Ordnung als höchstes Prinzip

Ägyptische Götterwelten und die Macht der Priester

Ihr Land, so glauben die Ägypter, steht unter dem besonderen Schutz der Götter. Zwischen ihnen und den Menschen können nur die Pharaonen vermitteln - und die Priester, als ihre Stellvertreter.

Prozession beim Opetfest (Spielszene)
Prozession beim Opetfest (Spielszene) Quelle: ZDF

Unzählige Götter herrschen über das Paradies am Nil. Ihren Anfang nahmen die Schöpfung und mit ihr auch die Götter, als sich der mythische Urhügel aus dem Urmeer emporhob. Eine Schöpfungsgeschichte, wie die Ägypter sie alljährlich erlebten: wenn die Nilflut ablief und das fruchtbare Land wieder erschien. So wird der Urhügel zum Symbol der Wiederkehr des Lebens, der durch die Grabhügel der frühen Könige seine Form findet. Immer höher wächst dieser Hügel an, immer abstrakter wird seine Form, bis die Ägypter schließlich die perfekte Pyramide bauen.

Die Urgötter - zu denen auch Amun gehört - versammelten sich, vertrieben die Finsternis und schufen alles Leben. Ein zweiter Mythos erzählt von einem Schöpfergott, der aus sich selbst heraus - die Götter Schu und Tefnut - Luft und Feuchtigkeit - zeugte. Ihre Nachfahren sind Geb und Nut - Himmel und Erde. Ihnen werden vier Kinder geschenkt: Seth, der "Donnerer", sein Bruder Osiris, der später zum Gott der Unterwelt wird, und die beiden Schwestern Isis und Nephtys. Sie alle bilden die "große Neunheit" der ägyptischen Götter. An der Spitze steht immer der Sonnengott. Im Neuen Reich trägt er den Namen Amun-Re.

Tempel als Wirtschaftsfaktor

Göttin Maat mit Flügeln
Ägypten: Göttin Maat Quelle: ZDF

Ägyptologe Donald Redford zum Amun-Kult: " Der Amun-Kult war Ausdruck des ägyptischen Patriotismus. Er war der Gott des Landes. Er hatte das Reich stark gemacht. Wenn es eine Verkörperung der Nation gab, war er es: Amun-Re, König der Götter. Sein wichtigstes Heiligtum ist der Tempel von Karnak, der über Jahrhunderte hinweg durch die Pharaonen erweitert wurde."

Zur Zeit von Amenophis III., dem Vater Echnatons, leben im Tempelbezirk von Karnak tausende Priester. 240.000 Hektar Land und 400.000 Stück Vieh gehören zum Besitz. Die Ernte wird in gewaltigen Kornspeichern gelagert. 80.000 Menschen arbeiten für den Tempel. Denn die Tempel sind nicht nur religiöse Zentren, sie sind auch Universitäten und Verwaltungssitze. So hängt die Existenz eines Großteils der Bevölkerung von ihnen ab.

Steter Fluss von Opfergaben

Rekonstruktion des Antiken Theben mit Karnak-Tempel
Rekonstruktion Antikes Theben mit Karnak-Tempel Quelle: ZDF

Allein die Priester haben - außer dem Pharao - direkten Zugang zu den Göttern in der riesigen Anlage von Karnak genauso wie in den restlichen Tempeln des Landes. Tag für Tag müssen sie in den Heiligtümern festgelegte Rituale vollziehen. Denn auch die Götter könnten sterben. Und dann käme Chaos über das Land. Deshalb darf der Fluss der Opfergaben nie versiegen.

Ägypten: Relief mit Pharao
Ägypten: Relief mit Pharao Quelle: ZDF

Um die Gunst der Götter zu erlangen, bringen die Ägypter zahlreiche Opfer. Von der Fülle dieser Gaben zeugen lange Listen an den Tempelwänden: Tausende Krüge Bier und Wein bringen die Menschen dar, aber auch unzählige Enten, Rinder, Öl, Getreide, Weihrauch und Myrrhe. Dazu Donald Redford: "In Ägypten gab es etwas, das wir 'Opfer-Umlauf' nennen. Das heißt: Zunächst wurden die Opfer dargebracht und die Götter mit ihnen symbolisch befriedigt. Danach wurden sie verteilt: an Priester und alle anderen, die für den Tempel arbeiteten. Jeder bekam einen bestimmten Prozentsatz aller Opfer als Lohn - das wurde per Dekret festgelegt." Es ist ein Geben und Nehmen. Die Bevölkerung opfert dem Gott und versorgt damit die Priester. Die wiederum verteilen den Überschuss an die Bedürftigen.

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