Orellanas Schlacht

Kampf mit Wunderwesen

Die indianischen Amazonen galten lange als tropische Legende, jene sagenumwobenen Kriegerinnen, die Orellanas Chronist Carvajal nach der griechischen Mythologie benannt hatte.

Noch heute ist nicht sicher, ob es die kriegerischen Frauen wirklich gab: Sie galten als beste Bogenschützen Amazoniens. Und es hieß, jeder Mann, der ihr Dorf betrete, werde auf der Stelle getötet. Nur der Stamm der Guaraker dürfe einmal im Jahr an einem ihrer Feste teilnehmen.

Grausamer Fund

Auf dem Schiff der Spanier, der Victoria, plagt die Männer seit Wochen der Hunger. Die Eroberer beginnen zu halluzinieren. Sie glauben, Trommeln zu hören, sehen unbemannte Kanus mit Salzkrügen vorbeigleiten und merkwürdige Wesen mit langen Schwänzen am Ufer stehen. Als sie sich endlich in einem verlassenen Indianerdorf über die gedeckte Tafel hermachen können, erwartet sie ein grausamer Fund: abgetrennte Menschenköpfe.Die Hochachtung vor der Kultur der Tucanos weicht mit einem Schlag den alten Klischees von Menschen fressenden Wilden.


Orellanas Männer begeben sich auf die Spur der Amazonen, Tupinamba-Indianer hatten ihnen von den Wunderwesen berichtet. Wenn schon keine Goldschätze, wollen sie wenigstens eine dieser wilden Frauen fangen und als Aufsehen erregende Jagdbeute nach Spanien bringen. Die Amazonen ergreifen vor den merkwürdigen Fremden die Flucht. Den Spaniern gelingt es jedoch nicht, eine von ihnen zu fangen. Und statt selbst zu fliehen, wie ihnen indianische Helfer raten, sollten sie in das schwerste Gefecht ihres Amazonas-Abenteuers verwickelt werden.

Ruhe vor dem Sturm

Nur ein Tag ist seit der Flucht der Amazonen vergangen. Die Trommeln haben mit ihrem dumpfen Grollen die Nacht erfüllt. Die Fahrt der Victoria ist an diesem Tage gespenstisch ruhig. Die Spanier ahnen, dass die Amazonen die Guaraker und womöglich weitere Stämme zur Verstärkung gerufen haben. Am Ende des Tages sollte keiner von ihnen unverletzt bleiben - trotz der Überlegenheit ihrer Feuerwaffen.

Die Menge an Indianern, denen Orellana in seiner größten Schlacht gegenüber stand, schien Wissenschaftlern lange übertrieben. Erst seit der Entdeckung der Indio-Erde Terra Preta steht fest, dass tatsächlich Millionen von Indianern am Amazonas lebten. Heute sind nur noch 300.000 Ureinwohner übrig.

Abenteuer bestanden


Am 26. August 1542 hat Orellana das größte Abenteuer seiner Zeit bestanden - die Durchquerung des Amazonas von seinen Quellen in den Anden bis zur Mündung in den Atlantik: Sie erreichen, von einer letzten Springflut gebeutelt, den Ozean an Brasiliens Ostküste. Am Morgen des 11. September 1542 landen sie endlich in der ihnen bekannten Karibik.

Zurück in Spanien wurde Orellana durch den damals sechzehnjährigen Kronprinzen Philipp freigesprochen und mit einer neuerlichen Expedition ins Goldland beauftragt. Bei dieser zweiten Reise verschwand Orellana 1546 spurlos auf dem gewaltigen Strom, dem er den Namen Amazonas gegeben hatte.

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