die Folgen dramatisch, denn die Eisschicht in den Polarregionen spielt eine Schlüsselrolle für das Klima auf der ganzen Welt.

Meereis Spitzbergen Quelle: ZDF

Das deutsche Forschungsschiff Polarstern dringt regelmäßig bis zum Nordpol vor, um die aktuelle Situation zu untersuchen. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts messen die Mächtigkeit der Eisbedeckung. Bohrungen zeigen die Dicke und das Profil der Eisschicht. Neben lokalen mechanischen Messungen werden auch elektromagnetische Sonden eingesetzt, die in speziellen Messschlitten zu Fuß über die Eisdecken gezogen werden.

Neue Forschungsvorhaben

Wissenschaftler befürchten, dass die polare Eiskappe noch in diesem Jahrhundert im Sommer ganz verschwinden wird. Aber um solche Prognosen zu stützen, werden noch mehr Daten benötigt. Für die Erstellung eines Eisdickenprofils größerer Areale werden die Messsonden auch mit Helikoptern und Flugzeugen über das Packeis geflogen. Inzwischen gibt es viele Datenreihen einzelner Forschungsflüge, doch bis heute ist eine umfassende Vermessung der Eisbedeckung um den Nordpol noch nicht gelungen.

Mit einem neuen Luftschiff soll jetzt die Eisbedeckung der Arktis erstmals kontinuierlich und großräumig vermessen werden. Ursprünglich sollte der Zeppelin im April 2008 von Spitzbergen aus über den Pol nach Kanada und Alaska fliegen, der Start ist aber verschoben worden. Das Hightech-Fluggerät wird mit einer speziellen Messsonde ausgestattet sein, die mit Laserstrahlen und elektromagnetischen Wellen die begehrten Daten über die Eisdicke ermitteln wird.

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