Original und Fälschung?

Angeblich wurde eine Kopie von Hitler in Auftrag gegeben

In der Amarna-Sammlung in Berlin taucht 1981 ein geheimnisvoller Fremder auf, der sich als Major Edzard Folkers zu erkennen gibt. Seine nebulösen Enthüllungen schüren einen ungeheuerlichen Verdacht: Ist es tatsächlich die echte Nofretete, die heute auf der Museumsinsel steht?

Augen der Nofretete Quelle: ZDF

Folkers behauptet, im April 1945 den Befehl für die Auslagerung der Nofretete aus dem Berliner Zoo-Bunker erteilt zu haben. Niemand weiß, was sich dort wirklich abgespielt hat. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs hat man die Museumsschätze der Stadt in den Bunker gebracht, um sie vor dem drohenden Bombenhagel zu schützen. Folkers' Aussage widerspricht Protokollen, nach denen die Nofretete bereits Tage zuvor nach Thüringen transportiert wurde.

Mutterkopie aus Stein

Gab es neben dem Original noch eine Fälschung? Der Archäologe Barry Kemp trifft mit Dr. Klaus Goldmann einen Mann, der die Verlagerungsgeschichte der Büste untersucht hat. Ihm hat Folkers eidesstattlich versichert, die Nofretete am 5. April 1945 im Zoo-Bunker unter Panzerglas gesehen zu haben. Doch woher stammen die Spekulationen über Original und Fälschung? Fotos existieren von einer Mutterkopie aus Stein, nach der bis heute Gipsabdrücke gefertigt werden.

Nofretete-Büste Quelle: ZDF

Wer zu den ersten Auftraggebern gehörte, wusste Otto Kümmel, Generaldirektor der Berliner Museen. Kümmel hatte am Krankenbett mehrfach erzählt, dass Anfang der 30er Jahre eine ganz exakte Kopie auf Weisung von Hitler hergestellt worden sei. Legenden ranken sich um die Motive des Diktators. Mit einer täuschend echten Kopie habe er die Ägypter hereinlegen wollen, so der Verdacht. Sicher ist, dass Hitler die Bergung der Kunstschätze per Führerbefehl angeordnet hat - einen Monat bevor Folkers die Order erteilt haben will.

Zwei verschiedene Kisten

Die Odyssee führt inmitten von schweren Fliegerangriffen nach Thüringen, wo die Nofretete in Salzminen versteckt werden soll. Bis heute gibt es Verwirrung über die Nummern der Kisten, in denen die Büste transportiert worden ist. Nofretete hat das Museum in Kiste 28 verlassen. Ende März 1945 aber kommt sie in Kiste 34 in der Mine Merkers an. Ist die echte Büste im Bombenhagel verschollen? Wo endete die mysteriöse Reise der Nofretete?

Eine Expedition des Archäologen Barry Kamp führt durch die kilometerlangen Salzstollen der Mine Merkers in Thüringen. Mit dem Fahrstuhl geht es fast 600 Meter in die Tiefe. Für den Archäologen könnte der Kontrast nicht extremer sein: der warme Wüstensand von Amarna, in dem die Nofretete lag, und die feucht-dunklen Stollen, in denen sie im Krieg versteckt wurde.

Versteck der Nofretete-Büste in einer Salzmine

Unglaubliche Beute

Erste Station ist der Raum, in dem Hitlers Offiziere das Reichsbankgold und einen Teil der Berliner Museumsschätze untergebracht haben. Doch am 4. April 1945 dringt eine Einheit der dritten amerikanischen Armee in das Bergwerk ein. Barry Kemp erhält eine lebhafte Vorstellung davon, welchen Triumph sie beim Anblick der gigantischen Goldreserven erlebt haben müssen. Ein Schatz von einer irrsinnigen Dimension. "Unsere gesamten Goldreserven in Höhe von hundert Tonnen sind in die Hände der Amerikaner gefallen", notiert der deutsche Propaganda-Chef Goebbels. "Dazu noch ungeheure Kunstschätze - darunter die Nofretete", schreibt Goebbels weiter.

Die Schächte, in denen die Schätze in die Tiefe transportiert wurden, sind heute verschüttet. Dennoch ist die Tour durch die Unterwelt für Kemp ein unvergleichliches Abenteuer. Mehr als einen halben Kilometer unter der Erde ist auch die Angst der Soldaten nachvollziehbar, als sie immer tiefer in das dunkle Labyrinth vorrückten. Letzte Station ist der Ort, an dem die Nofretete aufgefunden wurde - eine Nofretete. Hinter einer unscheinbaren Tür hat das Juwel der Bildhauerkunst die Bombenangriffe überdauert. In amerikanischen Soldatenzeitungen macht Nofretete zunächst als mumifizierter Kopf von Tutenchamuns Schwiegermutter Schlagzeilen. Doch bald besteht kein Zweifel mehr: es ist Borchardts bunte Königin.

Amerikanische Kunstschutzoffiziere begutachten Nofretete-Büste (Spielszene) Quelle: ZDF

Erstes Rendezvous

Im Art Collecting Point der amerikanischen Militärregierung in Wiesbaden sollen zwei Kunstschutzoffiziere am Weihnachtsabend 1945 das erste Rendezvous mit Nofretete arrangiert haben. Entgegen dem strikten Befehl, dass nichts den Kisten entnommen werden darf. Die Büste soll sich in Kiste 28 befunden haben, so wie sie das Museum verlassen hat. Die zweite Nofretete bleibt von nun an verschollen. Niemand weiß, ob es die gefälschte Zwillingsschwester wirklich gegeben hat.

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