Paradies auf dem Meeresgrund?

Auf den Spuren neolithischer Siedler in der Schwarzmeerregion

Vor mehr als 8.000 Jahren war das Schwarze Meer ein gigantischer Süßwassersee. Der Wasserspiegel lag hundert Meter tiefer als heute - ein idealer Siedlungsraum für die Menschen. Eine fruchtbare Landschaft, ein irdisches Paradies. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Ufer des Sees in jener Zeit besiedelt waren.

Das Neolithikum, die Jungsteinzeit, ist die Kindheit des Menschengeschlechts. Die Menschen organisieren sich in neuen Gemeinschaftsformen. Fischer, Jäger und Sammler werden zu Bauern. Nomaden werden sesshaft. Kleidung wird erfunden, Ackerbau und Viehzucht. Nun ist es nicht mehr möglich, einfach die Zelte abzubrechen und weiterzuziehen. Der aufbereitete Ackerboden ist das Kapital der Bauern, das mühsam gezüchtete Saatgut eine kostbare Investition in die nächste Ernte. Können die Äcker nicht bestellt werden, droht den Menschen Hunger und Tod.

Archäologische Überraschungen

Noch heute gilt die Schwarzmeerregion als eine der fruchtbarsten Landschaften Europas. Ihre Ebenen sind die Kornkammer des Balkan. Diese Region, nahe dem Donaudelta, ist ein faszinierendes Objekt historischer Forschung. Archäologen der Universität Bukarest suchen im verlorenen Garten Eden nach Spuren der Menschen, die die Sintflut-Katastrophe überlebt haben. In dieser Gegend Rumäniens befinden sich zahlreiche jungsteinzeitliche Siedlungen. Fast jeder Hügel birgt eine archäologische Überraschung.

Fruchtbares Land am Schwarzen Meer

Die Forscher dringen mit ihren jährlichen Grabungskampagnen in eine fremde Lebenswelt vor, in der jedes Detail einen Schlüsselfund darstellen kann. Unter den archäologischen Artefakten befindet sich auch ein Mahlstein, ein Hinweis darauf, dass nicht nur wild wachsendes Getreide gelegentlich gemahlen, sondern planvolle Ackerwirtschaft betrieben wurde. In dem Dorf lebten zweifellos Bauern. Die fruchtbare Schwarzmeerregion war schon in der Jungsteinzeit ein Standortvorteil.

Neolithische Revolution

Doch die Menschen, die am Ufer des Schwarzen Meeres lebten, geben heute noch Rätsel auf. Die Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Sammeln und Jagen auf Viehhaltung und Pflanzenanbau markiert einen fundamentalen Umbruch in der Geschichte der Menschheit. Sie wird von manchen Forschern gar als "Neolithische Revolution" bezeichnet. Emmer, Einkorn und Gerste sind die ersten Getreidearten, die angebaut werden, auch Hirse und Hülsenfrüchte gehören zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit.

Kulturtechniken entwickeln sich in Jahrhunderten, Know -How und Saatgut werden von Generation zu Generation weitergegeben. Doch die Siedler der Schwarzmeerregion tauchen plötzlich aus dem Dunkel der Geschichte auf. Wie aus dem Nichts existiert ein hohes kulturelles Niveau, es gibt keine Vorstufe dieser Entwicklung. Wie haben die Menschen ihre Fertigkeiten erlernt, wo befinden sich die Dörfer ihrer Ahnen? Wurden sie vielleicht von der Sintflut verschlungen?

Ganze Dörfer im Meer?

Danach wären die Ursprünge dieser Zivilisation auf dem Meeresgrund verborgen. Die Funde an den Grabungsstellen der rumänischen Wissenschaftler könnten demnach Überreste eines Dorfes sein, das von den Überlebenden der großen Katastrophe erbaut wurde, kilometerweit landeinwärts von ihren einstigen Siedlungen am Ufer des Sees entfernt. Wenn die Schwarzmeerflut eine historische Tatsache ist, dann liegen die Dörfer der Ahnen dieser Siedlung in einhundert Meter Wassertiefe. Unerreichbar für die rumänischen Archäologen.

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