Operation "Ten-Ichi-Go"

Himmelfahrts-Kommando besiegelt das Ende der "Yamato"

Am 5. April 1945 ergeht der Befehl an die Reste der verbliebenen Flotte, die Operation "Ten-Ichi-Go" (Operation "Himmel") auszuführen. Die Order an den Kapitän der "Yamato" lautet: Kämpfen bis zum Untergang. Als Eskorte dienen nur acht Zerstörer und ein leichter Kreuzer.

Der kleinen japanischen Streitmacht stehen elf US-amerikanische Flugzeugträger, acht Schlachtschiffe, neun leichte Kreuzer und 52 Zerstörer gegenüber. Eine Unterstützung aus der Luft für die japanische Flotte ist nicht vorgesehen. Der geplante Einsatz ist ohne militärischen Sinn und ein einziges Himmelfahrtskommando.

Opfer im Namen der Ehre

Den Admirälen muss klar gewesen sein: Wenn die "Yamato" nach Okinawa fährt, werden die Amerikaner sie mit ihren Bombern zerstören. An Bord sind mehr als 3000 Männer - jeder Einzelne dem Tod geweiht. Wenn Okinawa fällt, hat Japan den Krieg endgültig verloren. Sollten Tausende von Piloten der Selbstmord-Geschwader vergeblich gestorben sein, während das größte Kriegsschiff des Landes nutzlos im Hafen liegt? Der Marine bleibt überhaupt keine andere Wahl, als die "Yamato" im Namen der Ehre zu opfern.

Am 6. April um 15.20 Uhr lichtet der schwimmende Panzer die Anker. Schon bald nach dem Auslaufen zieht ein Unwetter auf. Ein Glücksfall. Denn die niedrig hängenden Wolken machen es den feindlichen Flugzeugen schwer, die "Yamato" zu entdecken. Zunächst soll der Erste Offizier eine Route entlang der Küste berechnen. Eine Sicherheitsmaßnahme, bevor es aufs offene Meer geht.

Befehl gegen die Regeln

Kapitän der Yamato (Spielszene) Quelle: ZDF

Bereits nach kurzer Zeit signalisieren die Begleit-Zerstörer, dass sie amerikanische U-Boote gesichtet haben. Die "Yamato" dreht sofort ab nach Westen. Kapitän Ariga Kosaku befiehlt einen Zick-Zack-Kurs. Unter Deck darf sich die Mannschaft nach Herzenslust betrinken. Eine Aufforderung, die eigentlich gegen alle Regeln verstößt.

Im Morgengrauen des 7. April nimmt die schwimmende Festung Kurs Südwest. Schicksalergeben fahren die Japaner direkt auf die amerikanischen Schiffe zu. Noch 190 Seemeilen trennen die "Yamato" von ihrem Ziel, als US-Flugzeuge das Schiff orten. Die Crew reagiert sofort. Doch die Luftabwehrkanonen an Bord können gegen die Angreifer aus der Luft wenig ausrichten - die dichte Wolkendecke verhindert präzise Schüsse.

Präzise Angriffe der US-Bomber

Als sich die ersten Bomber nähern, feuern die Japaner aus den über hundert Luftabwehr-Geschützen. Aber fast alle Maschinen entkommen dem Geschosshagel. Dann bringt sich - genau über dem Schiff - eine Staffel in Position. Die erste 250-Kilo-Bombe zerschmettert den Stahl des Decks, innerhalb von Sekunden bricht Feuer aus. Nun attackieren spezielle Torpedobomber vom Typ "Avenger" die "Yamato". Sie schicken ihre Unterwasserwaffen präzise dorthin, wo die Panzerung am dünnsten ist.

Animation Torpedotreffer auf der Yamato Quelle: ZDF


Nach 13 Torpedotreffern und acht schweren Bombentreffern ist das Schicksal der "Yamato" besiegelt. Der Riese neigt sich auf die Seite. In einem letzten Aufbäumen setzt die Mannschaft noch einmal das Flugabwehrsystem ein. Ohne Erfolg.

Nicht mehr als eine Routine-Übung

Kurz darauf kentert die "Yamato". Die Explosion der Pulvermagazine für die vorderen Hauptgeschütze reißt das Schiff in zwei Hälften. Hundert Meilen weit ist die sechs Kilometer hohe Rauchwolke zu sehen. Die 400 US-Bomber ziehen sich auf die Flugzeugträger zurück. Japans Flaggschiff verschlingen die Wellen innerhalb einer Stunde. Für die Amerikaner bedeutet die Zerstörung des mächtigsten Schlachtschiffes der Welt nicht mehr als eine Routine-Übung. Eine Fußnote in der Chronik des Zweiten Weltkriegs.

Wochenlang verschweigt die Kaiserliche Marine den Verlust der "Yamato" - und den Tod von 2498 Männern. Die Geretteten werden in einem Hafengebäude kaserniert und von der Außenwelt abgeschottet. Die Soldaten dürfen erst nach einem Monat zu ihren Familien zurückkehren. Der Untergang der "Yamato" zählt zu den tragischsten Ereignissen in der Geschichte der Seekriege. Das hochgerüstete Schlachtschiff und seine Besatzung wurden Opfer einer eiskalten Taktik. Mann und Material schickten die Verantwortlichen vorsätzlich ins Verderben.

Sinnloses Massensterben

Als das Todeskommando zur letzten Fahrt auslief, sprachen die Admiräle feierlich von "Ehre" und "unsterblichem Ruhm". Und von der nationalen Pflicht, das Vaterland bis zur letzten Patrone zu verteidigen. So wurde die "Yamato" für die mutigen Männer zum stählernen Sarg. Ein sinnloses Massensterben, denn Japan stand längst auf der Seite der Verlierer. Und das musste die Regierung gewusst haben.
Die kaiserliche Blüte am Bug des Schiffes ist Japans uraltes Staatssymbol für ein langes Leben. Im Fall der "Yamato" jedoch steht sie für einen schnellen Tod. Seit ihrem Untergang am 7. April 1945 hat zumindest kein Land der Erde je wieder ein Schlachtschiff gebaut.

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