Ostgoten in Italien

Ravenna wird zur neuen Residenz Theoderichs

Einst waren die West- und die Ostgoten ein Volk. Nach langer Wanderschaft wurden die Westgoten in Spanien heimisch, doch welche Spuren haben die Ostgoten hinterlassen? Auch sie waren von den Hunnen aus ihrer Heimat am Schwarzen Meer vertrieben worden. Als dann die Hunnen Europa verließen, traten auch die Ostgoten das Erbe des Römischen Reiches an.

Vom Balkan aus erweiterte der ostgotische König Theoderich seine Herrschaft bis nach Italien, ins Herz des Imperiums. Der Historiker Prokop schrieb: "REX THEODERICUS, der fromme Herrscher. Über seine Untertanen regierte er mit allen Eigenschaften, die jemandem zukommen, der von Natur aus Kaiser ist."

Im Jahr 493 machte Theoderich Ravenna zu seiner Residenz. In keiner anderen Stadt gibt es so viele architektonische Zeugnisse der Germanen. Ravenna ist berühmt für seine Kirchen und Mosaiken. Sie erzählen vom "Goldenen Zeitalter" der Ostgoten in Italien. Auf einem der Mosaiken ist eine der äußerst seltenen, zeitgenössischen, Darstellungen der Goten zu sehen: die Palastwache mit ihrer germanischen Haartracht.

Gotteslästerung

Von ihrem Glauben zeugt das "Baptisterium der Arianer", die Taufkapelle, die Theoderich bauen ließ. Die Ostgoten waren seit langem Christen. Allerdings keine römischen Katholiken, sondern Arianer. Sie glaubten nicht an die Heilige Dreifaltigkeit. Für sie war Jesus dem Gottvater nicht gleichgestellt. Für die römisch-katholische Kirche war das Gotteslästerung, schlimme Irrlehre und frevelhafte Ketzerei. Die Goten indes waren toleranter gegen Andersgläubige.

Verflucht und ausgelöscht

Die Kirchen ließ Theoderich mit prächtigen Mosaiken schmücken. Auf einem ließ er sich sogar verewigen, heute sucht man ihn aber vergeblich. Beim Mosaik des Hafens von Ravenna hatten die Experten genau hingesehen: Die unterschiedlichen Farben der Mosaiksteinchen verrieten ihnen: Hier wurden die Abbildungen der ostgotischen Stadtherren entfernt. Die Erinnerung an die arianischen Ketzer sollte verflucht und für immer ausgelöscht werden. Theoderichs Höflinge wurden durch schlichte Vorhänge ersetzt. Aber ihre Hände auf den Säulen vergaß man beim Bildersturm. Sie zeugen noch heute von Theoderich dem Großen und seiner Herrschaft.

Drei Jahrzehnte Frieden

Das Mausoleum Theoderichs ist die einzig erhaltene Grablege eines Königs aus der Völkerwanderungszeit. Er starb im Jahre 526. Drei Jahrzehnte lang hatten Frieden und Gerechtigkeit geherrscht. Selbst die römischen Untertanen empfanden die Herrschaft des "Barbarenkönigs" als "Goldenes Zeitalter". Das Ostgotenreich überlebte seinen Gründer nur 26 Jahre. Danach verschwanden die Ostgoten aus der Geschichte.

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