Paititi zum Greifen nahe

Expedition kurz vor dem Ziel abgebrochen

Herbert Cartagena stößt wieder zum französischen Team. Er hatte eine andere Route gewählt ganz in der Nähe von Mameria, einem Ruinenfeld, dass er 1979 entdeckte. Vom Hubschrauber wollen sie sich jetzt im undurchdringlichen Dschungel des Paratoari-Gebietes absetzen lassen. Jeder Versuch, zu Fuß oder mit dem Boot weiterzukommen, würde wegen der beginnenden Regenzeit zu lange dauern.

Die Orientierung aus der Vogelperspektive bereitet unerwartete Schwierigkeiten. Wo nur könnte der Hubschrauber im überwucherten Gelände landen?

Uneinig über den Zielpunkt

Herbert und Thierry sind sich nicht einig über den Zielpunkt. Vielleicht haben die beiden insgeheim gehofft, schon aus der Luft direkte Anhaltspunkte für die Position der Ruinenkomplexe gewinnen zu können. Thierry zweifelt an der eingeschlagenen Richtung. Er vermutet die auf der Karte anvisierte Stelle weiter westlich.


Der Pilot drängt langsam zur Entscheidung. Als einzig möglicher Landeplatz erscheint eine Lichtung am Flussufer. Die Entscheidung Herbert Cartagenas, runter zu gehen, findet bei Thierry keine Zustimmung. Doch eine andere Wahl bleibt ihnen nicht. Auch nicht für den Piloten, der sein ganzes Können aufbringen muss, um zwischen den Bäumen sicher zu manövrieren. Während des ganzen Tages schleppt der Helikopter pausenlos Männer und Material heran.

Ein hartes Stück Arbeit

Einmal abgesetzt, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Team wartet ein hartes Stück Arbeit. Stundenlange Märsche in den unwegsamen Bergen Pantiacollas. Letztes Jahr waren sie mehr als 40 Tage durch dieses Gebiet gestreift. Am Rande der Erschöpfung hatten die einheimischen Träger aufgegeben. Herbert und Thierry waren noch ein paar Tage auf eigene Faust weitergezogen. Dieses Mal geben sie nicht auf - so knapp vor dem Ziel, das haben sie sich vorgenommen. Auch wenn es harte Tage und Nächte werden.



Vor Herbert und Thierry liegt jetzt die schwierigste Etappe. Unerwartet heftige Wolkenbrüche haben in den letzten Tagen die Bäche anschwellen lassen und das ganze Terrain in eine Schlammpiste verwandelt. Das Dickicht ist so menschenabweisend, dass die Männer nur im Bachbett vorankommen. Die Ruinen können nicht mehr weit entfernt sein. Doch der Wasserlauf nimmt eine andere Richtung. Ihnen bleibt nur der schwierige und schweißtreibende Aufstieg über zugewucherte morastige Berghänge. Doch die Magie des versunkenen Refugiums treibt sie an.

"Vorstoß nach Paititi"

1955 ging es dem Deutschen Hans Ertl nicht anders. Mit seinem "Vorstoß nach Paititi" sorgte er für Furore. Der Kameramann Leni Riefenstahls glaubte, dem Rätsel am Cerro Paititi nordöstlich des Titicacasees dicht auf der Spur zu sein. An einem Wasserfall mitten im Urwald soll die prächtige Stadt nach den Berichten der Jesuiten-Missionare gelegen haben. Viele Gefahren und mörderische Strapazen musste das Expeditionsteam überwinden und bis an die Grenzen gehen, um den definitiven Beweis zu finden. Was Ertl entdeckte, waren überwucherte Mauerreste, sie blieben die einzigen Schätze.

Uneins über die eingeschlagene Route, haben Herbert und Thierry die Orientierung offensichtlich verloren. Herberts Zweifel wachsen. Längst müssten sie auf eine der markanten Erhebungen gestoßen sein- jedenfalls nach den Aufnahmen der NASA. Den Franzosen macht der steile, zerklüftete Untergrund zu schaffen. Das schwierige Gelände kostet Kraft und Zeit. Je dichter das Unterholz, desto schneller wechseln Zweifel und Zuversicht. Drückende Schwüle und morastiger Boden - Meter für Meter mühsam erkämpft. Die Entdeckerseele wird auf eine harte Probe gestellt.

Euphorie und Ernüchterung

Doch plötzlich scheint das Ziel zum Greifen nahe. Selbst mit Fernglas kaum erkennbar, zeichnet sich schemenhaft die gesuchte Bergsilhouette ab, die nach den Karten ihren angestrebten Ausgrabungsort markiert. Noch ein wenig ungläubig folgen die Einheimischen dem euphorischen Aufbruch. Hat der Dschungel tatsächlich an jener Stelle das seit Jahrhunderten gesuchte Paititi unter sich begraben?


Thierry und Herbert glauben, Paititi im Visier zu haben. Große Pläne, jahrelange Vorbereitung, die Nerven liegen blank. Doch obwohl das Ziel in Sichtweite liegt, ist es logistisch in dieser Expedition nicht mehr zu bewältigen. Thierry kämpft um sein Fassung. Wieder scheitern sie knapp vor dem Ziel. Die Enttäuschung ist mit Händen greifbar. Der Rückzug ins Lager ist für Thierry sein schwerster Gang. Die groß angekündigte Expedition sollte ein triumphaler Erfolg werden. Nun bleibt sie buchstäblich im Morast stecken.

Paititi bleibt ein Mythos

Thierry und Herbert werden wiederkommen. Doch bis dahin bleibt Paititi, was es schon immer war: ein Mythos. Für den Entdeckereifer der Fremden halten die Nachfahren der Sonnensöhne ein Lächeln bereit: "Erst am Tage des Jüngsten Gerichtes werden die Menschen Paititi entdecken - nicht eher, nicht einen Tag eher.", sagen sie.

1999 weckte der Brite Peter Frost eine gigantische Anlage Peter Frost 1999 in 3900 Meter Höhe aus ihrem jahrhundertelangen Schlaf. Majestätisch, spektakulär und einsam - wie Adlerhorste auf das Dach der Anden gesetzt - die Fluchtburgen Vilcabamba, Macchu Picchu und Choquequirau - sie schenken den Sonnensöhne heute ihren verlorenen Nimbus der Unbesiegbarkeit symbolisch zurück. War Paititi in diesem Sinne vielleicht ein Utopia, das man in die menschenabweisenden Gebiete verlegte, geschützt vor dem Zugriff der Weißen?

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