Ozeangleicher Herrscher

Mongolenführer mit militärischem Geschick

Die Erziehung seiner Mutter prägt den jungen Temudschin für sein ganzes Leben. Auch, als er längst den Titel des Khan trägt, will er sie immer in seiner Nähe wissen und hört auf ihre Ratschläge.

Nach einem Streit soll Mutter Udschin ihren Söhnen eine Legende ihrer Ahnen erzählt haben. Es hat Temudschins späteres politisches und militärisches Handeln maßgeblich beeinflusst.

Zusammen in Eintracht

Mutter Udschin gibt jedem ihrer Söhne einen Pfeil in die Hand, den die Heranwachsenden ohne Mühe zerbrechen können. Dann gibt sie Temudschin ein Bündel von fünf zusammengebundenen Pfeilen. "Wenn ihr aber wie jenes Bündel Pfeile zusammen in Eintracht bleibt, was könnte euch dann so leicht von irgend jemanden geschehen."

Um 1190 eint er die mongolischen Sippen unter seiner Führung. Obwohl seine Abstammung ihn nicht zum Anführer legitimiert, überzeugt er seine Gefolgsleute durch seine Skrupellosigkeit und sein militärisches Geschick. Mit vereinten Kräften unterwerfen die Mongolen die anderen Steppenvölker, wer aufbegehrt wird vernichtet oder vertrieben. Im Jahre 1206 beruft der neue Khan Temudschin einen Reichstag ein, den Khuriltai. Vor 800 Jahren versammeln sich die Reichsfürsten am Ufer des Onan-Flusses im Stammland der Mongolen. Unter der weißen Standarte erheben sie Temudschin zum Dschingis Khan und verleihen ihm den Titel: Ozeangleicher Herrscher.

Tapferkeit und Gehorsam

Dschingis Khan verkündet die allgemeine Wehrpflicht und betraut Tausendschaftsführer mit der Führung seiner riesigen Armee. Für die Ernennung ist nicht mehr "Blutsverwandtschaft" ausschlaggebend, sondern Tapferkeit im Kampf und bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem Khan. Ein revolutionärer Bruch mit den sozialen Verhältnissen der Steppe. Die Truppen werden in Zehnerschaften geordnet. Die Männer kontrollieren sich gegenseitig. "Wenn sie nicht zusammenhalten, werden sie im Falle der Flucht alle getötet."

Mangelnde Loyalität

Die Armeeführer schwören Gefolgschaft mit der Überreichung von Pferdehaaren. Ein Haar von jedem Pferd eines jeden Soldaten, denn Einigkeit macht stark. Aus diesen Bündeln entsteht die Schwarze Standarte, das Feldzeichen der mongolischen Armee. Die Stempel der Tausendschaftsführer sind die Siegel einer neuen Ordnung in der Steppe. Eine Ordnung, die Verrat und Betrug durch Disziplin und Gehorsam ersetzt. Die "Geheime Geschichte" enthält viele Legenden, in denen Dschingis Khan für rechtmäßiges Verhalten Beispiel gibt.


Eines Tages wird Dschamucha, ein Jugendfreund des Herrschers, von seinen eigenen Gefolgsleuten vor den Khan gebracht. Er hatte Dschingis verraten und war zu den Feinden übergelaufen. Jetzt hoffen die Häscher auf Belohnung. Dschamucha beklagt sich: "Wie könnt ihr zulassen, dass Sklaven und Diener ihren eigenen Herrn durch Verrat überwältigen und festnehmen?" Die Antwort des Khan lautet: "Ich frage mich, wie jemand, der Hand an seinen rechtmäßigen Herrn gelegt hat, am Leben bleiben kann. Die Leute, die an ihren Herrn Hand gelegt haben, sollt ihr mit Kind und Kindeskindern enthaupten!" Statt Rache an seinem Freund zu üben, der ihn schmählich verraten hatte, bestraft Dschingis Khan die mangelnde Loyalität der Häscher gegenüber ihrem Anführer.

Die Schlagkraft der neu organisierten Armee beruht jedoch nicht allein auf ihrer straffen Disziplin. Geschickt setzen die Mongolen ihre wendigen Pferde ein, um schnell und weiträumig zu operieren. Der Feind verliert die Orientierung und fast scheint es, als tauchen die Reiterkrieger an allen Stellen gleichzeitig auf, um sich schnell wieder zurückzuziehen. Die starr operierenden Armeen ihrer Gegner haben dieser Strategie nichts entgegen zu setzen.

Mit Pfeil und Bogen

Ihre Hauptwaffe sind Pfeil und Bogen. In Europa sind Distanzwaffen als unritterlich geächtet, in der mongolischen Armee trägt jeder Soldat mehrere Bögen und eine große Zahl an Pfeilen mit sich. Von Kindesbeinen an sind sie geübte Reiter und Bogenschützen. Die Jagd dient als "Schule des Krieges". Der kompakte und dennoch extrem leistungsstarke Reflexbogen ist eine tödliche Waffe, mit der ein Steppenreiter selbst aus vollem Galopp auf 300 Meter trifft.

Zwei bis drei zähe und ausdauernde Wildpferde führen die Reiterkrieger mit sich. So können sie binnen kurzer Zeit große Distanzen überwinden. Rast machen sie nur zum Schlafen oder Essen. Europäische Quellen aus dem Mittelalter berichten, dass der Proviant der Truppe Fleisch sei, das die Tartaren unter ihrem Sattel weich reiten. In der Bezeichnung "Tartar" hat sich dieser Mythos bis heute erhalten.

Einfach und effektiv

Wahr ist, dass jeder Soldat getrocknetes Fleischpulver in Kuhblasen am Sattel transportiert, das er in heißem Wasser auflöst. Mit dieser "Instantbrühe" kann sich die Truppe monatelang selbst versorgen. Mit einfachen, aber effektiven Mitteln hatte Dschingis Khan seine Armee organisiert und damit gleichzeitig die Gesellschaftsordnung in der Steppe von Grund auf erneuert.

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