Opferbeigaben im See

Thompson als Pionier der Unterwasser-Archäologie

Von seinem Widersacher Edward Thompson hatte Teobert Maler schon lange nichts mehr gehört. Ob Thompson aufgegeben hatte? Tatsächlich war es einige Zeit ungewöhnlich ruhig um den amerikanischen Konsul geworden. Jedoch nicht, weil er sich zurückgezogen hatte, im Gegenteil.

Cenote Quelle: ZDF

Um der Mayastadt Chichen Itza in Yucatán möglichst nah zu sein, hatte er eine Hacienda nicht weit von der historischen Stätte gekauft. Das Anwesen hatte für den Spottpreis von 75 Dollar den Besitzer gewechselt. Wissenschaftlich konnte Edward Thompson seinem Konkurrenten Teobert Maler nicht das Wasser reichen, das hatte der US-Amerikaner in den Jahren zuvor begriffen. Aber die Museen in den USA rissen sich um Thompsons Fundstücke.

Zerstörte Schriften

Bild Bischof Diego de Landa Quelle: ZDF

Aus den Ruinen von Chichen Itza erhoffte er sich reiche Beute. Dafür gab es einen besonderen Grund. Thompson hatte die Berichte des Bischofs Diego de Landa genau gelesen, der der spanischen Krone von heidnischen Opferbräuchen der Maya berichtete. Bischof de Landa ließ im 17. Jahrhundert die Schriften der Maya verbrennen. Das Wissen einer großartigen Kultur ging in Rauch auf. Denn Diego de Landa hatte in den Bildern und Schriften der Maya das Werk des Teufels ausgemacht.

Tatsächlich zeigen Reliefs bizarr anmutende Rituale. Die Gemahlin eines Königs zieht sich eine dornenbewehrte Schnur durch die Zunge. Über den Schmerz sollte ein Trancezustand erreicht werden, um so in die Unterwelt einzutauchen, in der die Götter wohnten. In den Berichten de Landas ist aber auch immer wieder von Menschenopfern mit reichen Beigaben die Rede. Noch kein Forscher war den Schriften des Priesters nachgegangen. Bis Thompson nach Chichen Itza kam.

Bizarres Relief Quelle: ZDF

Opfer im Brunnenschacht

Edward thompsom hatte die Schauergeschichten des spanischen Bischofs im Ohr, als er sich im Dickicht auf die Suche machte. Die Indios hatten den Brauch, viele Gegenstände in einen Brunnen hinein zu werfen, die wertvoll waren. Auch lebende Menschen, besonders Jungfrauen wurden in den Brunnen geworfen, um sie den Göttern zu opfern. Sie dachten, diese Menschen würden nicht sterben, obwohl man sie nie wieder sah. Thompsons ganze Aufmerksamkeit galt nun diesen Opfer-Brunnen.

Diego de Landa sprach in seinen Schriften von einem Brunnen, doch Thompsons Entdeckung glich eher einem kleinen See. Mit einem Tiefenlot wollte Thompson den Grund des Wasserlochs bestimmen. Doch das Lot fiel nicht auf den Grund. Thompson wusste, dass die Maya dem Regengott Chac die materiell wertvollsten Opfer darbrachten. Um die von ihm vermuteten Schätze zu bergen, fasste er einen verwegenen Plan: eine Unterwasser-Expedition.

Thompson bei Tauchgang Quelle: ZDF

Auf eigenes Risiko

Im Jahr 1904 wurde Thompson zum Pionier der Unterwasserarchäologie in Zentralamerika. Drei Jahre hatte er benötigt, um US-amerikanische Finanziers davon zu überzeugen, ihr Geld in die erste Unterwasser-Expedition Mexikos zu investieren. Zum Grund des heiligen Cenote von Chichen Itza. Nachdem Thompson unterschrieben hatte, dass er den Tauchgang gänzlich auf eigenes Risiko unternahm, bekam er schließlich das Geld.

Am Tage des Tauchgangs waren sich die einheimischen Helfer sicher: Edwrad Thompson würde nicht mehr wiederkehren. Die mit Blei beschwerten Sohlen seiner Schuhe zogen Thompson sofort hinunter. Er trug einen Trommelfellschaden davon, denn ein Druckausgleich durch eine langsame Sinkgeschwindigkeit war noch nicht bekannt. Doch er gab nicht auf. In 40 Metern Tiefe, fand Thompson tatsächlich Opferbeigaben. Aber auch menschliche Knochen und den ersten Schädel. Bischoff Diego de Landa hatte Recht behalten.

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